Im Notfall können sie zupacken

Niklas Wieczorek 5. März 2019
© Frank Peter

Gaarden/Kronsburg. Handschellen, Schlagstock, Pfefferspray und Pistole – die Ausstattung der Polizisten hat der 4a der Grundschule Kronsburg beim Klassenbesuch im Rahmen von Medien in der Schule (MiSch) auf dem 4. Revier viel Respekt eingeflößt. Doch das größte Staunen löste das aus, was die Beamten mit Journalisten verbindet: „Was ein Polizist immer dabei haben sollte", sagte Polizist Philip Hunecke, „ist ein Notizbuch." Schließlich müssen sie sich bei jedem Einsatz Namen, Details und Ablauf merken.

Geschickt konnte Hunecke den Schülern so klar machen, wie wichtig richtiges Lesen und Schreiben sind. Polizisten werden gerufen, wenn es Probleme gibt, machte er deutlich – aber vor Ort sollen sie helfen. „Deswegen versuchen wir alles, damit wir die Pistole nicht in die Hand nehmen müssen", sagte Hunecke. Über die Fälle, in denen Brenzliges passierte und die Polizei eingreifen musste, berichtet dann auch häufig die Zeitung. Deswegen hatte auch der anwesende Polizeireporter der Kieler Nachrichten sein Notizbuch in der Hand. Hier ist, was er aufschrieb:

„Warum seid Ihr heute hier?", fragte Hunecke. „Weil wir gerade das Projekt MiSch machen und die Zeitung gefragt haben, ob wir uns mal die Polizei angucken dürfen", sagte Jasper. Hunecke, der Polizeireporter und Klassenlehrerin Tina Fehrke nickten. Und schon legten Hunecke und sein Kronsburger Kollege Stefan Saggau los. „Warum haben Polizisten immer eine Uniform an?", fragte Hunecke. „Damit man weiß, dass es Polizisten sind", wusste Johanna.

Was die machen, wenn sie Verbrecher fangen, zeigten Saggau und Hunecke – als erstes mit Handschellen. „Klick, klick" machte es überall im Raum. „Elias, Du bist ein schwerer Junge", rief Japser. Gott sei Dank hatten die echten Beamten die Schlüssel.

Nächster Punkt: Einsätze bei Demonstrationen oder Fußball. „Beim Fußball sind nicht immer nur nette, sportbegeisterte Fans, sondern auch solche, die Lust auf Randale haben", berichtete Hunecke. Auch davon konnte der Polizeireporter berichten. Alle Kinder durften einmal einen Helm oder einen Schlagstock anfassen.

120 bis 140 Menschen arbeiten alleine im 4. Revier der Kieler Polizei, das für Gaarden, aber auch beispielsweise Elmschenhagen, Kroog oder eben Kronsburg verantwortlich ist. Baut dort irgendjemand Mist, wird er auch schon einmal in Gewahrsam genommen, sagte Saggau. Und als Johanna im Keller der Station jemanden in einer Zelle liegen sah, durfte sie die Person sogar selbst wecken. Während sie auf den Menschen unter einer Decke zulief, wurde die Klasse kurz ganz still – bis sich herausstellte, dass die Polizisten der Klasse einen Streich gespielt hatten und unter der Decke eine Jacke lag. „Das wäre sonst viel zu gefährlich gewesen", sagte Saggau.

Und dann gab es noch einen besonderen Höhepunkt für die Grundschüler: Zu Gast war auch Stephanie Pälicke mit Diensthündin Raja. Die zeigte nicht nur, wie schnell sie Benzin, das beispielsweise als Brandbeschleuniger genutzt werden kann, aufspüren kann. Nein, auch einen simulierten Angriff auf Stefan Saggau bekamen die Kinder zu sehen. Verrückt, wie eine so nette Hündin auf einmal ernsthaft zupacken kann, waren sich die Schüler einig. Das trifft auf die menschlichen Polizisten genauso zu.

Dieser Artikel ist in der KN-Ausgabe vom 02. März 2019 erschienen.

 
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