Problemmangement für Fortgeschrittene

Gymnasium LütjenburgGymnasium Lütjenburg 23. November 2017

von Peter Schafft,

Medienpraxis, Gymnasium Lütjenburg

Die Bremer Stephanibrücke:
Täglich fahren über 95.000 Fahrzeuge darüber, zehn Prozent davon sind Lastwagen. Nur ein klitzekleines
Problem wäre da, das es noch zu klären gibt: Die Brücke ist alt und kann der
großen Belastung nicht mehr so wirklich Stand halten. Eine Lösung muss her!
Also, was tun?

Das hat die Bremer Stadtverwaltung sich auch gedacht und kurzerhand einen geradezu
meisterhaften Lösungsvorschlag zu Tage gebracht: Ein Fahrstreifen muss gesperrt
werden... Nur welcher? Ohne lang rumzufeilschen wurde die Entscheidung
getroffen. Der Fahrzeugfluss darf auf keinen Fall beeinträchtigt werden, also
wurden die Jungs mit den orangenen Westen beauftragt und der Rad und Gehweg unterhalb der Fahrbahn wurde wie Ost-
und Westberlin geteilt.
So soll den ganzen fetten Radlern der Garaus gemacht werden! So ein paar
Vierzigtonner machen den Braten nun auch nicht fett... Einen winzigen Haken hat
die Maßnahme allerdings doch, wenn man bedenkt; dass ein Zaunelement um die 15
Kilogramm wiegt und so ein Betonstandfüßlein ungefähr 30 Kilo, dann kommt man
bei einer Brückenlänge von 197 Metern und der Länge eines Zaunelementes von 3,5
Metern auf ein Gewicht von 2500 Kilogramm für den Zaun.

Da fragt man sich natürlich,
wie viele Menschen sind denn so auf der Brücke unterwegs? Ich habe bei meinem
Aufenthalt in Bremen mal nachgeschaut und selten mehr als ungefähr zehn
Passtanten gleichzeitig auf der Brücke gesehen... Aber dafür ist längst eine
noch viel brilliantere Lösung gefunden worden: Eine Zählanlage soll her, die
noch einmal veranschaulicht wie bescheuert die Maßnahme mit dem Zaun war. Aber
mal Spaß bei Seite, ist doch super und außerdem total nützlich! Zählt die
Anlage, dass sich mehr als 500 Personen
auf der Brücke befinden, wird die Polizei alarmiert die den Übeltäter
schnappen soll, der es geschafft hat den Sensor auszutricksen, denn eine solche
Anzahl an Brückennutzern wird die Anlage wohl niemals registrieren, aber das
ist ja auch egal, schließlich wurde sich eine teure Maßnahme ausgedacht, die
sich für das Protokoll auch noch super anhört.

Fazit: Die Stadt Bremen
konnte bundesweit Aufmerksamkeit auf sich ziehen und unter Beweis stellen, dass
ihre Stadtverwaltung ungefähr so kompetent ist wie die Stephanibrücke stabil.
Und das Schicksal der Brücke selbst ist weiterhin eine eher wacklige
Angelegenheit.

 
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