Über das endlose Leid der Muslime in Myanmar

Gymnasium ElmschenhagenGymnasium Elmschenhagen 22. November 2017

von Sienn Khoshnau

9a, Gymnasium Elmschenhagen

Mit 1,8 Milliarden Menschen auf der Welt ist der Islam nach
dem Christentum die zweitgrößte Religion -
und die am schnellsten wachsende. Die Anhänger sind auf der ganzen Erde
verteilt und in einigen Ländern auch fest integriert. Dennoch gehört Rassismus
und Diskriminierung leider zum Alltag vieler Muslime und in einigen Fällen auch
eine regelrechte Verfolgung, wie man sie eigentlich nur aus der Vergangenheit
kennt. Doch das ist für einige Menschen die Gegenwart. Ein aktuelles Beispiel
sind die Anhänger des Islams in Myanmar, auch Rohingya genannt.

Ich bin eine Deutsch-Muslima mit einem kurdischen
Migrationshintergrund. In Deutschland geboren und aufgezogen, kann ich
behaupten, dass viele Muslime sehr gut integriert sind und integriert wurden. Wir
haben das gleiche Recht auf Bildung, auf Arbeit, auf Schutz und vieles mehr.
Die deutsche Verfassung sichert uns diese Rechte zu, und auch wenn die Theorie
das besagt, sieht die Praxis manchmal etwas anders aus. Die Arbeitssuche ist
schwierig und das alltägliche Leben bringt Herausforderungen mit sich. Dennoch
kann man definitiv nicht von einer Verfolgung oder einer absichtlichen Benachteiligung
sprechen. Ganz anders sieht es in Myanmar aus.

Myanmar. Ein unscheinbares Land in Südostasien, von dem wir
hier in Europa nicht viel mitbekommen. Dabei findet dort eines der größten
Tragödien in der Geschichte der Menschheit statt. Die Rohingya werden von den
Vereinten Nationen als die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt
eingestuft. Und dies ist definitiv keine Übertreibung.

Betrachtet man die Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe ,
findet man heraus, dass sie schon seit 1942 systematisch gefoltert und getötet
werden. Mehrere Hunderttausend flüchteten ins benachbarte Bangladesch.
Besonders große Flüchtlingsströme gab es außerdem 1962, 1978,1991. 2009 sorgten
die Flüchtlinge zum ersten Mal für internationales Aufsehen. Das benachbarte Thailand
verweigerte ihnen die Aufenthaltserlaubnis und schob etwa 1000 auf motorlosen
Booten aufs offene Meer. Etwa die Hälfte ertrank, darunter viele Frauen und
Kinder.

2012 kam es wieder zu nationalen Unruhen, nachdem Thein
Sein, der Präsident von Myanmar, befahl, die Muslime in ein anderes Land zu deportieren,
wenn sie nicht freiwillig das Land verlassen sollten. Doch auch in den Flüchtlingsunterkünften
leben sie unter elenden Bedingungen. Viele verhungern, verdursten oder sterben
aufgrund der mangelnden Hygiene.

Obwohl die Rohingya eine Bevölkerungsgruppe in Myanmar ist
und dies ihre Heimat ist, besagt das Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982, dass
sie nicht als eine der 135 einheimischen Bevölkerungsgruppen anerkannt werden
und somit auch kein Recht auf die Staatsbürgerschaft haben. Dabei bilden sie etwa
4 Prozent der Bevölkerung. Da sie als Staatenlose eingestuft werden, haben sie
keinerlei Anspruch auf diverse Rechte. Sie haben keinen Zugang zu höherer
Bildung, sie dürfen nicht wählen und eine Ausreise wird ihnen nicht gewährt. Grundbesitz
und Privatbesitz wird beschlagnahmt, zerstört oder gestohlen.

In Myanmar ist der Buddhismus die Staatsreligion. Ziel der Regierung
ist es, genau diese Religion zu stärken und den Islam auszulöschen. Moscheen werden
zerstört, um auf ihren Plätzen buddhistische Klöster zu bauen. Der Hass auf
Muslime wird geschürt und die Mönche auf sie gehetzt. So kommt es, dass die
Rohingya Minderheit seit 2017 wieder verstärkt verfolgt wird. Die myanmarische
Bevölkerung zündet ihre Häuser, Hütten und Kinder an. Die Eltern müssen
zusehen, wie ihre Kinder enthauptet werden. Danach werden sie selber bis zum
Tod gefoltert. Öffentliche Prügel gehören zum Alltag der Muslime, die Täter werden
von ihren Mitmenschen angefeuert und als Helden gefeiert. Auch Leichen auf der
Straße gehören zum normalen Stadtbild. Verbrennungen, Vergewaltigungen, Enthauptungen
und Folter sind alltäglich geworden.

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist, dass die
komplette Welt dabei nur zusieht. Dem Schicksal der Menschen wird viel zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt und die Situation wurde bis vor Kurzem noch ignoriert.
Die Vereinten Nationen haben nun die Tragödie als systematische Vertreibung und
ethnische Säuberung eingestuft. Nun gibt es Spendenaktionen, die sich als Ziel
gesetzt haben, vor allem den Menschen in den Flüchtlingscamps zu helfen. Einige
Staatsoberhäupter kritisierten das internationale Ignorieren. So langsam wird
die Welt auf das traurige Schicksal aufmerksam.

Wir werden die Opfer in Myanmar nicht vergessen, die seit 70
Jahren getötet, gefoltert oder vertrieben werden, während die ganze Welt
wortlos zugesehen hat.

 
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