Der Schwarzspecht König der Specht

Ben Lukas Krause u. Lasse Fischer 9b Gymn. Altenholz 20. November 2020
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Ratatatatatatata - Diesen Trommelwirbel eines Spechtes haben vermutlich viele schon einmal im Frühjahr oder Sommer gehört. Der lauteste von ihnen ist natürlich der Schwarzspecht mit seinem gellenden Rufen und Geklopfe. Ein großer schwarzer Vogel mit glänzendem Gefieder und roter Haube, der sich durch die Lüfte eines alten Buchenwaldes schwingt und das Herz jedes Beobachters höher hüpfen lässt, denn er ist ein seltener Anblick geworden.
Wie lange werden wir noch sein Klopfen hören, wie lange noch das scheue Tier bewundern können?

Viel öfter als das Klopfen des Schwarzspechtes erklingt zwischen Oktober und März auch hier in Altenholz das kreischende Geräusch der großen Motorsägen und das Rumpeln der Holzschredder. Aktuell werden dicke Bäume am Rand der Wiese zwischen Klausdorf und Stift gefällt. In nur wenigen Minuten stürzt ein mächtiger Baum zu Boden, weil er angeblich eine Gefährdung darstellt oder womöglich eine neue Straße gebaut werden soll. Dieser Baum brauchte vielleicht hundert oder sogar zweihundert Jahre zum Wachsen und diente nicht nur uns Menschen als Schatten- und Sauerstoffspender, sondern auch dem Schwarzspecht und vielen anderen Tieren als zu Hause.


Ein Haus für jeden
Das majestätisch anmutende schwarze Tier mit rotem Schopf baut nämlich unter den Spechten die größten Höhlen, der Einflug ist etwa so groß wie eine Faust und die Höhle wie zwei Wassermelonen übereinander. Somit bietet diese große Höhle ungefähr 50 anderen atemberaubend schönen, niedlichen oder auch beeindruckenden Tierarten eine heimelige Wohnung.
Dazu gehören auch Großhöhlenbrüterarten wie Hohltaube, Waldkauz, Raufusskauz, Schellente und die Dohle. Weitere Nachmieter sind Stare, Siebenschläfer, Baummarder, Fledermäuse, Hornissen, Wildbienen und ferner der gefährdete, schillernde Große Goldkäfer und der Juchtenkäfer.
Manchmal kommt es sogar vor, dass eine einzige Großhöhle einem Schwarzspecht als Schlafhöhle dient, zugleich ein Hohltaubenpärchen brütet und über dessen Köpfen es sich Fledermäuse gemütlich machen.
Diese extrem wichtigen Höhlen sind zum Teil sogar bis zu 30 Jahre nutzbar. Somit übernimmt der Schwarzspecht eine wichtige Schlüsselrolle zur Biodiversität im Ökosystem Wald. Die Anwesenheit des Schwarzspechts oder seiner „Nachmieter" kann also als Zeichen einer gesunden Natur und Waldstruktur gedeutet werden.

Nahrungserwerb
Nahrungsbiotope sind ausgedehnte, aber aufgelockerte Nadel- und Mischwälder mit einem hohen Angebot an Ameisen und anderen holzbewohnenden Insekten. Diese Leckerlies werden dann mit wildem Geklopfe, bei dem die Fetzen nur so fliegen, vom Specht freigelegt. Dann muss der Rotschopf sie nur noch mit seiner mit winzig kleinen Wiederhaken besetzten Zunge aufspießen. Ein Schwarzspechtpaar verfüttert seinem Nachwuchs bis zu 180.000 Insekten und Larven! Und weil diese auch Schädlinge vertilgen, schützen Schwarzspechte dank ihres großen Appetits die Bäume vor Insektenbefall und halten sie, wie unser Immunsystem uns, gesund.
Schwarzspechte sind zudem extrem schlau. Es passierte einmal, dass ein junger Schwarzspecht gegen eine Fensterscheibe flog. Er kam in eine Aufzuchtstation, bei der er für drei ganze Tage gehegt und gepflegt wurde. Als er wieder in seiner Heimat ausgesetzt wurde, rief er seine Eltern. Und siehe da, seine Eltern kamen kurze Zeit später angesegelt und nahmen ihn wieder mit in ihre Familie auf.

