Der Nachwuchs ist wissbegierig

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 15. März 2019
© Kerstin von Schmidt-Phiseldeck© Kerstin von Schmidt-Phiseldeck

Altenholz. Rollenwechsel für die Reporterin: Eigentlich stelle ich den Menschen bei meiner Arbeit ja die Fragen. Doch am Donnerstag werde ich für das Projekt „Medien in der Schule" (Misch) zwei Schulstunden lang in Altenholz von aufgeweckten Viertklässlern gelöchert. Puh, so fühlt sich das also an!

Der Schulbesuch an der Claus-Rixen-Schule in Klausdorf beginnt mit einer Überraschung – wie so oft im Reporteralltag. Constanze Bense, die als Klassenlehrerin mit dem Nachwuchs seit Wochen Medienthemen bearbeitet hat, ist erkrankt. Und so begleitet Lehrerin Claudia Löhnert die erste Fragestunde – mit Schulhund „Casey". Die siebenjährige Golden-Retriver-Hündin zeigt sich allerdings völlig desinteressiert an journalistischen Thema. Sie liegt auf dem Boden, lässt sich behaglich von den Mädchen und Jungen das Fell kraulen. „Mit Casey lernen wir, leise zu sein", erzählt Leonita (10) stolz.

Doch was haben die Viertklässler denn so gemacht in den Misch-Wochen? Als „Entdecker" können sie die Zeitung dann so erforschen, wie sie möchten. „Wir haben Artikel in ein Heft geklebt, und dazu einen Smiley, wenn man die Texte gut versteht", erklärt Joshua (9). Während ich noch überlege, ob ich mir wohl einen Smiley verdient habe, ergänzt die zehnjährige Arwen schon, dass die Schüler auch gelernt haben, welche journalistischen Formen es gibt.

Pia (10) erzählt, dass ihr Vater Jäger ist und die Zeitung darauf hingewiesen hatte, dass ein Wolf in der Region unterwegs ist. Wie klein die Welt ist: „Die Zeitung" bin in diesem Fall ich, und so weiß ich auch gleich, wie Pias Vater heißt. Danke noch mal für den guten Tipp!

Übrigens ist diese vierte Klasse eine besondere, nämlich eine „Bili-Klasse", in der die Unterrichtssprache Englisch ist. Bundesweit war die Claus-Rixen-Schule Modell für dieses Konzept. Und deshalb lernen hier auch Schüler wie Finn (9), der im Alter von zwei bis sechs Jahren in China lebte, dort Englisch sprach: „Und ich sollte das hier nicht verlernen." Mias Vater ist als Profisegler viel unterwegs, nahm die Viertklässlerin zum Beispiel schon mit nach Australien. „Englisch kann man überall nutzen", sagt sie.

Am Ende ist die Schulstunde viel zu kurz für all die Fragen der Kinder! Doch da wartet ja auch noch die 4b, die sich ebenfalls sehr gut auf den Reporterinnen-Besuch vorbereitet hat. Und hier sitzen sogar zwei Nachwuchskräfte, die schon selbst beim offenen Kanal Radio machen: Mareile und Lea (10). „Erst recherchieren wir, dann schreiben wir den Text, dann kommt das Sprechen und das Schneiden", erklärt sie. Gerade beschäftigen sie sich mit einem aktuellen Thema: den „Fridays for Future"-Streiks von Schülern. „Als Klasse würden wir da gerne mal mitmachen", bekundet Lehrerin Birgitt Fitsch-Lankeit Sympathie für die Forderung nach einem besseren Klimaschutz: „Aber dazu brauchen wir die Erlaubnis der Schulleitung." Doch die Jugend „kann was bewegen".

Die Mädchen und Jungen wollen viel wissen: Am Ende ist auch hier die Stunde viel zu kurz. Gibt es einen Bereitschaftsdienst? Was ist ein Redaktionsnetzwerk? Wie werden Nachrichten überprüft? Liest die Reporterin die Kieler Nachrichten jeden Tag komplett durch? Und welchen berühmten Menschen möchte sie gerne mal interviewen? Eigentlich keinen bestimmten, erzähle ich: Denn tatsächlich sind auch Begegnungen mit ganz normalen, unbekannten Menschen manchmal unvergesslich, erzähle ich.

So war es bei „meiner" ersten 100-Jährigen, über die ich vor vielen Jahren einen Artikel geschrieben habe. 100 Jahre – allein das Alter ist schon beeindruckend. Und dazu war diese Dame so herzlich, freundlich und fröhlich, dass ich mich am Ende ganz beschenkt und beschwingt verabschiedete. Sie wurde übrigens 103 Jahre alt

Dieser Artikel ist in der KN-Ausgabe vom 15. März 2019 erschienen.

 
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