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Warum wird man Journalist?

Marco Nehmer 9. März 2018
© Frank Peter

Kronshagen. Nala möchte da noch einmal ganz genau nachhaken. „Sie sagten, dass man bei manchen Texten kreativ sein kann. Aber wenn man sich etwas ausdenkt, dann sind das doch eher Märchen." Die Zehnjährige hat Recht: Ausdenken darf man sich nichts. Bei der Zeitung muss man sauber arbeiten. Ein berechtigter Einwand – und beispielhaft für das rege Interesse der 4a und 4b der Brüder-Grimm-Schule Kronshagen am allem rund um den Journalismus-Beruf. Seit mehr als drei Wochen erhalten sie im Rahmen des Projekts „Medien in der Schule" (MiSch) täglich die KN. Diesmal auf dem Stundenplan: Redakteursbesuch.

Während es draußen nach einigen schönen Tagen gerade in Strömen gießt, strahlt drinnen die Sonne: Die Schüler sitzen in freudiger Erwartung im großen Stuhlkreis im Musikraum und gehen noch einmal ihre Fragen durch. Noch vor der Begrüßung durch Lehrerin Sabine Jacobsen schießen die Finger nach oben. Na dann: Ring frei! Eine am Ende viel zu kurze Schulstunde der anderen Art nimmt ihren Lauf. Zunächst wird es historisch. Seit wann gibt es die Kieler Nachrichten? Die erste KN-Ausgabe ging unter dem heutigen Namen 1946 in Druck. Der Vorläufer – die Kieler Zeitung – wurde aber vor sage und schreibe 154 Jahren gegründet.

Die Schüler staunen. 1864 – unvorstellbar. Genauso unvorstellbar ist die Geschichte der Flaschenpost, die 22 Jahre später im Indischen Ozean abgeschickt und nun an der australischen Westküste gefunden wurde. Am Mittwoch war die Geschichte mit einem großen Bild auf den Titel gehoben. Hannah (10) möchte wissen, wie das Titelbild ausgewählt wird. Da gibt es mehrere Faktoren. Eine ansprechende Optik, ein besonders tolles Thema – oder akuelle Meldungen, die viele interessieren. So wie es bei den strahlenden Siegern der Olympischen Winterspiele der Fall war.

„Wie sind Sie dazu gekommen, Journalist zu werden?", möchte Julia (9) noch wissen. Das eine gute Frage, auf die man eine ausufernde Antwort geben könnte. Kurz gesagt: Spaß am Schreiben, Spaß am Nachfragen – das haben die Kronshagener Viertklässler offenkundig auch und erfahren dank ihrer Neugier noch eine Menge zum Arbeitsalltag eines KN-Redakteurs. Ob der Job anstrengend ist, fragt Sophie (9). Auf jeden Fall nicht bei solch angenehmen Terminen wie diesen.

Und so vergeht die Schulstunde wie im Fluge. Schnell noch ein Blick in die liebevoll geführten Arbeitshefte zum MiSch-Projekt und auf so manche kreative Bastelei – dann ist auch schon Schluss. „Das Projekt bringt den Kindern wirklich Spaß", sagt Lehrerin Sabine Jacobsen. Dass sie damit keine Märchen erzählt, ist an diesem Tag mehr als deutlich geworden.

Dieser Artikel ist in der KN-Ausgabe vom 9. März 2018 erschienen.

 
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