Vollverschleierung in Deutschland – zulassen oder verbieten?

Ricarda-Huch SchuleRicarda-Huch Schule 21. November 2017

von Mahnoor Baluch, 16 Jahre

9c, Ricarda-Huch Schule

Doch was hat es mit der Vollverschleierung auf sich? In den meisten muslimischen Ländern, zum Beispiel in Afghanistan, Saudi-Arabien und in Ägypten, trägt die Mehrheit der Frauen einen Gesichtsschleier. Dieser wurde schon vor der Zeit des Islams von Frauen
unterschiedlicher Religionen getragen. Hierbei handelte es sich um eine Vollverschleierung, bei der man trotzdem noch das Gesicht gesehen hat. Heute gehört der Gesichtsschleier zu einer Ganzkörper-Verschleierung, von der es zwei verschiedene Arten gibt. Zum einen gibt es den Schleier mit einem vergitterten Sichtfeld, welches man Burka nennt. Außerdem gibt es eine Art, bei der das
Sichtfeld offen ist: Dies wird als Niqab bezeichnet.

Nun stellt sich die Frage: Warum tragen die Frauen so etwas und wie steht der Koran eigentlich dazu? Im Koran gibt es zwei sehr wichtige Verse, die auf die Bedeckung der Frauen hinweisen.

Der erste lautet: „O Prophet, sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Tücher tief über sich ziehen. Das ist besser, damit sie erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist allverzeihend, barmherzig." (33:60)

Der zweite Vers lautet: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen, und dass sie ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen bis auf das, was davon sichtbar sein muss, und dass sie ihre Tücher über ihre
Brüste ziehen sollen. (24:32)

Wie man in diesen zwei Versen sehen kann, wird nicht explizit auf eine Gesichtsverschleierung hingewiesen. Es wird lediglich gesagt, dass die Frauen ihre Reize bedecken sollen. Wenn eine Frau trotzdem einen Gesichtsschleier tragen möchte, weil sie es freiwillig und aus
Glaubensgründen tut, steht es ihr natürlich frei.

In den Herkunftsländern des Islams wird das Tragen einer Vollverschleierung aus traditionellen Gründen praktiziert. Bei den muslimischen Frauen, die jetzt in Europa leben und die Burka tragen, handelt es sich meist um sehr strenggläubige Musliminnen. Während der Koran und die muslimische Gemeinschaft meistens akzeptieren, wenn Frauen weder Burka noch Kopftuch tragen, gibt es einzelne Länder, die das Tragen einer Vollverschleierung oder eines Kopftuches vorschreiben. Viele Menschen im Westen
sehen diesen Unterschied zwischen freiwilligem und verordnetem Tragen nicht. Oft haben solche Menschen Vorurteile gegen die muslimischen Frauen. Sie gehen davon aus, dass alle Frauen, die in irgendeiner Form eine Verschleierung tragen, unterdrückt werden.

Was in dieser Diskussion oft untergeht, ist die Frage, wie die Frauen selbst zur Verschleierung stehen? Dazu habe ich mit zwei muslimischen Frauen aus Kiel gesprochen: Sana (18) und Kashfa Butt (24) tragen beide keine Vollverschleierung, sondern ein Kopftuch.

Warum tragt ihr das Kopftuch?

Wir als Muslima haben uns aus Liebe zu der Religion und dem Schöpfer für das Kopftuch entschieden und, weil es aus erster Linie ein Gebot Gottes ist und es der Frau im Koran vorgeschrieben wurde. Wir haben erkannt, dass das Kopftuchtragen weitere Vorteile hat. Wenn ein Mensch dich anschaut, geht es demjenigen nicht darum, wie du aussiehst, sondern es wird vielmehr auf Sachen geachtet, die nicht auf deinem Aussehen beruhen: Auf deinen Charakter oder deinen Intellekt. Die Menschen schätzen einen viel mehr Wert, da das Aussehen in den Hintergrund rückt und Wichtigeres im Vordergrund steht.

Fühlt ihr euch unterdrückt?

„Nein, wir fühlen uns nicht unterdrückt, einfach aus dem Grund, weil wir es freiwillig tragen. Das Kopftuch zu tragen ist für uns eine Freiheit, eine Freiheit selber zu entscheiden, was man tragen will und wie viel man vom Körper präsentieren möchte und was nicht.

Sana und Kashfa Butt sind zwei von mehreren Frauen, die das Kopftuchtragen nicht als eine Art der Unterdrückung sehen, sondern als eine Art Freiheit. Dass eine Frau von ihren Eltern oder von ihrem Mann unterdrückt wird, ist nicht auszuschließen, jedoch sollte man auch wissen dass dies nicht die Lehre vom Islam ist und dass Kopftücher oft aus kulturellen Gründen getragen werden. Wenn aber eine Frau aus dem Islam aussteigen will, weil sie sich in ihrer Religion nicht wohl fühlt, so heißt es im heiligen Koran: „Es soll kein Zwang sein im Glaube." (2:25)

Vor dem Islam besaßen die Frauen keine Rechte, sie durften sich nicht äußern. Der Islam brachte die Rechte und gab den Frauen dieselbe Rechte wie den Männern. Die Rechte, die der Islam vor dem 14. Jahrhundert proklamierte, sind dieselbe Rechte, die den
Frauen 1948 in der Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen gegeben wurde. Daran kann man sehen, dass laut Koran keine Unterdrückung der Frauen stattfindet.

Eine Umfrage in Kiel hat ergeben, dass die meisten Menschen gegen eine Vollverschleierung in Deutschland sind, da sie sich unwohl fühlen, wenn sie nicht wissen, wer vor ihnen steht. Ebenso sagte eine Frau, dass man sich in dem jeweiligen Land anpassen sollte.
Dennoch gibt es einige Menschen, denen es egal ist, ob die Frauen eine Vollverschleierung tragen, solange sie dies freiwillig machen.

 
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