Mittendrin als Kieler Lokaljournalist

Niklas Wieczorek 5. März 2020
© Frank Peter

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Evi. Ich bin eine Möwe, exakt wie das Klassentier der 4b in der Grundschule Kronsburg. Und mein Name hat auch eine Bedeutung: Evi, das steht für „Einfach voll informiert". So fühlen sich die Kinder meiner Klasse seit etwa drei Wochen, in denen sie im Rahmen des Projektes MiSch (Medien in der Schule) jeden Tag die Kieler Nachrichten lesen. Wer gut informiert ist, der hat Antworten auf Fragen. Ob das immer stimmt und noch vieles mehr, das habe ich Lokalredakteur Niklas Wieczorek (31) beim Besuch in meiner Klasse gemeinsam mit der 4a gefragt.

Schreibst Du nur über die Polizei?

Niklas Wieczorek: Da hast Du dich aber gut schlau gemacht, Evi. Hast Du die Artikel gezählt? Es stimmt, ich schreibe viel über Dinge, die mit Polizei oder Feuerwehr zu tun haben – also Einsätze oder Ermittlungen. Aber das ist nicht alles: Auch das, was in Kiel gebaut wird, beschreibe ich häufig – oder etwas zum Verkehr in der Stadt und zur Politik. Manchmal schreibe ich auch über Kiels Geschichte, was früher einmal war. Das ist ein Fach, das ich studiert habe.

Warum bist Du Journalist geworden?

Als ich so alt war wie Ihr in der vierten Klasse, da wollte ich noch Fußballprofi werden. Sehr schnell habe ich aber gemerkt, dass es viele gibt, die das besser können als ich. Aber was ich früher schon immer gerne gelesen, gehört und geguckt habe, waren Berichte über Fußball und Sport. Das fühlte sich oft so an, als wäre ich mittendrin. Also habe ich mir vorgenommen, Sportjournalist zu werden. Umso älter ich wurde, habe ich mich dann für immer mehr Dinge interessiert. Und jetzt bin ich Lokaljournalist, ein wunderbarer Beruf und mittendrin in ganz vielen Themen.

Wie lange arbeitest Du?

Wir Journalisten versuchen allen, die unsere Nachrichten auf KN-online und am nächsten Tag in der Zeitung lesen, frische Neuigkeiten zu liefern. Deswegen fangen wir nicht so früh an, um früh Feierabend zu machen, sondern es geht im Normalfall um 10 Uhr los, und wir arbeiten bis 18 oder 19 Uhr. Aber es gibt auch ganz viele Ausnahmen: Wenn am Nachmittag und Abend etwas passiert, berichten wir natürlich auch länger. Andere Dinge sind planbar, wie späte Veranstaltungen oder Sportereignisse. Dann beginnt ein Redakteur seinen Arbeitstag später.

Könnt Ihr mehr über Tiere berichten?

Ich empfinde es nicht so, dass wir zu wenig über Tiere berichten – aber ich finde es sehr gut, dass Du das sagst. Das zeigt, dass vielleicht Kinder aus der vierten Klasse andere Interessen haben als ein 31-jähriger Journalist oder Eure Eltern und Großeltern. Über welches Tier sollten wir denn mehr schreiben?

Über Hamster!

Wir haben jetzt viel über Hamsterkäufe berichtet. Aber ich werde das in der Redaktion berichten.

Woher bekommt Ihr Eure Informationen?

Das ist eine gute Frage. Dafür gibt es ganz viele Wege: Manchmal beobachten wir selbst etwas, vielleicht auf dem Radweg in die Redaktion. Dann denke ich mir: Das war doch gestern noch nicht so. Und vielleicht steckt eine spannende Neuigkeit dahinter. Dann fragen wir nach: bei beruflichen Ansprechpartnern, bei Behörden wie bei der Stadt oder der Polizei. Aber wir reden auch mit vielen Privatleuten, denn für sie sollen KN-online und unsere Zeitung ja berichten. Und Menschen aus der Stadt informieren uns auch häufig, weil sie wollen, dass wir etwas berichten. Zusätzlich gibt es sogenannte offizielle Pressemitteilungen. Die können sehr interessant sein, aber manchmal auch sehr langweilig.

Musstest Du auch schon einmal über einen Mord berichten oder mit echten Verbrechern sprechen?

Leider ja. Kein Journalist findet es toll, über schlimme Verbrechen zu berichten. Wir sehen es aber als unsere Pflicht, über alles zu informieren, was in unserer Stadt und Region passiert. Das kann auch einmal sehr traurig sein – dann freue ich mich sehr auf den Feierabend. Wenn es um ein mögliches Verbrechen geht, also einen Verdacht, versuchen wir auch, die Person zu befragen, die beschuldigt wird. Das ist wichtig, um fair zu sein. Journalisten sollten sich dafür aber meiner Meinung nach nicht in Gefahr bringen. Schön ist, dass es auch sehr viele tolle Dinge zu berichten gibt – wie heute meinen Besuch bei Euch in der Grundschule Kronsburg.

Sehen wir uns mal wieder?

Wenn Du viel in der Stadt unterwegs bist, dann sehen wir uns bestimmt mal wieder. Lokaljournalisten versuchen, viel mitzubekommen und sich viel anzuschauen. Nur so können wir Euch als Leser auf KN-online und in den Kieler Nachrichten immer gut und aktuell informieren.

 
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