Coronatierchen

Theresa Krüger und Ida Laufs 9b Gymnasium Altenholz 16. November 2020 2 Kommentar(e)
© Theresa Krüger und Ida Laufs© Anna Görg
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Viele Bürger haben sich in der Coronazeit neue Haustiere angeschafft. Ist die Pandemie der ideale Zeitpunkt und sind die Halter sich der langwierigen Mühe, Pflege und Liebe bewusst?
Hierzu sind wir, zwei Schülerinnen der 9. Klasse des Gymnasiums Altenholz, den Tieranschaffungen während der Coronazeit nachgegangen und haben verschiedene Stellen für nähere Informationen kontaktiert. Dabei sind erstaunliche Ergebnisse herausgekommen.

Schüler bestätigen die Vermutung
Hier führten wir auf unserer Schülerplattform eine freiwillige Umfrage durch, an der 330 Mitschüler teilnahmen. 16 % von ihnen gaben an, sich in diesem Jahr ein neues Haustier angeschafft zu haben. Mit so einer großen Zahl hatten wir nicht gerechnet. Die meisten Schüler bekamen Katzen. Es wurden sich aber auch Hunde sowie viele Kleintiere angeschafft. Auf die Frage, ob der Lockdown ausschlaggebend für den Kauf war, antworteten einige mit ja. Andere wiederum erzählten, es traurig zu finden, wenn sich nur ein Haustier angeschafft werde, weil gerade Langeweile herrsche. Außerdem schrieben 12 % der Befragten, dass sie vorhätten, sich in nächster Zeit ein Haustier anzuschaffen.

Mehr neue Haustiere?
Die zuständige Sachbearbeiterin des Steueramtes Dänischenhagen, Alina Darge, konnte bestätigen, dass es in diesem Jahr mehr Hundesteueran- und -abmeldung als im vergangenen Jahr gab. Außerdem schrieb sie: „Allgemein sei gesagt, dass das diesjährige bisherige Aufkommen an Hundesteueranmeldungen und Hundesteuerabmeldungen hoch ist."
Anders äußerte sich Jan Eckert, der zuständigen Sachbearbeiter des Amtes für Finanzwirtschaft der Landeshauptstadt Kiel. Er gab an, dass die Hundesteueranmeldungen in Kiel über das Jahr 2019 im Vergleich zum Jahr 2020 konstant geblieben seien.
Dies hat uns beide sehr überrascht. Wir gehen davon aus, dass das mit den unterschiedlichen Wohnbedingungen auf dem Land und in der Stadt zu tun hat. In einem Haus auf dem Land ist die Tür zum Garten schnell aufgemacht. Der Hund kann sofort eine Runde im großen Garten toben, spielen und rennen. Im Gegensatz dazu ist es deutlich aufwändiger in der Stadt: Erst vom dritten Stock auf die Straße zu kommen, um dann auf den harten Pflastersteinen in der lauten Umgebung eine Runde mit dem Hund zu drehen, ist nicht besonders ansprechend.

In diesem Zusammenhang äußerte sich Frau Dr. Anja Ripken, Tierärztin in Dänischenhagen. Sie würde von ihrem Gefühl her bejahen, dass sich viele Menschen in den letzten Monaten neue Haustiere angeschafft hätten. Unheimlich viele Welpen und kleine Katzen habe sie in ihre Patientenkartei neu aufgenommen. „Eine richtige Patientenflut", ist ihr aufgefallen. „Es werden natürlich immer wieder mal neue Tiere angeschafft, aber ich würde sagen: ja, es ist mehr als sonst", berichtete sie uns in ihrem Patientenzimmer ihrer Tierarztpraxis.
Dazu teilte sie uns mit, dass sie grundsätzlich am meisten Hunde und Katzen in ihrer Praxis betreue. Außerdem kämen auch kleinere Heimtiere zu ihr. Zu denen zählten u.a. Kaninchen und Meerschweinchen. „Aber ich würde sagen, dass während der Quarantänezeit am ehesten Hunde und Katzen angeschafft wurden."

Eine Krise guter Zeitpunkt?
Die Tierärztin erzählte weiter: „Wenn man vorher schon überlegt hat, ob ein Tier etwas für einen ist, ist das natürlich ein idealer Zeitpunk, sich intensiv damit zu beschäftigen und eine Entscheidung zu treffen."
Und zu der Krise:
„(...) Ich denke, man muss das immer mit seinem Umfeld, mit der Arbeit und seinem Lebensstil in Einklang bringen können und auch bereit sein, dies auf sich zu nehmen. Denn Tiere sind immer zeitaufwändig. Diese Zeit muss man erstens haben, man muss sich aber auch im Klaren darüber sein, wie viele Jahre man sich an das Tier bindet und was damit verbunden ist. Zum Beispiel auch kostentechnisch (...)."

Vor der Anschaffung...
„Man muss natürlich im Vorfeld überlegen, welches Tier zu einem passt", gab uns Frau Dr. Ripken mit auf den Weg. Dem konnte auch Frau Lina Bartholdy, eine Mitarbeiterin des Tierheim Uhlenkrogs, zustimmen, mit der wir in einem kurzen Interview über die Coronalage im Tierheim in Kiel sprachen.
Am Telefon konnten wir die aktuelle Stimmung im Tierheim regelrecht spüren. Dort müssen die Mitarbeiter viel Stärke und Durchhaltevermögen auch unabhängig von der Coronazeit aufbringen. Täglich kämen neue Tiere zu ihnen, aber leider müssten viele auf die Warteliste geschrieben werden. „Wir sind hier voll bis unters Dach", sagte Frau Bartholdy.

Auswirkungen im Tierheim
Das Tierheim Uhlenkrog in Kiel hat wenig Corona-Auswirkungen zu spüren bekommen, da die Mitarbeiter sehr vorsichtig mit der Vermittlung ihrer Schützlinge seien.
„Man muss tatsächlich vorher den Hund kennenlernen und kritisch schauen, ob das funktioniert. Dafür haben wir einen ausführlichen Fragebogen entwickelt, damit die Leute sich dann auch wirklich Gedanken machen, ob ein Haustier das Richtige für sie ist", erzählte uns die Mitarbeiterin, Frau Bartholdy.
Mit ihren eigenen Vermittlungen hätte das Tierheim bisher nur gute Erfahrungen gemacht.
Frau Bartholdy gab an, dass es sowohl bei Kleintieren wie z.B. Kaninchen als auch bei Katzen ein paar „Corona-Opfer" gegeben hätte. Die Besitzer seien mit ihren neuen Haustieren überfordert gewesen und hätten sie ins Tierheim gegeben.
Frau Bartholdy selbst sei der Meinung, dass die Zeit im Homeoffice eine gute Zeit für eine Haustiereingewöhnung hätte sein können. Aber wenn diese Zeit zu Ende gehe, bräuchte man jemanden, der tagsüber auf das Haustier aufpasse.
Dem stimmen wir ganz klar zu: Die neuen Besitzer müssen sich ihrer Pflichten (Pflege, Bewegung, Futterbeschaffung, Steuern, Tierarztkosten) gegenüber dem Tier bewusst sein.
Wir hoffen, dass alle diejenigen, die sich in dieser Zeit ein Haustier angeschafft haben, sich viele Gedanken gemacht und keine unüberlegten Entscheidungen getroffen haben!

 

 
2 Kommentar(e)
  1. janna
    19. November 2020

    richtig geile reportage!!!
  2. rosa
    19. November 2020

    süßer Hund!! und tolle Reportage

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