Unsere Nachbarn fahren jetzt E-Auto

Klasse 9d (Gymnasium Altenholz) 12. November 2019 1 Kommentar(e)
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Bärbel und Olaf Mewis über ihr neues E-Auto – Die Lösung für den täglichen Auto Nutzer?


Inke Niehoff und Maxima Belcovska


Altenholz. „Unser neues Auto hört man kaum, keine Motorgeräusche. Es ist einfach leise", so Bärbel und Olaf Mewis. Klimawandel, Treibhausgase, CO2-Ausstoß, Dieselskandal – diese Worte hört man in letzter Zeit oft. Unsere Landeshauptstadt Kiel, in deren unmittelbarer Nähe wir wohnen und zur Schule gehen, ist eine der meist belasteten Städte in Deutschland. Vor allem der Abgas-Ausstoß (CO2 und NOx) durch Diesel- und Benzinautos ist zu hoch.
Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, dass bis zum Jahr 2022 eine Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Noch sind wir sehr weit von diesem Ziel entfernt.
E-Mobilität und somit mehr E-Autos auf den Straßen, das könnte in Zukunft bedeuten, weniger Umweltverschmutzung durch CO2-Ausstoß. Dem Verkehrssektor werden zurzeit zirka 19 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland angelastet. Weiterhin sind zum Beispiel Kraftwerke, energieintensive Industrie und intensive Tierhaltung für den Klimawandel verantwortlich.
Die Stickoxide sind nicht nur für unsere Umwelt schlecht, sondern vor allem auch für unsere Gesundheit. Ein Lösungsansatz, wenn man nicht grundsätzlich auf das Autofahren verzichten will oder kann, der genauso praktisch und bequem ist, wie ein Diesel oder Benziner, ist das Elektro-Auto. Es stößt auf der Straße kein CO2 und auch keine anderen schädlichen Gase aus. Die Stromkosten zu Hause sind mit Elektroauto zwar höher, dafür fallen aber die Kosten an der Tankstelle für Benzin oder Diesel weg.
Diesen Lösungsansatz haben unsere Nachbarn Bärbel und Olaf Mewis aufgegriffen und fahren nun ein Elektroauto. Wir haben sie zu ihrem neuen Auto und ihren Erfahrungen damit befragt.

Warum habt ihr euch beim Kauf eures neuen Autos für ein E-Auto entschieden?
Bärbel und Olaf Mewis: Das E-Auto ergänzt unser Wohnkonzept. Wir haben eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach und gewinnen so unseren Strom durch die Sonne. Der auf dem Dach gewonnene Strom kann also direkt unser Auto laden.

Wo habt ihr euch beraten lassen?
Eigentlich haben wir uns selbst beraten. Im Internet haben wir viel über die Reichweite, die Funktion und die Ladezeit gelesen und dann haben wir uns für das E-Auto entschieden.

Seid ihr zufrieden mit dem neuen E-Auto?
Ja, wir sind sehr zufrieden. Das Auto haben wir jetzt fast ein Jahr und haben nur gute Erfahrungen damit gemacht. Es hatte noch keine Defekte und unser Akku hat immer noch eine Kapazität von 100 Prozent. Beim Anfahren ist so ein Auto deutlich leiser, das ist sehr angenehm für alle Mitfahrenden. Wenn man aber schneller fährt oder auf der Autobahn ist, ist der Unterschied nicht mehr so groß. Gesetzlich ist jetzt auch vorgeschrieben, dass E-Autos ein künstliches Fahrgeräusch haben, damit alle Fußgänger hören, dass ein Auto kommt.

Was findet ihr besser an diesem Auto, als an eurem vorherigen Diesel?
Wir tun etwas fürs Klima und für die Allgemeinheit, das Auto ist ökologisch und wirtschaftlich. Wirtschaftlich deshalb, weil wir auf 100 Kilometer nur 4 Euro 50 Stromkosten haben und das Auto 10 Jahre steuerfrei ist. Außerdem dürfen wir jetzt auch die Busspuren in der Stadt benutzen. Und das Auto hat auch keine Emissionen. Außerdem können weniger Teile kaputtgehen, wir sparen TÜV-Kosten und wir müssen auch keinen Ölwechsel machen.

Gibt es auch Nachteile, die ein E-Auto mit sich bringt?
Unser E-Auto ist eins der ersten Generation, die Reichweite ist natürlich geringer. Also muss man vorher planen, welche Strecken man wann fahren will und immer gucken, wie voll der Tank – besser, der Akku ist. Manchmal hat einer von uns auch etwas Angst, dass er liegenbleibt und abgeschleppt werden muss. Man ist nicht so spontan mit dem Auto, aber das bekommen wir gut hin. Wir laden das Auto mit 11 KW und haben einen Akku von 28 KW, aber das ist von Auto zu Auto unterschiedlich. Je größer der Akku, desto schwerer ist er und desto mehr Strom wird verbraucht. Also je leichter, desto ökologischer. Im Winter hat das Auto eine geringere Reichweite, das liegt daran, dass der Akku im Winter auf zirka 20 Grad Celsius aufgeheizt werden muss und das auch Strom verbraucht, im Winter müssen wir also öfter an die Ladesäule. Im Sommer, wenn es heiß ist, ab 30 Grad Celsius, muss der Akku gekühlt werden. Die Reichweite ist also wetterabhängig. Und da unser Akku sehr tief liegt, können wir keine hohen Kantsteine mehr hochfahren. Aber für uns ist dieses Auto trotzdem optimal.

