,,Das wahr sehr traurig mit anzusehen "

Jaane Klasen Gymnasium Lütjenburg 20. November 2020 1 Kommentar(e)
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„Das war sehr traurig mit anzusehen und das will ich auch nicht noch einmal erleben.“

 

Bärbel Bruhn erzählt, wie sich die Pandemie auf die Tafel in Lütjenburg ausgewirkt hat.

 

Durch Corona mussten viele Geschäfte schließen und haben große Verluste gemacht. Aber wie sieht es mit Organisationen aus, die nur durch Spenden bestehen bleiben können? Hierzu hat sich Bärbel Bruhn geäußert. Sie arbeitet seit ungefähr zwölf Jahren bei der Lütjenburger Tafel und erzählt was sich durch die Pandemie verändert hat und wie sehr die Tafel und besonders die Tafel Besucher unter dieser leiden.

Hat sich Ihr Arbeitsalltag in der Tafel durch Corona sehr verändert und musste viel umgestellt werden ?

Ja, es hat sich viel verändert. Bei der ersten Corona Welle hatten wir die Tafel geschlossen und das war gar nicht gut. Ganz viele Tafelbesucher waren wirklich in Not, weil sie keinen Zugriff auf Lebensmittel hatten. Ich bin auch ganz oft angesprochen worden, wenn ich sie in der Stadt getroffen habe, dass sie hoffen, dass die Tafel bald wieder öffnen kann. Es war alles nicht so einfach und wir haben auch alles Mögliche probiert . Es haben sogar ein paar Lütjenburger versucht etwas zu organisieren, damit die Tafel wieder öffnen kann, aber nachdem ich mit der Polizei und dem Ordnungsamt gesprochen habe, sahen wir keine Möglichkeit, die Tafel zu öffnen. Wir hätten nämlich auch gar nicht gewusst, wo wir die Ausgabe der Lebensmittel hätten machen können. Und der zweite Punkt war, wir hatten gar keine Ware. Das darf man auch nicht vergessen. Und jetzt ist das so, dass wir seit Längerem wieder geöffnet haben, aber wir können immer nur zwei Leute gleichzeitig reinlassen, natürlich mit Maske und auch mit Sicherheitsabstand, soweit das eben möglich ist. Die Tafel liegt nämlich im Keller und wir haben nicht so viel Platz und auch nicht die Möglichkeiten groß zu lüften, außer dass wir die Tür immer auf lassen.

Sind dann auch weniger Leute zur Tafel erschienen, da sie vielleicht zur Risikogruppe gehören oder sind es eher mehr geworden?

Es sind eigentlich sogar mehr geworden, weniger auf gar keinen Fall. Sie sind alle weiter gekommen. Was ich allerdings dazu sagen muss, ist, dass wir eigentlich immer erst um halb zwei öffnen, aber die Leute stehen dann schon ab halb zehn vor der Tafel. Das ist für die auch irgendwie so eine Art Treffpunkt geworden. Es kommen im Moment ungefähr 40 Leute zur Tafel und da wir leider wenig Platz zur Verfügung haben, ist das sehr schwierig mit den Abständen, da sie selber auch Grüppchen bilden und die Maskenpflicht wird leider auch nicht beachtet . Also wenn sie dann bei uns auf dem Hof sind, bitten wir sie schon darum, ihre Masken zu tragen, aber das ist dann auch nicht ganz so einfach. Wenn sie dann zu uns reinkommen, müssen sie natürlich auch eine Maske tragen. Das geht nicht anders. Aber einige haben eine Bescheinigung vom Arzt, dass sie keine Maske tragen müssen, weshalb das immer etwas kompliziert ist.

 

Wie war das mit den Leuten, die ehrenamtlich bei der Tafel arbeiten, sind bei denen manche nicht mehr gekommen?                                                                                                                                

Nein. Alle sind dabei geblieben. Am Anfang habe ich auch gefragt ob unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einverstanden sind, denn wir mussten für die neue Situation eine Lösung finden. Als die Tafel wieder geöffnet wurde, hatten wir eine Lösung gefunden, mit der alle einverstanden waren.

 

Haben sich aufgrund von Corona auch die Abgaben minimiert?

Unsere Tafel bekommt ja die Ware von Famila, Aldi und Lidl und zurzeit kriegen wir wirklich wenig Ware. Wir haben zwar noch kleine Vorräte, aber die neigen sich jetzt auch dem Ende zu.  

Und wie ist die Stimmung unter den Tafelbesuchern? Hat sich die vielleicht auch verändert, da sie gemerkt haben, dass nicht mehr so viel Ware vorhanden ist?

Nein, das kann ich eigentlich nicht sagen. Die Stimmung ist bei uns immer recht nett und freundlich, muss man sagen. Unsere Kunden bedanken sich jedes Mal dafür, dass wir das machen und auch wenn wir sie auffordern ihre Masken zu tragen, haben sie auch vollstes Verständnis. Man muss sie aber leider immer wieder darauf hinweisen.

Wenn es wieder einen Lockdown geben sollte, was sollte sich ändern, damit die Tafeln den Bedürftigen weiter helfen können?

Ich würde mir wünschen, dass besonders Menschen, denen es ein bisschen besser geht, sich wachrütteln lassen und sagen, wir können und müssen etwas tun und Sachspenden abgeben, damit wir wirklich etwas zum Verteilen haben. Denn das war ganz schlecht und da sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Denn viele geben auch Geldspenden, was auch nicht schlimm ist, aber die Tafel darf vom gespendeten Geld keine Lebensmittel kaufen und die werden am meisten benötigt. Und ansonsten möchte ich die Tafel nicht noch einmal schließen müssen. Das war sehr traurig mit anzusehen und das will ich auch nicht noch einmal erleben.

 
1 Kommentar(e)
  1. Promedia Maassen
    24. November 2020

    Liebe Jaane!
    Danke für deinen Beitrag. Vor allem die Aussagen von Frau Bruhn zur letzten Frage zeigen, wie wir am besten helfen können! Bestimmt wussten bis dato viele nicht, dass eine Geldspende nicht unbedingt die idealste bzw. hilfreichste Spendenform ist.

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