Sport interessiert am meisten

projektvolontaer 23. Februar 2018
© Fatima Krumm

Giekau. Es raschelt in der Klasse von Gundula Virchow. Die Dritt- und Viertklässler der Grundschule Seekrug lesen in der neuen Ausgabe der Kieler Nachrichten. Seit einer Woche nimmt die Klasse am Misch-Projekt (Medien in der Schule) teil und bekommt die Zeitung morgens ins Klassenzimmer geliefert.

Tara, Luise und Liena haben es sich in der Lesezeit auf dem Fußboden gemütlich gemacht und blättern den Teil mit den olympischen Winterspielen durch. „Wir gucken erst mal die Bilder an", meint Tara und zeigt auf das Foto der Skilangläuferinnen. Lenja liest indes einen Artikel über eine Robbe, die sich nach Bad Bramstedt verirrt hat.

In der zweiten Woche hat Lehrerin Gundula Virchow eine Reporterin eingeladen, die den Kindern über den Berufsalltag berichtet. Und die Schüler waren gut vorbereitet: „Wie wird man Reporterin?", möchte Philip wissen. Wie viele Artikel man schon in seinem Leben geschrieben hat, fragt Lenja. „Mehrere Schubladen voll", lautet die Antwort.

Außerdem haben die Schüler erfahren, dass ein Arbeitstag als Reporterin selten dem anderen gleicht. Zu verschieden sind die Themen, über die man etwas schreibt. Manche Redakteure haben jedoch fest zugeteilte Themen. So schreibt der Autor des Artikels über die Havarie in der Holtenauer Schleuse oft über Schiffs- und Marinethemen.

Otto und Petter haben den Artikel über den Unfall gelesen, doch die Vorliebe der Kinder ist eindeutig: „Sport" ist die einhellige Antwort auf die Frage, was sie am meisten interessiert. Den Teil gucken sich Jungs wie Mädchen alle gerne an. „Ich mag noch, dass man über die Welt informiert wird", fügt Otto hinzu. Er lese gerne die Nachrichten. Seine Kritik an der Zeitung betrifft das Format: „Die Bücher kommen bei mir immer durcheinander", meint Otto. Zu groß seien die einzelnen Blätter. Was einer mag, gefällt dem anderen nicht.

Tara und Madita lesen gerne etwas über Kriminelle, Lana hingegen findet es nicht gut, wenn etwas über Tote in der Zeitung steht. Isa macht gerne die Sudokus, Linus liebt den Comic. Die Prominentenmeldungen auf der Panoramaseite bezeichnet Richard als „überflüssig." Der Zehnjährige schlägt lieber zielgerichtet die politische Karikatur und den Medaillenspiegel auf. In einer Zeitung zu lesen, hat Richard schon zu Hause verinnerlicht. „Wenn meine Eltern morgens lesen, gucke ich auch mal rein." Die Schüler sehen: Interessen aller zu treffen, ist für Zeitungsmacher nicht immer einfach, aber doch ist für jeden etwas dabei.

Gundula Virchow nimmt schon zum siebten Mal am Misch-Projekt teil. „Ich finde es einfach wichtig, dass die Kinder ein Gespür für seriöse Nachrichten entwickeln." Auch soll den Schülern die Angst vor der Zeitung genommen werden. „Von soviel Text können sie sich schnell abgeschreckt fühlen", sagt Virchow. Sich in dem Medium zu orientieren sei ebenfalls eines der Lernziele.

In einem Zeitungstagebuch sammeln die Schüler ihre Lieblingsartikel. Dazu schreiben die Grundschüler in eigenen Worten, worum es in dem Artikel geht. Fußballfan Tayler hat einen über den FC Bayern ausgeschnitten, das Zeitungstagebuch von Luise ist nur mit Pferdesport gefüllt. „Ich habe schon auf einem Pferd gesessen, bevor ich überhaupt laufen konnte", sagt die Neunjährige. Das Lesen übers Reiten mache ihr deshalb umso mehr Spaß.

Dieser Artikel ist in der KN-Ausgabe vom 23. Februar 2018 erschienen.

 
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