Handball-Weltverband erntet Sturm der Kritik

Au Backe! Handball bald ohne Harz?

Au Backe! Handball bald ohne Harz?
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Kiel. Handball ohne Harz? Mit dieser Idee sorgt Hassan Moustafa für Kopfschütteln im Welthandball. Der Präsident der Internationalen Handballföderation (IHF) kündigte an, die sogenannte „Backe“, die zu jeder Zeit die Griffigkeit des Spielgerätes garantiert, weltweit zu
verbieten. Spieler und Trainer äußern Kritik.

„Wir werden die Regel erlassen, dass kein Harz mehr verwendet werden darf. Und diese Regel gilt dann für alle Spiele – von der Weltmeisterschaft bis zur Kreisliga und selbstverständlich auch für den Jugendbereich“, sagte Moustafa. Um den Spielern das Fangen des Balles auch weiterhin zu erleichtern, habe die IHF eine Partnerfirma beauftragt, einen Ball zu entwickeln, der auch ohne Harz gut haftet. Das Verbot sei aus gesundheitlichen Gründen nötig, vor allem aber, weil harzige Bälle die Hallenböden verschmutzten.


Sportler kritisieren Begründung


„Diese Begründung klingt für mich komplett an den Haaren herbeigezogen“, sagt Rune Dahmke, Linksaußen beim deutschen Rekordmeister THW Kiel. „Das würde mehr kaputt machen als verbessern. Wir brauchen Harz für bestimmte Wurftechniken, zum Beispiel für Dreher.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass ein neuer Ball das Harz ersetzen könne. „Harz ist besonders für die Kreisläufer wichtig. An ihnen wird ständig gerissen und gezerrt, sie fangen den Ball mit zwei oder drei Fingern.“ Für den Fall eines Verbotes prophezeit Dahmke eine negative Entwicklung. „Ich glaube, unser Sport würde dann deutlich unspektakulärer und unattraktiver“, sagt der 23-Jährige.

Das Gesundheits-Argument zieht bei Gert Adamski, Geschäftsführer des Handballverbandes Schleswig-Holstein, nicht. „Ich habe meinen Trainerschein mit 18 Jahren gemacht und bis heute keinen Spieler erlebt, der durch Harz Probleme hatte“, sagt der 40-Jährige. Das Problem mit verklebten Sporthallen sei indes nicht von der Hand zu weisen. „Die Hallen sind meist in kommunaler Hand und werden nicht nur von Handballern genutzt, müssen also oft gereinigt werden“, erklärt Adamski. „Das müssen dann die Vereine zahlen.“ Außerdem seien geeignete
Reinigungsmittel oft aggressiv und griffen die farbigen Linien an. Dennoch findet er: „Backe gehört zum Spiel. Es wäre besser, eine Möglichkeit zu finden, die Reinigung in Griff zu bekommen.“


Ende 2017 soll das Verbot inkrafttreten


Laut IHF soll der Entwicklungsprozess des neuen Balles, in den der
Weltverband bereits mehr als eine Million Dollar investiert hat, spätestens
Ende 2017 abgeschlossen sein. Nach einer Testphase soll der IHF-Kongress der
Regeländerung dann zustimmen, die für sämtliche Handball-Ligen weltweit bindend
wäre.


In Kiel herrscht bereits Harzverbot


In städtischen Sporthallen in Kiel herrscht ein grundsätzliches Harzverbot. Wird dagegen verstoßen, stellt die Stadt die Reinigung dem entsprechenden Verein in Rechnung. Einzige Ausnahme ist die Helmut-Wriedt-Halle, in der Jugendmannschaften des THW Kiel trainieren.
Sie wird deshalb täglich durch einen externen Dienstleister maschinell gereinigt. Der THW beteiligt sich an den Kosten. Eine Reinigung kostet nach Angaben des TSV Altenholz, der seine Edgar-Meschkat-Halle je nach Bedarf von Harz befreien lässt, etwa 200 bis 250 Euro. Andere Vereine finden andere Lösungen. Rune Dahmke, der in der Jugend beim SV Mönkeberg spielte, erinnert sich: „Da wurde einmal im Monat von allen, die trainiert hatten, gemeinsam die Halle geputzt.“


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1 Kommentar

jochen lumin
09.11.2016 10:57
in kiel härscht kein hartz verbot das weiß ich weil ich in kiel handball spiele

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