Freitags, 7. Stunde (2)

Kathrin Ahlmann-Eltze 5. November 2018

Freitags 7. Stunde (2)

Die Schulglocken dröhnen aus den Lautsprechern. Ich sprinte vom Schulhof aus in das Schulgebäude. Drinnen ist das reinste Chaos los! Meine Mitschüler drängeln sich dicht an dicht. Ich werde buchstäblich von einer Flutwelle aus Schülern überschwemmt. Vergeblich versuche ich mir meinen eigenen Weg zu bahnen, doch es nützt nichts. Irgendwie schaffe ich es doch, in meinen Klassenraum zu gelangen. Erschöpft und außer Atem lasse ich mich auf meinen Stuhl sinken. Leider zu spät sehe ich meine Lehrerin Frau Müller, die mich erwartungsvoll anschaut. „Schon wieder zu spät. Nun setzt dich hin und pass gut auf", ermahnt sie mich mit einem strengen Blick und fängt an, von irgendeinem Erdölproblem zu quatschen. Hitze durchströmt meinen ganzen Körper, so peinlich ist das. Ich merke wie mein Gesicht errötet. Manche Mädchen werfen mir verstohlene Blicke zu, so als ob ich ein Yeti wäre, nur weil ich zu spät gekommen bin. Meine Gedanken kreisen in meinem Kopf, doch auf den Unterricht kann ich mich nicht konzentrieren. Frau Müller redet und redet wie ein Wasserfall. Wie soll man ihr da noch folgen? „So, Arina, was denkst du über das Erdölproblem?", fragt Frau Müller mich interessiert. Verpeilt und fragend zugleich schaue ich in die Runde. Meine Sitznachbarin Hannah gibt mir einen dumpfen Stups genau auf meinen Musikknochen. „Hmm, es... es tut mir leid, ich weiß es leider nicht", und noch im selben Moment fange ich an, mich über meine eigene Antwort zu ärgern. „Komm schon das ist doch leicht!", provoziert mich Leonie. „Ja", stimmt die ganze Klasse mit ein. Mein Puls steigert sich, meine Hände fangen an zu schwitzen, die Stimmen meiner Mitschüler werden in meinem Kopf immer lauter. Was soll ich jetzt bloß sagen? Es ist so unendlich peinlich! Ich fühle mich wie ein Chamäleon, über das sich alle lustig machen und bei dem alle sehen wollen, welche peinliche Farbe es annehmen wird, oder in meinem Fall, welche dumme Antwort ich geben werde. „Beim nächsten Mal passt du besser auf, denn wir schreiben in einer Woche einen Test. Damit ist der Unterricht beendet." Frau Müller schaut mich ein bisschen pikiert an, aber danach lächelt sie wieder. Und wie aufs Stichwort klingeln die Schulglocken. Warum musste die letzte Stunde vor dem Wochenende so enden? Enttäuscht von mir selbst schleiche ich aus der Klasse.

Arina Nikitina, Gymnasium Kronwerk, Klasse 7a

 
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