Kultur im Morgenland

Hans-Brüggemann-Schule BordesholmHans-Brüggemann-Schule Bordesholm 21. November 2017

von Avien Mousa (16) und Maybrit Geest (13)

Klasse 8W, Hans-Brüggemann-Schule Bordesholm

Als Flüchtling in Deutschland anzukommen, ist natürlich sehr schwierig. Anfangs gibt es große Probleme im
sprachlichen Bereich. Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge nach
Deutschland kommen, erhalten zunächst in den meisten Schulstunden
DaZ-Unterricht (Deutsch als Fremdsprache). Im Laufe der Zeit können sie sich
immer besser verständigen und nach etwa einem Jahr Deutschunterricht nehmen die
Jugendlichen überwiegend am regulären Unterricht teil.

Eine große Hilfe für die neu ankommenden Flüchtlinge ist bei uns an der Schule Mahmoud Al-Khateeb, der als
Dolmetscher tätig ist. Er kommt ebenfalls aus Syrien und hat dort mit seiner
Frau und seinen zwei Kindern in Damaskus gelebt. In Syrien war er Anwalt und
führt diese Tätigkeit hier auch weiterhin fort.

Mahmoud Al-Khateeb erzählt uns, die Landschaft in seinem Heimatland sei ganz anders als hier: „Es gibt viel
weniger Grünflächen und der Baumbestand ist viel geringer. Weil bereits im
Altertum die Wälder abgeholzt wurden, gibt es heute nur noch einzelne Baumarten
wie die Aleppo-Kiefer oder die Libanon-Zeder." Häufig kommen angepflanzte
Baumarten wie Feigen oder Ölbäume vor, doch einen großen Teil des Landes nimmt
die syrische Wüste ein, die ganz Damaskus umgibt und noch viel weiter bis zum
Irak, Jordanien und Saudi-Arabien reicht.

Auch das tägliche Leben unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland. Pünktlichkeit sei in Syrien
manchmal nicht ganz so wichtig, wie für uns Deutsche erzählte er mit einem
kleinem Lächeln. Al-Khateeb berichtet uns außerdem von Basaren an vielen Ecken
in Syrien, die sich am ehesten mit unseren Wochenmärkten vergleichen lassen,
wenn sie sich doch in vielen Punkten von diesen unterscheiden: Die Basare
finden nämlich täglich statt und sind in einzelne kleine „Läden" unterteilt. Man zahlt dort mit Lira, auch syrisches Pfund
genannt.

Durch die Unruhen und den Krieg mussten jedoch seit 2011 viele dieser Läden schließen, zum Beispiel auch die in
Damaskus sehr bekannte Eisdiele „Bakdash". Außerdem sind die Lebensmittel dort
durch den Krieg teurer geworden.

Als Schul-Dolmetscher hat Al-Khateeb einen guten Einblick in unser Schulsystem, das ganz anders ist als
das syrische. „In Syrien gibt es nur bis zur sechsten Klasse eine
Schulpflicht", weiß er. „Und in einem ganzem
Schuljahr schreibt man nur zwei Prüfungen für jedes Fach - einmal am Ende des
ersten Halbjahres und einmal am Ende des Schuljahres. Vor den Prüfungen hat man
einen Monat Ferien, um sich auf diese vorzubereiten." Hausaufgaben müsse man
übrigens unbedingt erledigen, meint er schmunzelnd. Auch die Schulzeiten weisen
Unterschiede auf: Die syrischen Kinder gehen nicht wie bei uns von Montag bis
Freitag in die Schule, sondern von Sonntag bis Donnerstag.

Nach den sechs Pflichtjahren in der Grundschule habe man einen Abschluss und die Möglichkeit,
drei weitere Jahre eine weiterführende Schule zu besuchen. Danach könne man
auch andere Bildungsstätten wie eine Sekundarschule besuchen.

Jurist, Arzt und Ingenieur - das seien die Berufe, die in Syrien sehr hoch angesehen sind.

Circa drei Viertel der Syrer sind Muslime: Sie feiern ihre religiösen
Feste, genau wie wir Christen. Al-Khateebs Lieblingsfest ist das Zuckerfest, das am
Ende des Fastenmonats Ramadan veranstaltet wird. Typisch beim Zuckerfest sind
die vielen Süßigkeiten, die an diesem Tag gegessen werden. Im Ramadan fasten
alle mit, nur kranke und alte Menschen nicht. Während der Fastenzeit bleiben
die Supermärkte in Syrien geöffnet, außer wenn es abends Zeit wird zum Essen
oder man beten geht.

Gern feiert er auch das Opferfest, das bei uns nur wenige kennen. Dieses Fest wird zu Ehren des Propheten
Ibrahim gefeiert, weil er bei einer göttlichen Probe bereit war, seinen Sohn Ismail Allah zu opfern. Wann das Opferfest gefeiert
wird, ist jedes Jahr unterschiedlich.

Weihnachten wird von den muslimischen Syrern nicht gefeiert, nur die Christen, die allerdings
nur zehn Prozent der syrischen Bevölkerung ausmachen, feiern Weihnachten.

Als wir fragten was er denn am meisten von Syrien vermisse, antwortete er uns betrübt und ein wenig
in Nostalgie schwebend: ,, Alles, vor allem meine Kindheit."

 
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