Was können wir nun dafür tun, dass dieses herrliche Tier überleben kann?
Auch hierüber habe ich mit dem Vogelliebhaber Berthold gesprochen. Doch die Antwort stimmt einen leider eher traurig: Um dem Schwarzspecht zu helfen, sollten die Umtriebszeiten der Bäume in der Forstwirtschaft deutlich erhöht werden. Zudem sollten, soweit es möglich ist, bekannte sowie potenzielle Höhlenbäume stehen gelassen werden und eine Altholzfläche mit 2-5 ha um solche geschaffen werden. Die Umtriebszeit dieser Flächen sollte mindestens 200 Jahre betragen.
Leider ist es jedem einzelnen von uns kaum möglich, diesem Specht zu helfen, denn er ist kein Kulturfolger und nimmt kaum Nistkästen an. Die einzige Möglichkeit wäre laut Berthold ein „massiver Rückgang des Menschen" oder ihr Rückzug aus großen Teilen der Natur. Dafür ist es jetzt aber schon fast zu spät.

Der Schwarzspecht hat nämlich gefährliche Feinde
Ein natürlicher Feind des Schwarzspechts ist der Habicht. So kennt er jede einzelne Schwarzspechthöhle in seinem Revier. Steckt einer der kleinen süßen Jungspechte seinen Kopf zu lange aus der Kinderstube oder nimmt er gerade seine ersten Flugstunden, kann es vorkommen, dass der Habicht zuschlägt. Weitere Feinde sind Sperber, Waschbär (der vom Menschen eingeführt wurde), Baummarder.
Der allerschlimmste Feind ist allerdings der Mensch.Er zerstört mit lärmenden und stinkenden Maschinen den Wald und bringt durch den Klimawandel die Bäume zum Absterben. So entstehen immer weniger Höhlen und die Bedingungen verschlechtern sich jede Sekunde. Manchmal kommen auch versehentliche Fällungen potenzieller oder geschützter Höhlenbäume vor, was nicht nur den Schwarzspecht schädigt, sondern viel mehr seinen mehr oder weniger bedrohten Nachmietern schadet.
Außerdem birgt die intensive Forstwirtschaft ein weiteres großes Problem für den Schwarzspecht: Die Naturverjüngung. Dadurch entstehen viele kleine und junge Bäumchen, die die erfolgreiche Flucht des Schwarzspechts vor Prädatoren wie dem Habicht stark behindern. Normalerweise würde der Schwarzspecht sich fallen lassen und bodennah im rasend schnellen Zick-Zack-Flug (bis zu 60km/h) zwischen den großen Stämmen davon sausen. Doch genau das verhindern die Jungbäume. Wenn ihm die Lage nicht mehr zusagt, verlässt er also solche Wälder, in denen es eigentlich geeignete Wohnungen gäbe.

Der Schwarzspecht selber gilt in Deutschland momentan als nicht gefährdet. Das ist jedoch nach Meinung vieler Wissenschaftler eine völlige Fehleinschätzung. „ Der Schwarzspecht hat keine Zukunft", sagte Peter Berthold traurig. „Er wird höchstwahrscheinlich die nächsten 30-50 Jahre nicht überleben. Dies geschieht wegen des menschenverursachten Klimawandels. Auch all seine Nachnutzer haben kaum eine Chance des Überlebens."
Sie werden vermutlich alle zeitnah aussterben!

Der Apell an uns: Kümmert Euch lieber jetzt um die Kohlmeise, die auch in 50 Jahren stark dezimierte Bestände haben wird. Aber für sie gibt es noch Hoffnung, für den Schwarzspecht kaum!!!

Nachwort:
Erst wenn der letzte Baum gefällt ist, der letzte Schwarzspecht gestorben und die letzte Biene verschwunden ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann (frei nach der Weissagung der Cree).

 
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