Wie sieht es mit Ladestationen unterwegs aus? Ist das teurer, als zu Hause?
Teilweise, der Strom an der Autobahn ist, wie auch Diesel oder Benzin, etwas teurer. Aber da wir nicht viel Autobahn fahren, ist das für uns nicht so schlimm. Normalerweise zahlen wir um die 30 Cent pro Kilowattstunde. Im CITTI-Park, bei IKEA und REWE oder bei der Sparkasse und beim Amt ist das Laden sogar kostenfrei. Es gibt Handyapps, die die Ladesäuleninfrastruktur in der Umgebung anzeigen und auch, ob die jeweilige Ladesäule gerade besetzt ist. In Kiel kann man zwei Stunden umsonst parken, in Eckernförde sogar einen Tag und in Hamburg am Flughafen kann man direkt vor dem Terminal kostenfrei parken und währenddessen laden. Das heißt, wenn man wiederkommt, spart man nicht nur die teuren Parkgebühren, sondern das Auto ist auch wieder voll genug für den Rückweg. Überall hat man mit dem E-Auto kleine Vorzüge. Da unser Auto zweieinhalb Stunden zum Laden braucht, bietet sich das Laden bei größeren Stopps also an. Auch viele Hotels haben mittlerweile Außensteckdosen, so dass man bei einem Aufenthalt einfach über Nacht laden kann.

Ihr habt ja schon ein bisschen was erzählt, aber wie funktioniert das Laden zu Hause genau?
Wie schon erwähnt, haben wir bei uns hier zu Hause auf dem Dach eine Fotovoltaik-Anlage. Der Solarstrom, den wir produzieren, wird direkt ins Netz eingespeist und über unsere Schnellladebox kommt der Strom dann in unser Auto. Von den Stadtwerken bekommen wir auch einen kleinen Vorzug bei den Stromkosten, da sie E-Mobilität unterstützen und fördern. Es gibt verschiedene Ladesäulen, also hat unser Auto zwei Stecker zum Laden, einen Schnelladestecker und einen normalen, der in jede Haushaltssteckdose passt. Es gibt das Einphasenladen und das Dreiphasenladen, das Dreiphasenladen ist mit Kraftstrom von 400 V. Langsameres Laden ist aber besser für den Akku.

Gibt es Vorteile, die nichts mit der Umwelt zu tun haben?
Ja, es werden uns einige Kosten erspart: Die Kostenersparnis beim Parken und die beim Laden oder Tanken.

War es eine große Umstellung für euch, vom Dieselauto auf das E-Auto?
Ja und nein. Es ist einfacher zu fahren, weil E-Autos alle eine Automatikschaltung haben, das Schalten von Gängen entfällt. Aber die schon mehrfach erwähnte geringere Reichweite ist natürlich auch eine Umstellung. Du kannst eben nicht einfach so spontan sagen, lass uns mal da oder da hinfahren. Zum Beispiel: „Lass uns mal nach München fahren..." Manchmal hat man auch Angst, wegen eventueller Umwege, Umleitungen oder Staus irgendwann abgeschleppt werden zu müssen, weil der Akku vielleicht nicht mehr reichen könnte. Aber das ist uns glücklicherweise noch nicht passiert. Hierfür wünschen wir uns natürlich, dass die Ladesäuleninfrastruktur in Zukunft noch weiter ausgebaut wird. Alles in allem ist das E-Auto für uns, wie schon gesagt, optimal. Erstens wegen seiner vielen Vorteile, ökologisch und finanziell. Außerdem fahren wir relativ wenig Langstrecken bzw. Autobahn und sind nicht täglich auf ein Auto angewiesen, da wir für unsere täglichen Wege neben dem Auto sehr häufig auch das Fahrrad nutzen.

Herzlichen Dank euch beiden für das interessante Interview.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das E-Auto für viele Belange eine gute Lösung zu sein scheint, aber bestimmt nicht für jeden. Als Stadtauto und für kurze Strecken, auch auf Autobahnen, eignet es sich wunderbar.
Neben den ökologischen Vorteilen für die Umwelt aufgrund des geringeren Schadstoffausstoßes, sind für den Autofahrer/die Autofahrerin natürlich die finanziellen Aspekte nicht unwichtig. In der Anschaffung ist das E-Auto häufig noch teurer als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Einen Ausgleich schaffen hier, wie wir in dem Interview erfahren haben, Vergünstigungen bei den Stromkosten, freies Parken in der Stadt, teilweise kostenloses Aufladen bei Ämtern, auf Supermarktparkplätzen oder bei Sparkassen sowie freies Parken an Flughäfen und Vergünstigungen bei der Kraftfahrzeugsteuer.
Für diejenigen, die jeden Tag längere Strecken zurücklegen müssen, muss das E-Auto noch optimiert werden. Die Reichweite von E-Autos ist aufgrund der Ladekapazitäten der Akkus eben geringer als die Reichweite von Autos mit Verbrennungsmotor. Auch muss in diesem Zusammenhang die Ladesäuleninfrastruktur noch deutlich verbessert werden.
In Bärbel und Olaf Mewis Fall ist das neue E-Auto optimal. Und ein gute Alternative für ein Zweitauto ist es allemal.

 
1 Kommentar(e)
  1. Promedia Maassen
    18. November 2019

    Liebe Inke, liebe Maxima,

    ganz lieben Dank für euren tollen Beitrag. Er ist wirklich sehr informativ und interessant geschrieben. Es ist toll, dass ihr euch für ein Interview entschieden habt, denn so bekommt man die Erfahrungen von Herrn und Frau Mewis auf eine ganz direkte und authentische Weise geschildert:) Besonders gelungen finden wir aber auch die Einbettung des Interviews, also dass ihr zuvor und auch am Schluss eine Einordnung gebt!:)

    An alle: Wer kennt denn noch jemanden, der auch schon auf ein E-Auto umgestiegen ist? Wie sind dessen Erfahrungen? Besteht da auch immer die Sorge, eventuell liegen zu bleiben?

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