Die Batterien der Elektro-Autos

Klasse 9b (Gymnasium Altenholz) 20. November 2019 1 Kommentar(e)
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              Umweltfreundlich-menschenfeindlich

Etwa fünfeinhalb Millionen von ihnen fuhren 2019 auf der Welt herum, davon 142.000 in Deutschland: Elektro-Autos. Von vielen werden sie als umweltfreundlich, lautlos und revolutionär beschrieben. Doch in ihnen befindet sich neben einer Menge technischer Gerätschaften noch etwas: Eine 650 Volt-Batterie, die vor allem Lithium und Kobalt benötigt. Aber diese Metalle sind nicht überall zu finden und ihre Gewinnung wird dem Status des Elektro-Autos als umweltfreundlichere Alternative zum Diesel überhaupt nicht gerecht.
Lithium beispielsweise kommt in rauen Mengen in der Atacama-Wüste in Südamerika vor. An diesem ohnehin schon extrem trockenen Ort werden etwa 21 Millionen Liter Wasser benötigt-pro Tag. Denn das Leichtmetall lagert im mineralhaltigen Grundwasser tief unter der Erde. Um an das Metall zu kommen, pumpen die Arbeiter das Wasser in gigantische Becken an der Oberfläche und lassen es verdunsten, bis nur noch eine dickflüssige Substanz übrig ist. Und diese enthält ca. sechs Prozent Lithium. Doch die Nachfrage steigt, nicht nur in Deutschland. Und so werden immer mehr Verdunstungsbecken gebaut, auf Kosten der Menschen und der Tiere in der Umgebung. Einige Flamingo-Arten, die es nur in der Atacama-Wüste gibt, sind bereits vom Aussterben bedroht. Und auch die Zukunft vieler hier lebender Bauern steht auf dem Spiel.

Kobalt hingegen wird hauptsächlich im Süden Afrikas abgebaut, meistens jedoch illegal und wortwörtlich auf eigene Faust. Denn die Arbeiter, einheimische Männer, die sich durch die Arbeit etwas Geld erhoffen, haben keine spezielle Ausrüstung oder Werkzeuge. Mit einer billigen Stirnlampe als einziges Arbeitsuntensil klettern sie in die rund vierzig Meter tiefen Schächte neben ihren Häusern. Die Arbeit ist extrem gefährlich: Nicht selten kommt es vor, dass die Schächte einstürzen und die Arbeiter lebendig begraben werden. Zudem ist die Luft in den engen Gängen stickig und voll von hochgiftigem Kobaltstaub. Die Männer erhalten keinerlei Unterstützung vom Staat oder von China, denen so gut wie alle legalen Kobaltminen in der Umgebung gehören. Und das, was die Männer durch die Arbeit verdienen, reicht kaum für Nahrung oder sauberes Trinkwasser. Das abgebaute Gestein wird in kiloschweren Säcken an die Oberfläche gezogen. Mindestens sechs Männer sind notwendig, um einen dieser Säcke hochzuziehen. Anschließend werden die Säcke zu einem Reinigungsplatz am Rand des Dorfes gebracht. Dort durchspülen Frauen und teilweise auch Kinder die Säcke mit Wasser, um den Dreck von dem Gestein abzuwaschen. Dann wird nach Stein und dem wertvollen Erz sortiert. Doch trotz der unmenschlichen Bedingungen arbeiten die Einwohner weiter, in der Hoffnung, genug Geld zum Überleben zu verdienen.

Marlene Schaab

 
1 Kommentar(e)
  1. Stefan Bichow
    20. November 2019

    Hallo Marlene, da hast du aus meiner Sicht ein sehr wesentliches Problem beleuchtet, das in der Diskussion um sauberere Mobilität oftmals zu kurz kommt. Vielen Dank!

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