Wohnen

Bauboom in Hohwacht?

Von Fabio Gall, 10c, Gymnasium Lütjenburg


Hohwacht, bekannt als grüne, vom Tourismus verhältnismäßig wenig und behutsam geformte Gemeinde, die sich ihr Fischerdorfflair vergangener Tage bis jetzt weitgehend erhalten hat. Kein Haus höher als die Baumwipfel, so war es bisher immer oberstes Gebot der Verantwortlichen und genau an diesem Punkt könnte sich nun etwas ändern. Deshalb werden kritische Stimmen laut mit der Befürchtung, dass Hohwacht seinen einzigartigen Charme verliert. In Planung sind vier Apartmenthäuser mit insgesamt 36 Ferienwohnungen im Strandbereich, direkt hinter der Strandpromenade sowie ein angrenzendes Gesundheitszentrum und dazugehörige Parkplätze – So sieht es das bereits geplante Bebauungskonzept vor, entwickelt von der Gemeinde mit Investor Anders, der bereits mehrere Immobilien in der Gemeinde touristisch betreibt. Nach Ausführung des Bürgermeisters Potrafky soll Hohwacht auf diesem Wege weiterhin mit anderen, vom Tourismus lebenden Orten, mithalten können. Doch nun spaltet dieses Bauvorhaben,seitdem es offiziell vorgetragen wurde, die Gemüter der Gemeinde. Vor allem die Eigentümer der historischen Badehütten in Strandnähe fürchten um die charakteristische Atmosphäre des kleinen Ortes. So auch Hüttenbesitzerin Christina Dwenger, deren Haus schon seit vielen Jahren in Familienbesitz ist: „Mein Opening, wenn ich die Seestraße in Hohwacht hinunterfahre, wird dann eine riesige Mauer“. Sie fürchtet den Verlust des weiten Blicks auf die freie Ostsee, der durch die geplante Anlage mit einer Bauhöhe von 13,50m verdeckt werden würde. Betroffen wäre außerdem auch eine alt eingesessene Fischbude mit angrenzendem Minigolfplatz, geführt von und auch im Besitz der Familie Weber seit über 20 Jahren. „Mein Vater hat schon '44 seine Fischbrötchen hier verkauft, das tut also schon weh“, so Frau Weber zu den Plänen. Nach Bebauungsplan sollen auf dem gesamten Besitz der Webers auch Parkplätze entstehen, da laut Bebauungsplan, Nummer 20 – Am Dünenweg, dieser Ort verkehrlich gut ein- und angebunden sei, der Parkplatzversorgung ein höheres Gewicht beigemessen wird und eine Minigolfanlage im Ort vollkommen ausreiche, die rund zwei Kilometer entfernt im Ortsteil  Alt – Hohwacht liegt. Deshalb fürchtet Frau Weber den Lizenzverlust oder - verweigerung.

Bürgermeister Potrafky hat nach eigenen Aussagen keinerlei Kenntnis über laufende Genehmigungen zum Betrieb der Anlage. Weiter räumt er ein, dass das Ortsbild zwar verändert werde, das Hohwacht allerdings seinen Charakter verliere, finde er nicht, da sich das Ortsprofil aus mehr als nur dem Aussehen zusammensetze. Es kämen schließlich auch noch Einwohner hinzu, die dazu maßgeblich beitragen würden.

Hohwacht hat zur Zeit ca. 850 Einwohner, in den Saisonzeiten allerdings über mehrere Tausend und damit rund 180.000 bis 200.000 Übernachtungen pro Jahr, so der Bürgermeister. Herr Anders will mit diesen Neubauten das angeblich letzte touristische Entwicklungspotenzial im Ort heben, ohne den vorhandenen Flair einschneidend zu verändern, wie es in anderen Orten entlang der Ostseeküste, zum Beispiel  Scharbeutz, Heiligenhafen, Grömnitz oder Travemünde, zu beobachten ist.

Doch nicht nur die Eigentümer der historischen Badehäuschen stehen dem kompletten Vorhaben kritisch gegenüber. Es regt sich auch Widerstand bei Urlaubern und anderen  Bewohnern des Kurortes. Grundsätzlich steht die Kernfrage im Raum, wer eigentlich von dem gesamten Vorhaben schlussendlich
profitiert. Zu berücksichtigen wäre auch die Frage, wie hoch die Kaufsumme für dieses Grundstück in dieser Toplage ist.

Wann der Baustart des Großprojekts allerdings beginnt, ist bisher nicht festgelegt. Ein naheliegender Zeitraum könnte allerdings nächstes Frühjahr sein. Es bleibt jedoch zunächst abzuwarten, ob ein Bürgerbegehren beziehungsweise ein Bürgerentscheid zustande kommt. Diese würden das Bauvorhaben weiter verzögern oder bei Durchsetzung sogar komplett stoppen.


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