In dem Artikel geht es um die vielen verschiedenen Meinungen rund um das Glyphosat-verbot, der Text soll zur eigenen Meinungsbildung anregegen.

Glyphosat- Gift oder Wundermittel?

Glyphosat- Gift oder Wundermittel?
Ein Kommerntar über die Glyphosat-debatte Moritz Ziarkowski
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Seit mehreren Jahren schon keimt die Debatte um das am häufigsten verwendete Herbizid Glyphosat immer wieder auf. Sowohl im EU-Parlament als auch im Bundestag debattieren die Abgeordneten über den Einsatz des Unkrautvernichters. Doch wie gefährlich ist der Stoff wirklich?

Das Herbizid setzt sich aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Phosphor zusammen. Seine chemische Summenformel lautet C3H8NO5P.

Glyphosat, auch Phosphonomethylglycin genannt, wird seit 1974 unter anderem von dem
amerikanischen Konzern Monsanto verkauft und weiterentwickelt. Es weist im Vergleich mit anderen Herbiziden eine geringere Mobilität auf, ist weniger toxisch gegenüber Mensch und Tier und hat eine kürzere Lebensdauer. All diese  Eigenschaften sind für den
landwirtschaftlichen Gebrauch sehr wünschenswert.

Das Herbizid wird bei nicht-genveränderten Pflanzen nur direkt nach der Aussaat verwendet, da nur die grünen Pflanzenteile es aufnehmen können. Bei Nutzpflanzen, die man durch Gentechnik Glyphosat-resistent gemacht hat, kann das Mittel während der
gesamten Wachstumsphase angewandt werden.

Der Punkt, um den sich die ganze Debatte dreht, ist die wahrscheinlich gesundheitsgefährdende  Wirkung des Stoffes. Die Internationale Agentur für Krebsforschung bewertete Glyphosat als wahrscheinlich krebserzeugend. Doch was ist, wenn das Herbizid verboten würde? Die Europäische Union gab 2014 ein Gutachten zu dieser Frage in Auftrag. Das Ergebnis: Ohne den Einsatz von Glyphosat müssten landwirtschaftliche Betriebe auf andere Herbizide zurückgreifen und für denselben Ertrag ihre Anbaufläche um etwa 2,4 Millionen Hektar ausdehnen. Dies hätte zur Folge, dass höhere Treibhausgas-Emissionen entstehen. Eine Alternative dazu währe, sich durch Import von Nahrungsmitteln abhängig zu machen.

Es gibt jedoch auch viele wissenschaftliche Gegenstimmen, die behaupten Glyphosat sei in den real vorhanden Mengen nicht gesundheitsschädlich. 2011 kam eine Studie von Pamela J. Mink zu dem Schluss, dass aufgrund fehlender Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem umstrittenen Herbizid und Krankheiten, wie zum Beispiel Atemwegserkrankungen, Herzinfarkten oder Reproduktions- und Entwicklungsstörungen, Glyphosat nicht dafür verantwortlich sei. Es gibt dafür wiederum auch Gegenstimmen, die behaupten, dass die Wissenschaftler möglicherweise von Monsanto bestochen wurden.

Es ist also eine wahre Zwickmühle, in der sich die Entscheidungstragenden im EU-Parlament  befinden: Glyphosat verbieten und ineffizienter  arbeiten, sowie die Emissionen in die Höhe treiben, sich vielleicht durch Import abhängig machen, oder die Zulassung für das Herbizid verlängern und das Risiko für mögliche Krebserkrankungen in Kauf nehmen?

Ich denke, man sollte der Demokratie im EU-Parlament vertrauen und auf einen gutenKompromiss oder eine Innovation seitens der Hersteller des Stoffes  hoffen. Viel mehr bleibt einem letztendlich  bei einer solchen Unsicherheit, die dank möglicherweise gefälschten Studien und unterschiedlichen wissenschaftlichen Meinungen, wie ein Nebel um dieses Thema liegt, auch nicht mehr übrig.


Moritz Ziarkowski

Gymnasium Lütjenburg,                                                                                                                                                                                      Wahlpflichtbereich Medienpraxis


Quellen:

Wikipedia/Glyphosat, Monsantoglobal/RoundUp, swp.de,
Chemie.de/lexikon/Glyphosat,
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230011001516?via%3Dihub,
http://www.ingentaconnect.com/content/resinf/opm/2014/00000025/00000005/art00007


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3 Kommentare

Udo Damerau
08.12.2017 12:30
Man sollte zunächst einiges darüber wissen:

http://www.glyphosat.de/glyphosat-grundlagen/wie-glyphosat-wirkt
https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat#Wirkmechanismus
http://www.bfr.bund.de/cm/343/hat-glyphosat-moeglicherweise-schaedliche-auswirkungen-auf-die-darmflora-von-mensch-und-tier.pdf

Wer seine Ängste steigern möchte, findet hier den passenden ´Stoff´
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/glyphosat-auswirkungen
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/monsanto-glyphosat-krebserregend-ia.html
http://www.biomedical-center.de/glyphosat-auswirkungen-auf-gesundheit-und-umwelt/

Man ´kann´ sich anhand der vorgeschlagenen Veröffentlichungen und auch weiterer, leicht aufzufindender, eine neue Meinung bilden oder bei seiner bisherigen bleiben.

