Corona - Hotels in der Krisenzeit

Emma Holst, Gymnasium Lütjenburg Klasse 10a 20. November 2020
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Still leiden die Hotels
Hotelbesitzer Reiner Birke über den Corona Lockdown in seinem Hotel

Kiel: Seit Montag, den 2. November, ist ein erneuter Corona Lockdown und die Hotels mussten wieder schließen. Deswegen die Frage: Was halten Sie von dem erneuten Lockdown?
Rainer Birke: Wenn das notwendig ist, muss man das machen.

Beim letzten Mal wurden erst ab Mai die Beschränkungen langsam wieder aufgehoben, glauben Sie dieses Mal dauert der Lockdown nur vier Wochen?
Wir glauben, dass er länger dauert. Wir gehen davon aus, dass er bis ins neue Jahr geht und Weihnachten und Silvester geschäftlich ausfallen.

Was sind die Folgen des erneuten Lockdowns in Ihrem Hotel?
Das wissen wir noch nicht genau. Auf jeden Fall wird es so sein, dass wir wissen, was auf uns zukommt, weil wir das ja im ersten halben Jahr geübt haben. Uns ist noch nicht bekannt, was jetzt an Umsätzen reinkommt und wir wissen auch noch nicht, wie das mit dem Zuschuss ist, den wir zu kriegen haben. Das ergibt sich alles erst gerade aktuell. Was wir wissen, ist, dass das Kurzarbeitergeld und die Überbrückungshilfe abgezogen wird. Wir wissen jedoch nicht, was mit unseren Umsätzen ist, denn wir haben ja teilweise für Geschäftsreisende, Essen außer Haus und Tagungen geöffnet. Aber wir wissen eigentlich noch gar nichts und das ist ziemlich problematisch, weil wir nichts Greifbares haben. Unsere Mitarbeiter sind bis auf die Haustechniker und Verwaltung jetzt alle in Kurzarbeit. Außerdem müssen alle Mitarbeiter jetzt in diesem Monat ihren Resturlaub für dieses Jahr nehmen, damit wir dann in das neue Jahr neu starten können.

Sie haben den Lockdown jetzt schon einmal geübt. Aber was waren die Folgen des ersten Lockdowns?
Abgesehen von den hohen finanziellen Verlusten war es auch schwierig, die neuen Hygienekonzepte umzusetzen, weil es eine völlig neue Situation war.

Sie haben viel Geld verloren, aber Sie sollten vom Staat ja Zuschüsse bekommen. Kamen diese staatlichen Gelder rechtzeitig an?
Die Gelder kamen rechtzeitig an, aber wir haben viel zu wenig bekommen, da wir mit unseren Umsätzen über den Voraussetzungen lagen. Die Voraussetzung für die Überbrückungshilfe war ein Umsatzverlust von mindestens 40 Prozent für die Monate Juni, August und September. Unser Umsatzverlust lag darunter. Im Oktober waren die Voraussetzungen für die Überbrückungshilfe, wenn der Umsatzeinbruch mindestens 30 Prozent betrug. Auch hier lagen wir darunter. Und jetzt im November werden wir wahrscheinlich dadurch, dass jetzt ein Lockdown ist, weit über 50 Prozent Umsatzverlust haben. Daher werden wir wohl jetzt die Überbrückungshilfe bekommen. Wir kriegen jetzt für November durch den Lockdown aber auch einen zusätzlichen Zuschuss, der 60 oder 70 Prozent des Umsatzes des letzten Jahres beträgt. Zudem erhalten wir auch Kurzarbeitergeld. Dieses wird jedoch vielleicht zusammen mit der Überbrückungshilfe von dem Zuschuss abgezogen werden.

Sie haben im Sommer keine Überbrückungshilfe bekommen. Hatte die Lage sich im Sommer denn wieder beruhigt und hatte die Absage der Events wie zum Beispiel der Kieler Woche große Auswirkungen auf Sie?
Ja, die Absage hatte sehr große Auswirkungen. Die Lage hat sich noch nicht beruhigt, aber sie hat sich betriebswirtschaftlich erheblich verbessert, weil wir in den Monaten Juni bis Ende Oktober kein Geld verloren haben. Dagegen war es in den Monaten März bis einschließlich Juni betriebswirtschaftlich sehr schlecht.

Sie sagten ja, dass Sie viel zu wenig staatliche Unterstützung bekommen haben, also wie denken Sie über die finanzielle Unterstützung der Hotels?
Also wenn ich unser Haus sehe, dann muss ich ganz klar sagen, dass die Unterstützung voll an uns vorbei gegangen ist. Uns wurde von der Politik im April und Mai versprochen, dass die Wirtschaft mit so und so vielen Milliarden unterstützt wird. Dieses Geld ist gar nicht abgerufen worden, weil die Bedingungen, die gestellt worden sind, um das Geld abzurufen, gar nicht eingehalten werden konnten, da viele Hotels einfach gar nicht die Umsatzverluste im Juli, August und September hatten. In vielen anderen Betrieben in den großen Städten, die nur mit Geschäftsleuten zu tun haben, werden die Umsatzverluste erheblich höher sein und die werden auch die Zuschüsse alle kriegen.

Wir haben immer nur über die negativen Seiten des Corona Lockdowns gesprochen, aber welche positiven Seiten hat der Lockdown Ihrer Meinung nach?
Unsere Auszubildenen haben teilweise gelernt mit Verantwortung umzugehen, da unsere festangestellten Mitarbeiter überwiegend in Kurzarbeit waren und so die Auszubildenden viel allein regeln mussten. Außerdem hatten wir bisher keine Mitarbeiter, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und keinen an Corona erkrankten Gast. Wir hoffen natürlich, dass das auch so bleibt. Deshalb haben wir die Hygienemaßnahmen den Vorschriften entsprechend und sogar noch strenger umgesetzt.

 
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