Bundestagsabgeordnete im Interview

Gymnasium Altenholz 14. November 2017
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Christine Aschenberg-Dugnus zog als zweite der Landesliste Schleswig Holsteins für die FDP in den Bundestag ein. Es ist ihre zweite Legislaturperiode im Bundestag (2009-2013, 2017-2020). Die studierte Rechtsanwältin mit Kanzlei in Strande ist Mutter einer Erwachsenen Tochter.

Interview Philip Hansen, Henrik Iver Thoroe

Was sagen Sie persönlich dazu, dass der neue Bundestag der größte und teuerste seit 15 Jahren ist?

Ich muss sagen, dass man das Wahlrecht hätte rechtzeitig ändern sollen. Wobei die Ausgleichsmandate gut und wichtig sind, weil sie den Wählerwillen repräsentieren. Man hätte allerdings klären müssen, wie man das Wahlgesetz ändert, dass nicht zu viele Ausgleichsmandate entstehen, denn der Bundestag mit 709 Abgeordneten sollte reduziert werden. Dabei sollte aber drauf geachtet werden, dass keine kleinen oder großen Parteien benachteiligt werden. Das Wahlrecht mit 1. und 2. Stimme finde ich aber trotzdem gut.

Was halten sie davon, dass lediglich 30,7% Frauen im Bundestag vertreten sind und in der FDP gerade mal 21,3%? Das sind so wenige wie zuletzt vor 15 Jahren.

Das stimmt, aber daran können nur wir Frauen selbst etwas ändern und als "Freie Demokratin" bin ich strikt gegen Quoten. Wir haben im Moment das Problem, dass wir viel mehr Männer als Frauen in der Partei haben. So können auch keine Frauen, z.B. in den Bundestag, gewählt werden. Ich persönlich versuche Frauen dazu zu überreden sich in der Kommunalpolitik zu beteiligen. So habe ich auch angefangen. Da Kommunalpolitik aber immer Abends, also in der Freizeit ist, haben wenige Frauen, die Arbeiten und Kinder haben Zeit sich zu engagieren. Schließlich muss sich abends ja einer um die Kinder kümmern und das ist meistens die Mutter. Da müssen wir dafür sorgen, dass dies familiär besser geregelt wird.

Also sind sie dafür, mehr Programme einzuführen die Frauen in der Politik besser unterstützen. Und welche wären das?

Genau! Wir haben in der FDP zum Beispiel ein Mentorenprogramm, wo Frauen, die schon länger in der Politik sind anderen Frauen helfen. Da werden dann bestimmte Tricks gezeigt die man im Politikalltag braucht. Und den Frauen wird auch beigebracht, sich von den Männern nicht in weniger wichtige Ausschüsse abdrängen zu lassen.

Was halten sie von der Jamaika Koalition und wären Neuwahlen für Sie eine Alternative? Schließlich stimmt ihr Wahlprogramm nicht gerade mit dem der Grünen überein.

Neuwahlen sehe ich nicht als Alternative an. Das Wahlergebnis entspricht dem, was das Volk will. Und da haben wir als Parteien die verdammte Pflicht uns zusammen zu setzten und zu überlegen, wo unsere Schnittmengen sind und wie wir unserem Land am Besten helfen. Dafür muss JEDE Partei ein paar Schritte zurück gehen. Das Land muss regiert werden, weshalb ich denke, dass Jamaika zu Stande kommt.

Nun eine Frage zu dem Wahlkampf der FDP. Denken sie, die FDP hätte mehr oder weniger Stimmen bekommen, wenn ihre Partei nicht so einen Hype um Herrn Lindner gemacht hätte?

Über diese Aussage muss ich immer schmunzeln. Es ist ganz normal, dass eine Partei ihren Frontmann in den Mittelpunkt stellt, was die CDU mit Frau Merkel ja auch gemacht hat. Herr Lindner ist ein sehr guter Mann, der es versteht, die Massen anzuziehen. Außerdem hatten wir auch ein sehr gutes Wahlprogramm. Insofern verstehe ich den ganzen Hype nicht so ganz. Und ein gut aussehender Mann ist Herr Lindner ja auch .

Die FDP hat ja das Image einer Partei für die Oberschicht. Denken Sie, dass die FDP eine Partei für die Oberschicht ist oder schon eine Volkspartei?

Nein, überhaupt nicht. Wir werden auch von schlechter Verdienenden gewählt. Wir sind eine wirtschaftsorientierte Partei. Das Geld, dass verteilt wird muss auch erst einmal erarbeitet werden. Dazu stehen wir. Deshalb kümmern wir uns auch um alle Leute, die jeden Tag zur Arbeit gehen. Ob Azubi oder Manager, ist uns dabei egal.

Bei den Sondierungsgesprächen ist ihre Partei gegen eine Mietpreisbremse. Wie lässt sich dies mit dem eben gesagten vereinbaren?

Die Mietpreisbremse hatten wir ja schon und sie hat zu nichts geführt. Unsere Alternative ist, dass mehr sozialer Wohnraum gebaut wird. Außerdem haben wir jahrelang gesagt, dass die Leute bauen sollen, damit sie im Alter von den Mieteinnahmen leben können. Das jetzt zu bestrafen geht nicht.

Denken Sie denn, wenn das Angebot an Wohnungen größer ist, dass dann die Preise fallen werden oder wird es einfach mehr teure Wohnungen geben?

Wenn der Staat selber sozialen Wohnraum schafft, können wir dort die Mieten bestimmen. Aber ich möchte mich doch nicht da einmischen, wo Privatpersonen von ihren Krediten bauen. Diesen Personen will ich ja nicht vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben. Wir brauchen Beides. Sozialen Wohnungsbau und Leute, die mit ihren Mieteinnahmen für ihre Zukunft vorsorgen können.

Wie vereinbaren Sie ihren Beruf als Anwältin mit ihrer Tätigkeit im Bundestag?

Ich mache nur noch ganz wenig Mandate, hauptsächlich Vertragsrechte was man ganz gut von Berlin aus machen kann. Das möchte ich auch, weil man nie weiß wie es mit der Politik weiter geht, z.B. sind wir als Partei 2013 aus dem Bundestag geflogen. Wenn so etwas oder ähnliches eintritt, wäre ich quasi arbeitslos. Man wird lediglich 4 Monate von dem deutschen Bundestag weiter finanziert, weshalb ich neben dem Bundestag auch immer Mandate bearbeite. Dann kann ich auch in meine Rente einzahlen und bleibe am Ball in meinem Beruf.

Was werden Ihre Aufgaben im neuen Bundestag sein?

Voraussichtlich werde ich diesen Bundestag im Gesundheitsausschuss landen und hoffe, dass ich Gesundheitspolitische Sprecherin der FDP werde und somit alles innerhalb der Bundestagsfraktion als Sprecherin nach außen bringen darf.

Wie genau kamen Sie auf die Idee sich mit dem Thema; Gesundheitspolitik zu beschäftigen?

Ich mache jetzt seit 20 Jahren Politik und als ich damit anfing, meinte mein Mann, der Zahnarzt ist, dass er sich zuhause um ihre gemeinsame Tochter Lena kümmern würde und nie meckern würde, wenn ich Abends nicht da bin, um Politik zumachen. Dafür gab ich ihm das Versprechen, dass ich mich um das komplexe Thema Gesundheitspolitik kümmern würde, was für ihn ein sehr wichtiges Thema ist.

Vielen Dank an Frau Aschenberg-Dugnus!

 
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