Foto-Tipps vom Profi

Nah 'ran ist die Devise

Nah 'ran ist die Devise
Mika Pedack (li.) ließ sich im Studio der Kieler Nachrichten von Foto-Chef Ulf Dahl erklären, was ein Pressefotograf bei der Arbeit alles beachten muss und sammelte wichtige Tipps für MiSch-Reporter. Ulf Dahl
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Kiel. Fotos sind aus der Zeitung nicht wegzudenken. Sie sind Blickfang, veranschaulichen Sachverhalte und erleichtern die Orientierung auf einer Seite. Die meisten Artikel werden deshalb mit einem Bild unterstützt. Aber Achtung: Man muss vorsichtig sein, was die Bildrechte betrifft. MiSch-Reporter Mika Pedack besuchte Ulf Dahl, den Chef-Fotografen der Kieler Nachrichten, an seinem Arbeitsplatz und ließ sich die Grundzüge der Pressefotografie erklären.


RECHT AM EIGENEN BILD

Menschen beleben jedes Bild, sagt Ulf Dahl. Aber wann darf man einfach drauflos knipsen und wann muss man die Personen fragen, ob man sie ablichten und das Bild veröffentlichen darf? Die Antwort des Profis: Solange mehr als sieben Personen auf einem Bild zu sehen sind, diese sich im öffentlichen Raum bewegen und niemand speziell fokussiert wird, darf man solche Bilder auch ohne Genehmigung veröffentlichen. Steht eine Person erkennbar im Fokus des Bildes, muss man ihr Einverständnis einholen. Außerdem wichtig: Sobald man zum Fotografieren auf ein Privatgelände geht, muss der Besitzer gefragt werden.

Ulf Dahl verwies außerdem auf den Pressekodex, eine Sammlung journalistisch-ethischer Grundregeln. Dieser besagt zum Beispiel, dass man Menschen mit der Veröffentlichung eines Bildes nicht in Schwierigkeiten bringen darf.

Und was, wenn ein Kind fotografiert werden soll, aber es das gar nicht möchte? „Nach meiner Erfahrung, gibt es kaum Kinder, die nicht fotografiert werden möchten“, berichtete Dahl. Aber wenn es doch mal der Fall sein sollte, rät der erfahrene Fotograf dringend davon ab, um die Gefahr eines Traumas zu vermeiden.


DAS URHEBERRECHT

Nicht nur im Laufe des MiSch-Projekts, sondern auch bei Präsentationen für den Unterricht stellt sich für Schüler oft die Frage, welche Bilder aus dem Internet genutzt werden dürfen. Hier gilt – besonders wenn man das Bild einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht: Die meisten Bilder darf man nicht einfach aus dem Internet ziehen, sondern sie erst nutzen, wenn die Erlaubnis des Urhebers vorliegt.

Allerdings gibt es Ausnahmen. Bei manchen kostenlosen Bilderdatenbanken muss man nur angeben, wo man das Bild gefunden wurde, wenn man es weiterverwenden möchte. Ulf Dahl gab allerdings zu bedenken, dass es auch hier meist einen Haken gibt und man sich genau die Nutzungsbedingungen durchlesen sollte. Neben Bildagenturen, für deren Dienste man zahlen muss, ist die sicherste Methode der Zugriff auf kostenlose Agenturen wie zum Beispiel Pixelio. Hier meldet man sich offiziell an und darf dann Bilder herunterladen, ohne sich strafbar zu machen. Dabei wird stets angegeben, ob man den Namen des Fotografen und/oder der Agentur nennen muss. „Am sichersten und einfachsten ist es aber in den meisten Fällen, selbst zur Kamera zu greifen“, empfiehlt Ulf Dahl.


TIPPS UND TRICKS

Falls man selbst das Bild machen will, gibt der Fotograf einige Tipps, die ein gutes Bild ausmachen. Besonders wichtig: „Man sollte nahe genug an das Motiv herangehen, das Bild sollte ein Eye-Catcher sein.“ Eine Weisheit, die von Robert Capa, einem ungarisch-amerikanischen Kriegsfotografen, stammt. Er pflegte zu sagen: „Wenn das Bild nicht gut ist, warst du nicht nahe genug dran!“ Außerdem sollte man aus ungewöhnlichen Perspektiven fotografieren, zum Beispiel von unten. Dadurch wird das Bild emotionaler und lebendiger.

Ein Pressefoto sollte laut Dahl aber noch weitere Ansprüche erfüllen: Das Bild sollte Informationen geben und automatisch zum Thema des Artikels führen. Sind eine oder bis zu fünf Personen abgebildet, sollte man ihre Namen in dem Artikel erwähnen. Dies dient dann zur Information der Leser. Weil Pressebilder die Realität nicht verfälschen und den Leser nicht in die Irre führen dürfen, müssen Fotomontagen als solche gekennzeichnet sein.

Gibt es auch absolute No-Gos? „Leute von hinten, Objekte aus zu weiter Entfernung und Wimmelbilder ohne Schwerpunkt“, zählt Dahl auf. Mit Fokus und Schärfe gelingt es, das Wichtigste auf dem Bild hervorzuheben.


DAS HANDY ALS KAMERA?

Jeder hat heutzutage mit seinem Handy eine kleine Kamera stets dabei. Aber können Handykameras mit einer Standard-Spiegelreflex mithalten? „Bei bestimmten Lichtverhältnissen und Ansprüchen an die Tiefenschärfe stoßen Handys oft an ihre technischen Grenzen“, sagt Dahl. Inzwischen könne man die Bilder aber recht gut bearbeiten, sodass diese aussähen wie von einer Spiegelreflexkamara aufgenommen. Es sei aber dringend darauf zu achten, dass diese Bilder nach Bearbeitung nicht verfälscht sind.


Von Mika Pedack, 9a, Hans-Geiger-Gymnasium


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1 Kommentar

Promedia Maassen
08.11.2016 15:52
Klasse Artikel! Vielen Dank für die tolle Anleitung, sie wird sicherlich dem ein oder anderen MiSch-Reporter sehr nützlich sein. ️ Wir freuen uns auf eure selbstgeknipsten Fotos in zukünftigen Blogbeiträgen!

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