Glyphosat- Gift oder Wundermittel?

Gymnasium Lütjenburg WPF Medienpraxis Gymnasium Lütjenburg WPF Medienpraxis 23. November 2017

Seit mehreren Jahren schon keimt die Debatte um das am häufigsten verwendete Herbizid Glyphosat immer wieder auf. Sowohl im EU-Parlament als auch im Bundestag debattieren die Abgeordneten über den Einsatz des Unkrautvernichters. Doch wie gefährlich ist der Stoff wirklich?

Das Herbizid setzt sich aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff und Phosphor zusammen. Seine chemische Summenformel lautet C3H8NO5P.

Glyphosat, auch Phosphonomethylglycin genannt, wird seit 1974 unter anderem von dem amerikanischen Konzern Monsanto verkauft und weiterentwickelt. Es weist im Vergleich mit anderen Herbiziden eine geringere Mobilität auf, ist weniger toxisch gegenüber Mensch und Tier und hat eine kürzere Lebensdauer. All diese Eigenschaften sind für den landwirtschaftlichen Gebrauch sehr wünschenswert.

Das Herbizid wird bei nicht-genveränderten Pflanzen nur direkt nach der Aussaat verwendet, da nur die grünen Pflanzenteile es aufnehmen können. Bei Nutzpflanzen, die man durch Gentechnik Glyphosat-resistent gemacht hat, kann das Mittel während der gesamten Wachstumsphase angewandt werden.

Der Punkt, um den sich die ganze Debatte dreht, ist die wahrscheinlich gesundheitsgefährdende Wirkung des Stoffes. Die Internationale Agentur für Krebsforschung bewertete Glyphosat als wahrscheinlich krebserzeugend. Doch was ist, wenn das Herbizid verboten würde? Die Europäische Union gab 2014 ein Gutachten zu dieser Frage in Auftrag. Das Ergebnis: Ohne den Einsatz von Glyphosat müssten landwirtschaftliche Betriebe auf andere Herbizide zurückgreifen und für denselben Ertrag ihre Anbaufläche um etwa 2,4 Millionen Hektar ausdehnen. Dies hätte zur Folge, dass höhere Treibhausgas-Emissionen entstehen. Eine Alternative dazu währe, sich durch Import von Nahrungsmitteln abhängig zu machen.

Es gibt jedoch auch viele wissenschaftliche Gegenstimmen, die behaupten Glyphosat sei in den real vorhanden Mengen nicht gesundheitsschädlich. 2011 kam eine Studie von Pamela J. Mink zu dem Schluss, dass aufgrund fehlender Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem umstrittenen Herbizid und Krankheiten, wie zum Beispiel Atemwegserkrankungen, Herzinfarkten oder Reproduktions- und Entwicklungsstörungen, Glyphosat nicht dafür verantwortlich sei. Es gibt dafür wiederum auch Gegenstimmen, die behaupten, dass die Wissenschaftler möglicherweise von Monsanto bestochen wurden.

Es ist also eine wahre Zwickmühle, in der sich die Entscheidungstragenden im EU-Parlament befinden: Glyphosat verbieten und ineffizienter arbeiten, sowie die Emissionen in die Höhe treiben, sich vielleicht durch Import abhängig machen, oder die Zulassung für das Herbizid verlängern und das Risiko für mögliche Krebserkrankungen in Kauf nehmen?

Ich denke, man sollte der Demokratie im EU-Parlament vertrauen und auf einen gutenKompromiss oder eine Innovation seitens der Hersteller des Stoffes hoffen. Viel mehr bleibt einem letztendlich bei einer solchen Unsicherheit, die dank möglicherweise gefälschten Studien und unterschiedlichen wissenschaftlichen Meinungen, wie ein Nebel um dieses Thema liegt, auch nicht mehr übrig.

Moritz Ziarkowski

Gymnasium Lütjenburg, Wahlpflichtbereich Medienpraxis

Quellen:

Wikipedia/Glyphosat, Monsantoglobal/RoundUp, swp.de, Chemie.de/lexikon/Glyphosat,http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230011001516?via%3Dihub, http://www.ingentaconnect.com/content/resinf/opm/2014/00000025/00000005/art00007

 

 
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