Corona – Umbruch für Jugendliche?

Michelle Noack, Gymnasium Lütjenburg Klasse 10a 19. November 2020
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Corona – Umbruch für Jugendliche?
Das Leben vieler Jugendlichen hat sich auf Grund der aktuellen Pandemie stark verändert.

Lütjenburg. „Sorry Leute, Fußballtraining muss in der nächsten Zeit leider ausfallen", oder „Mama, wann können wir wieder zu Oma?" Solche Sätze tauchen in der letzten Zeit bei vielen Kindern auf. Bei älteren Schülern kommt auch noch die Sorge um den Abschluss dazu und Gedanken wie „Habe ich überhaupt die Chance, meinen Abschluss zu machen, oder verläuft der auch virtuell, genauso wie der Unterricht dieses Jahr während des Lockdowns?"
Diese Sorgen sind leider berechtigt, da sich durch Covid-19 sehr viel verändert hat, besonders für die Kinder. Viele Hobbys und Sportarten wurden gestrichen, wodurch die Wettkämpfe und Spiele ebenfalls ausfallen und die Schülerinnen und Schüler können sich in dieser frei gewordenen Zeit nicht einmal mit Freunden oder Verwandten verabreden. Dies führt zu sehr viel mehr Langeweile und auch teilweise zu Vereinsamung. So äußert sich eine Schülerin aus der neunten Klasse: „Ich habe meine Freunde für ungefähr fünf Monate nicht getroffen und bin dadurch vereinsamt, wodurch ich anfing, viel nachzudenken. Außerdem bewege ich mich so ziemlich gar nicht aus dem Haus, weil so was wie Kino, Restaurant und so weiter geschlossen waren und auch wieder sind. Durch Corona habe ich auch eine Angststörung (das ist eine Unterordnung von Depression) bekommen."
Die Schülerin spricht damit auch noch weitere Aspekte an und zwar, dass neben den Sportvereinen genauso die Gastronomie und Unterhaltungsbranchen kürzertreten mussten und auch weiterhin müssen. Aus diesem Grund haben die meisten Jugendlichen viel mehr freie Zeit, in der sie nicht wissen, was sie tun sollen. Also nerven sie ihre Eltern und Geschwister, wodurch sich das Familienleben sehr anspannen kann und psychische Probleme entstehen.
Die Professorin Dr. Katja Seitz-Stein, die die Inhaberin des Lehrstuhls für Entwicklungs- und pädagogische Psychologie an der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist, hat sich auf die Entwicklung der Selbstkompetenzen bei Kindern spezialisiert. Sie ist der Meinung, dass durch hohe Belastung Alkoholprobleme oder eigene psychische Erkrankungen hinzukommen können, da sich das familiäre System in Krisensituationen verändern kann. Solche Belastungen entstehen, weil die Kinder durch die ausfallenden Hobbys und die Schulschließung viel öfter zu Hause waren und die Eltern auch teilweise finanzielle Probleme lösen müssen. Laut Seitz-Stein kann die vermehrte Freizeit auch dazu führen, dass sich bei älteren Kindern oder Jugendlichen die Bildschirmzeiten deutlich erhöhen und der Schlaf-wach-Rhythmus sich verändert. Es können sich aber auch durch den Stress Gewichtsveränderungen zeigen, weil die Kinder entweder weniger essen, da sie sich so viel Sorgen machen oder sie nehmen zu, weil sie einfach keinen Sport mehr treiben können.
Die Schulschließung hat aber noch viel weitreichendere Folgen, die sie mit sich führt. So meint zum Beispiel Ludger Wößmann, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre und Bildungsökonomie, dass die Schließungen zum einen mit zahlreichen sozialen Kosten verbunden sind, aber zum anderen auch, dass sie teilweise langfristige Auswirkungen haben. Denn die kognitiven und motivationalen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen können sich nicht vollständig entfalten, es hat ebenfalls einen deutlich negativen Effekt auf die Chancengleichheit unter ihnen und es kann außerdem auch langfristig hohe ökonomische Schäden mit sich bringen, da die Kompetenzen, das Wissen und die Fähigkeiten später am Arbeitsmarkt fehlen könnten.
Bei einigen Problemen kommt es aber auch auf die Altersgruppe der Jugendlichen an. Denn zum Beispiel die Älteren bekommen viel mehr mit und so hat es ebenfalls einen Einfluss darauf, wie sie die Politik sehen. Sie machen sich auch große Sorgen um ihre mögliche Zukunft. Bei den Jüngeren ist es jedoch der Fall, dass sie sich ohne den Kontakt zu Gleichaltrigen nicht so entwickeln können, wie sie es eigentlich sollten, da sie nicht alles von den Eltern oder Geschwistern lernen können.
Allerdings gibt es nicht nur Kinder, die immer zu Hause sind, sondern auch welche, die in Heimen oder in so genannten Kinderdörfern leben. In einem SOS Kinderdorf hat sich bei einer Umfrage herausgestellt, dass viele Kinder die Corona-Maßnahmen akzeptieren und sich auch daranhalten. Es leidet aber auch bei ihnen der soziale Kontakt trotz der vielen digitalen Medien, die wir heutzutage zur Verfügung haben, und einige nervt das viele Beisammensein. Wieder andere sagen jedoch, dass sie sich jetzt besser mit ihren Betreuern verstehen und auch die Ruhe im Alltag genießen.

Daran sieht man, dass die aktuelle Situation zwar viele negative Aspekte hat, aber nicht nur. Denn die vermehrte Zeit mit der Familie kann sich auch durchaus positiv auswirken und einige Jugendliche können sich durch die Freizeit auch mal entspannen und den Stress vergessen.

 

 
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