Kieler Tradition

Wo Oma und Opa schon tanzen lernten...

Wo Oma und Opa schon tanzen lernten...
Simon Laatz
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Von Simon Laatz, 9b, Gymnasium Altenholz

Viele Generationen lernten bei der Tanzschule Gemind schon das Tanzen. Doch ist es bei der Jugend heute immer noch angesagt?

KIEL. Es ist ein Sport, eine Kennlernmöglichkeit, ein Hobby, eine Therapieform und vieles mehr: Tanzen verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Doch man kann es natürlich nicht von Geburt an und dafür gibt es etliche Tanzschulen, auch in Kiel. Die älteste und auch wohl bekannteste ist die Tanzschule Gemind.

Ihre Gründung steht nicht ganz genau fest, doch man weiß, dass der erste Schlussball der Tanzschule Gemind 1898 in Lübeck statt fand. Seit damals hat sich einiges verändert: Die Musik, die Anzahl und Vielfalt der Kurse, die Räumlichkeiten und die Generationen.

Frau Ingeborg Gemind-Trautmann, Enkelin von Gründer Phillip Gemind, ist selber mit dem Tanzen aufgewachsen und ist bis heute immer noch in der Holtenauer Straße 75 tätig, wobei „Die 5. Generation heute auch schon mal an der Bar aushilft“.

Doch den Getränketresen gab es noch nicht immer; genau so wie den großen Tanzsaal und den Sanitäranbau. „Den großen Tanzsaal haben wir 1959 gebaut.“ „Der Toilettenanbau ist jetzt sicher auch schon 10 Jahre alt“ wie Gemind-Trautmann sich erinnert. Genauso wurde die Glasfront im großen Tanzsaal vor 2 Jahren erneuert und vergrößert.

Dort, wo jetzt der Anbau steht, war vorher ein großer Obstgarten. Sie erinnert sich noch gut: „Da haben wir damals nach dem Tanzen immer noch gespielt.“ Doch was wurde damals überhaupt getanzt?

Nach dem Krieg gehörte z.B. hier in Norddeutschland Lanciers und Quadrille française zum Kursus. Die Quadrille wird auch heute noch zum Teil in Bayern getanzt bzw. auf Bällen um Mitternacht. Die normalen Tänze haben sich allerdings nicht verändert. Nur die Musik ist das einzige, was sich verändert hat. Kurze Zeit nach dem Krieg wurde die Musik sogar noch mit einem Pianisten wiedergegeben, da Schallplatten kaum aufzufinden waren.

Durch die immer neu aufkommenden Musikrichtungen entstanden auch immer neue Trendtänze, wie z.B. Hip-Hop, Street Dance, Videoclip oder Lambada. Manche von ihnen halten bis heute an, andere wiederum verschwanden so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Wenn ein neuer Trendtanz aufkommt werde dieser sofort in ihr Programm aufgenommen, so Trautmann. Zurzeit unterrichten insgesamt 11 Lehrer und Lehrerinnen in ungefähr 30 Kursen in allen
Altersklassen.

Doch ist bei der Jugend, heute zur Zeit des Internets, Tanzen überhaupt noch angesagt? „Tanzen ist wieder in. Es war mal eine Zeit lang recht ruhig bei den Jugendlichen, als man gar nicht paarweise getanzt hat, aber jetzt läuft es wieder gut.“ Dieser kleine Einbruch war Anfang der Achtziger Jahre.

Heute werden vor allem die Tanzpartys, die jeden Samstag Abend stattfinden, immer sehr gut besucht. „Sie heißt auch die 'Einsteigerparty', denn in dem Alter kommen sie ja anderswo gar nicht hin.“  Bei den Tanzpartys, die an den Anfängen noch Sonntag Nachmittag war, treffen sich Jugendliche aus ganz Kiel, die sich sonst nie kennenlernen würden. Für's Tanzen ist laut Trautmann dies nur Positiv denn: „Es ist nicht nur das Tanzen, es ist auch das Kennenlernen.“

Tanzen ist und bleibt ein Trend für Jung und Alt, für Mädchen und Jungs.  Also: Wo Oma und Opa
schon tanzen lernten, da sagt der Enkel immer noch: „Darf ich Bitten?“


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