Die Überraschungseier aus dem Ausland

Marie Barthen, Gymnasium Lütjenburg, WPU Medienpraxis 20. November 2020
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Alle paar Minuten fällt der Blick in die Straßenecken der rumänischen Hauptstadt. Verlockend für viele der Touristen: Ein rascher Einkauf in den Supermarkt und anschließend kleine Vierbeiner beglücken. Für viele Hunde gehört das zum Alltag.

Der Weg auf die Straße folgt durch das Aussetzen der Hunde mit dem Hintergrund, dass Hundebesitzer zu wenig Geld, Zeit und Aufwand in das Tier investieren wollen. Dadurch, dass sich wenige die Mühe gemacht haben, die Hunde zu kastrieren, vermehren sich die Tiere unkontrolliert schnell. Deshalb bringen Hündinnen in der Regel mehrmals Nachwuchs auf die Welt. Daher werden in den europäischen Ländern, wie Spanien, Rumänien, Griechenland und Co. sogenannte „Säuberungsaktionen" veranstaltet – Hundefänger der Kommunen transportieren die Hunde auf brutaler Art und Weise in Tötungsstationen, wo sie oftmals ohne jegliches Futter sowie Wasser, während einer Aufbewahrungsfrist sind, bis sie getötet werden.

Der Grund hierfür ist, dass die Anzahl der Hunde zu groß ist und zu viele Kosten für Tierheime anfallen würden. Eine weitere Ursache ist, dass sich aufgrund der vielen Existenz der Hunde in den Staaten nur wenige sich einen Hund anschaffen möchten und die Einwohner kaum einen Wert in ihnen sehen.

Auch wenn in Rumänien offiziell seit Ende Juni 2014 keine Hunde mehr getötet werden dürfen, geschieht das dennoch weiterhin an vielen Ecken des Landes: Auf der einen Seite verdursten und verhungern viele, auf der anderen Seite werden sie auf brutale Wege hingerichtet. Für uns ist so ein Hundeschicksal unbekannt und das Leben der Hunde auf der Straße ist schwer vorstellbar.

Man kann von verschiedenen Arten der Streuner unterscheiden. Wie erwähnt gibt es die, die im städtischen Umfeld leben und sich hauptsächlich von Essensresten, z.B aus Mülltonnen, ernähren. Viele wissen genau, wie sie dazu Touristen herumkriegen können: Sie sind so schlau, dass sie die Touristen mit Humpeln, Winseln, Jaulen usw. beeinflussen können, sodass sie einen elendigen Eindruck hinterlassen.

Eine andere Art lebt auf ländlicher Gegend. Diese Hunde ernähren sich durch die Jagd und können sich selbstständig versorgen. Sie sind kaum zähmbar, da sie daran gewöhnt sind, alleine und ohne Menschen zu leben.

Dann unterscheidet man die Hunde, die erst später ausgesetzt wurden. Diese Hunde haben bereits Erfahrungen mit Menschen gemacht: gute oder auch schlechte. Daher haben sie schon ein höheres Verständnis der Menschensprache.

Viele Tierschutzorganisationen in Europa, versuchen den Vierbeinern die Chance auf ein zuhause zu ermöglichen und starten sogenannte Tierschutz-Projekte. Ein Beispiel dafür ist das Volunteer-Projekt in Rumänien. Dort kann man, gemeinsam mit anderen Freiwilligen, die Bewohner Rumäniens über den Wert des Hundes und über das Recht auf das Tierlebens aufklären.

Ein weiteres Projekt zeigt Kastrations- sowie Bildungsprogramme. Es werden jedes jahr tausende Tiere kastriert, registriert und medizinisch versorgt. Außerdem bieten viele Tierschutzorganisationen die Möglichkeit, auch online für die Tiere zu spenden.

Auch nach Deutschland werden mittels der Organisationen jährlich viele Hunde in eine neue Familie vermittelt. Doch diese Entscheidung darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Motivation: „Der Hund hat von jetzt auf ein schönes Leben und ist von seinem schrecklichen Leben befreit!" tritt nicht gerade zu selten auf. Die Besitzer wollen nur Gutes für das Tierchen, dennoch ist der Gedankenansatz vom Prinzip her falsch. Von seinen Lebensumständen ist er zwar befreit, das Leben in der neuen Familie erfordert jedoch von Hund und Besitzer viel Training, Aufwand, Zeit und Hundeverständnis.

Oft kommt es zu Schwierigkeiten zwischen Hund und Besitzer, sodass der Hund im Extremfall wieder abgegeben werden muss. Man kann sich folgende Situation ausmalen: Man lebe auf ländlicher Gegend in Deutschland zwischen den Bergen, ist dort aufgewachsen, gut integriert und spricht fließend Deutsch. Am nächsten Tag wacht man plötzlich im 30. Stock eines Hochhauses in Japan auf. Man versteht weder die Familie, bei der man wohnt, noch weiß, ob die Menschen dort Gutes wollen und vertrauenswürdig sind. Man weiß nicht, was mit einem geschieht und wie der nächste Tag aussehen würde – Man versteht nicht ihre Sprache.

Aus diesem Grund zeigt sich ein Straßenhund in den ersten Wochen sehr zurückhaltend und unauffällig. Daher muss man sich darauf einstellen, viel Zeit in Training zu investieren: Stubenreinheit, an der Leine laufen, Mitfahren in Bahn oder Auto, deutsche Innenstädte sind beispielsweise typische Alltagssituationen, die der Hund nicht kennt. Ebenso wenig wie Alltägliches in der Wohnung: Staubsauger, Töpfeklappern, Fernsehkrimi. Die Umgangsweise der Vierbeiner ist immer unterschiedlich, da jeder individuell ist in seiner Verhaltensweise, weshalb man Vertrauen und Verständnis aufbauen sollte und sein Wesen kennenlernen muss. Die Hunde können bereits schlechte Erfahrungen und Traumata aus der Vorzeit mitbringen. Beispielsweise könnten sie auf unangenehme Geräusche verängstigt oder sogar aggressiv reagieren. Man kann vorher nicht wissen, welches Wesen bei einem einziehen wird - man adoptiert eben ein kleines Überraschungsei!

 
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