Von der Geburt bis zum Tod und zur Wiedergeburt

Klasse 9d (Gymnasium Altenholz) 19. November 2019
© M.Spreckelmeyer© M.Spreckelmeyer

Von Jannik Oedinger und Matti Spreckelmeyer

Sie sind leicht, praktisch, werden millionenfach verkauft und sind in jedem Supermarkt erhältlich: Plastikflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET).
Aber kann man sie Gewissens benutzen? Wie steht es mit der Ökobilanz und was passiert, wenn sie leer sind?

Wer kennt das nicht? Mit einem riesigen Sack voller PET-Flaschen steht man am Pfandautomat in einer langen Schlange von Menschen unterschiedlichsten Alters und Aussehens. Die Luft ist erfüllt von Ungeduld und schließlich kommt jeder im Zeitlupentempo an sein Ziel. Der kreisrunde Mund des Pfandautomaten ist aufgesperrt und wartet auf Futter. Flasche für Flasche verschwindet im Automaten, begleitet von knirschenden und krachenden Geräuschen beim Abtransport durch die Röhre ins Nichts. Per Knopfdruck wird der Einweg Pfandbon ausgedruckt: 0,25 € pro Flasche.
Wo aber bleiben nun die Flaschen? Im Meer, in der Müllverbrennungsanlage? Weit gefehlt.

PET-Flaschen werden recycelt, das heißt auch zur Produktion neuer Flaschen wiederverwendet. Alte Flaschen werden zu neuen und somit Energie und Ressourcen eingespart. Die PET-Flaschen werden vor Ort gesammelt, vorsortiert und zu Ballen gepresst, damit so viele Ballen wie möglich auf einen Lastkraftwagen passen. „Einmal in der Woche werden die Flaschen dann bei uns abgeholt", erklärt der Lagerarbeiter bei Markant in Dänischenhagen, „dann geht´s ab ins Recyclingwerk."
Im Recyclingwerk werden die riesigen, kunterbunten Plastikberge von Maschinen in der Halle nach Farben sortiert. Das Licht ist grellblendend durch die unzähligen Neonröhren an den Decken, durchzogen von orangefarbenen Blinklichtern. Die Geräusche sind dumpfdröhnend und erfordern unbedingt Gehörschutz bei den Mitarbeitern. Eine riesige Maschine ist dabei, die Flaschen zu zermalmen. Anschließend gelangen die Teile in ein Sprudelbad, in dem sie gewaschen und zu lebensmitteltauglichen Regranulat verarbeitet werden.
Wenn Plastikflaschen diesen Prozess durchlaufen haben, sind sie so sauber und rein, dass daraus neue PET-Flaschen hergestellt werden können. So wird mit Recycling wertvolles Rohöl, der Stoff, aus dem neues PET hergestellt wird, gespart. Diese ehemaligen Flaschen werden dann in Form von Regranulat ins Kunststoffverwertungszentrum transportiert.
Station Kunststoffverwertungszentrum: Die Halle ist fensterlos und in ihr stehen gigantische Maschinen und ausgefeilten Technikanlagen. Das körnige und nach Farben sortierte Regranulat rieselt aus durchsichtigen Behältern auf Laufbänder und wird mit neuem Granulat vermischt. Schließlich wird das entstandene Gemisch in einem riesigen Mixer geräuschvoll vermengt. In Öfen wird dann alles erhitzt, geschmolzen und zu Rohlingen, den sogenannten Preforms, verarbeitet. Hieraus werden später die neuen Flaschen gefertigt.
Im Durchschnitt bestehen diese neuen, leichten Flaschen zu mehr als 25% aus recycelten Flaschen und sparen wertvolles Rohöl bei der Produktion ein. Aus dem restlichen Regranulat werden Turnschuhe, Fleece-Shirts, Fallschirme oder Folien gemacht. Gut zu wissen.
Die letzte Station ist das Abfüllwerk. Die Luft in der grellen Halle ist stickig und heiß. Hier werden die länglichen Preforms maschinell auf bis zu 250 Grad erhitzt und zu neuen Flaschen aufgeblasen wie pralle Luftballons. Die wiedergeborenen PET-Flaschen werden dann maschinell mit Getränken befüllt und etikettiert. Natürlich darf auch das 0,25 € Einweg Pfandzeichen nicht fehlen.
Der Prozess ist hier beendet und der Kreislauf schließt sich. Die PET-Flaschen gelangen nun wieder in den Einzelhandel.

Insgesamt schaffen es rund 98% der PET-Getränkeflaschen in den Recycling-Kreislauf, der beim Einzelhändler mit dem Pfandautomaten beginnt. Mehr als 25% neue PET-Flaschen werden aus recycelten Flaschen hergestellt. Hierdurch spart man CO2 ein und schont die Umwelt. Aber Mehrweg-Flaschen leben länger. Glasflaschen können bis zu fünfzig Mal wieder befüllt werden und sind bis zu sieben Jahre im Umlauf. Die Mehrweg-Kunststoffflaschen schaffen eine Wiederbefüllung bis zu fünfzehn Mal.

 
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