Ein Sport auf acht Rollen

Klasse 8a (Ricarda-Huch-Schule) 19. November 2019

Diese kleine Sportart fordert Eleganz, Kraft und Koordination
von Gesa Kowalski, Klasse 8a der Ricarda-Huch-Schule

Kiel. Die Sporthalle ist erfüllt von einem hallenden Rollen. Durch die großen Fenster fallen die letzten Lichtstrahlen der Herbstsonne und erhellen den Raum. Auf dem neuen Hallenboden zeichnen sich die Schatten gemächlich fahrender Halbwüchsiger ab. Nach und nach trudeln Kinder und Eltern ein.
Die Halle liegt am Schrevenpark und dient seit wenigen Wochen als Übungsort für die Rollkunstlaufkurse des KMTVs (Kieler Männer Turnverein). Es gibt zwei Kurse: Die Anfänger und die Fortgeschrittenen.
Rollkunstlauf ist eine eher unbekannte Sportart, eine sogenannte Randsportart, verrät Kim. Sie ist neben einer weiteren Trainerin und einem Trainer eine Rollkunstlauftrainerin des KMTVs : „Eislaufen ist olympisch, Rollkunstlauf nicht. Und in Schleswig-Holstein kannst du kein Eislaufen, weil wir nur eine Eishalle in Timmendorf haben und da wird nur Hockey gespielt. Somit gibt es in Schleswig-Holstein gar keine Möglichkeit eiszulaufen und deswegen ist die Alternative Rollkunstlauf."
Jede Stunde des Anfängerkurses ist in ihren Übungen unterschiedlich, was bleibt, ist das Warmlaufen am Anfang der Trainingsstunde. Danach werden die Läufer in diejenigen, die schon alleine laufen können, und in jene, die an der Hand eines Helfers laufen, unterteilt.
Entweder man macht „Eierlaufen", das heißt die Rollschuhe abwechselnd voneinander weg und aufeinander zu bewegen, oder, wenn man schon kann, „Übersetzen", das heißt den äußeren Fuß über den inneren Fuß setzen. Das wird erst vorwärts und dann rückwärts gemacht.
Dann werden Figuren wie die Waage, die Pistole, der Strecksprung und der Pinguin geübt. Die Namen der einzelnen Figuren variieren von Verein zu Verein. So heißt zum Beispiel die Figur, bei der man in die Hocke geht und dann ein beliebiges Bein ausstreckt, bei einigen Vereinen Pistole und bei anderen Kanone.
Je nach dem, wie sicher man beim Strecksprung ist, übt man auch die halbe Drehung. Bei der halben Drehung springt man hoch und dreht sich zur Hälfte, landet und fährt rückwärts oder vorwärts weiter.
Nachdem eine Figur eine Zeitlang trainiert worden ist, treffen sich alle im Kreis in der Mitte der Halle und die drei Trainer verkünden die nächste Figur.
Die schwersten Figuren sind nachher die Sprünge, die mehr als eine Umdrehung haben, erklärte Kim: „Es gibt Sprünge, die nennen sich Doppelsprünge, und dafür braucht man sehr viel Kraft und einen guten Drehmoment. Aber auch Pirouetten, die man nachher auf einem Bein dreht, sind ebenfalls sehr schwer."
Nach einer halben Stunde Training gibt es eine kleine Trinkpause. Nachdem jeder etwas getrunken hat, wird weiter trainiert. Durch die im großen Kreis fahrenden Läufer schlängeln sich die Trainer und geben hilfreiche Tipps, wie „Bein höher" und „nicht so mit den Armen herum wackeln".
„Rollkunst ist vielfältig. Beim Rollkunstlauf brauchst du Kraft, Kondition und Koordination. Man muss sich die Figuren und Bewegungsabläufe im Kopf vorstellen und muss das mit dem Körper umsetzen", erläuterte Kim.
Manchmal dürfen die Kinder auch nach einer kurzen Trainingseinheit die geübte Figur der Gruppe vorführen. Nachdem alle stolz gezeigt haben, was sie können, wird eine neue Figur erlernt.
„Ich finde, Rollkunstlauf hat etwas von Freiheit. Man hat ein bisschen das Gefühl zu fliegen", schwärmte Kim: „Es ist eine schöne Sportart, die ganz viele Faktoren vereint und man powert sich aus.
Und, ja, Rollkunstlauf ist eine kleine Fleißsportart, bei der man aber auch Kraft mit bringen muss."
Am Ende eines jeden Trainings verlassen erschöpfte, aber zufrieden lächelnde Kinder und Jugendliche die Halle. Mittlerweile ist es draußen dunkel geworden und die Lessinghalle liegt im Licht des Mondes.

 
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