Die ZEIT schrieb bereits am 22. September 2015 dazu:
http://www.zeit.de/wissen/2015-09/glyphosat-pestizid-krebserregend-gruene-verbot

"Ist Glyphosat nun krebserregend oder nicht? Darüber streiten Experten weiter. Im Kern geht es darum, wie Studien zu dem weltweit meistgenutzten Unkrautvernichtungsmittel auszulegen sind und welche man überhaupt berücksichtigen sollte...

Mit der Prüfung beauftragt wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Deutschland. Dieses kam nach einer ersten Studienauswertung im April 2015 zu dem Schluss, Glyphosat sei bei korrekter Anwendung nicht gesundheitsschädlich.

Zuvor hatte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC das Mittel – unabhängig vom EU-Prüfverfahren und auf anderer Datengrundlage – als ´wahrscheinlich krebserregend für den Menschen´ eingestuft.
Nachdem die Studien, auf die sich die IARC gestützt hatte, bekannt waren, prüfte das BfR die Risiken von Glyphosat auf dieser Basis erneut – und blieb bei seiner Einschätzung: keine nachweisbare Gesundheitsgefahr...

Wurden alle Studien berücksichtigt?
Nun erheben Grünen-Politiker schwere Vorwürfe gegen das BfR. Das Bundesinstitut habe bei der Risikoeinschätzung für die bevorstehende EU-Neuzulassung ´offenbar systematisch´ eine Vielzahl von Studien nicht berücksichtigt oder als nicht relevant abgetan. Darunter solche, die dem Pestizid eine krebsfördernde Wirkung bescheinigten...
Das BfR hingegen verteidigt seine Arbeit.
Bestimmte Studien, die nicht nur den reinen Wirkstoff Glyphosat untersucht hatten, seien bewusst nicht stärker in die Bewertung eingeflossen, da nicht auszuschließen sei, dass andere Bestandteile dieser Stoffgemische die krebserregenden Effekte gehabt hätten.
Das BfR ist dazu verpflichtet, bei seiner Prüfung auf EU-Ebene ausschließlich reine Wirkstoffe zu untersuchen.
Zudem habe man im zweiten Prüfdurchgang sämtliche Studien geprüft, die die IARC in ihrer Auswertung aufgeführt hatte.
Diese hätten zu keiner veränderten Gesamtbewertung geführt.
Somit seien ´alle verfügbaren Studien wissenschaftlich fundiert und mit höchster Sorgfalt geprüft und bewertet´ worden, teilt das BfR mit...

Das BfR hat inzwischen öffentlich dargelegt, welche Studien bei der Neubewertung berücksichtigt wurden und diese auf seiner Website aufgelistet...

Im Kern widerspricht das BfR der Einschätzung der IARC inzwischen nicht mehr.
Da das Bundesamt aber in so einem EU-Prüfverfahren nur den reinen Wirkstoff bewerten darf – und nicht das, was tatsächlich auf den Äckern im Alltag landet – ändern Hinweise auf eine krebserregende Wirkung aus epidemiologischen Untersuchungen nichts an seiner Einschätzung."
Udo Damerau
08.12.2017 13:22
Eine weitere mögliche Untersuchung nach den obigen Verfahren:

Ist Wasser aus geschmolzenem Schnee giftig?
Das BfR wertet Studien aus, die das untersucht haben.
Ergebnis: Schneeschmelzwasser ist nicht gesundheitsschädlich.

Beschwerde der ´Grünen´:
Es wurden Studien des IARC, die das Schmelzwasser aus grönländischem gelben(!) Schnee untersucht und als ´wahrscheinlich´ (s.o.) gesundheitsschädlich eingestuft hatten, nicht berücksichtigt.

Copy and past von oben:
"Das BfR hingegen verteidigt seine Arbeit.
Bestimmte Studien, die nicht nur den reinen Wirkstoff Glyphosat (hier Schnee) untersucht hatten, seien bewusst nicht stärker in die Bewertung eingeflossen, da nicht auszuschließen sei, dass andere Bestandteile dieser Stoffgemische die krebserregenden (hier gesundheitsschädlichen) Effekte gehabt hätten."

Das trägt hoffentlich zum Verständnis der unterschiedlichen Verfahrensweisen bei.
Lennart Bahr
30.11.2017 11:04
Hey Moritz, ich finde deinen Artikel über Glyphosat sehr spannend! Ich wusste gar nicht, dass es so einen Stoff überhaupt gibt. Es war sehr toll wie du über die Debatte Informiert hast! Ich hoffe ich sehe noch ein paar Artikel mehr von dir! Du hast echt ein händchen fürs schreiben.

Lennart Bahr

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