Die gerechte Aufteilung von Glück

Bente Morgenstern 12b (RBZ am Königsweg) 14. November 2020
© Ein Bild von Ria Sopala auf Pixabay
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Welch Glückspilz ich bin! Es scheint, als wäre ich zurzeit der Einzige auf der gesamten Erde. Meine Kinder und ich, welch Glück doch ausnahmsweise nur wir haben. Uns wird ein gesundes Leben und meinen Kindern eine Zukunft geschenkt. Eine gute Gesundheit ist schließlich auch laut Mensch die wichtigste Grundlage im Leben. Dies erklärte Mathias Schreiber, ein schlauer Mensch! Wenn unsere Grundlagen doch so gleich sind, wieso werden meine Kinder und ich der Menschheit so unterworfen? Wieso werden wir mit ihren Fußabdrücken so beschmutzt? Wie groß ist wohl ihr ökologischer Fußabdruck und wie groß ist meiner?


Corona ist kein Feind, sondern unser Freund. Es bildet eine Blase um die Menschheit und schließt sie ein. Wie Gefangene ohne Entkommen. Dadurch können meine Kinder endlich eine gesunde Kindheit erleben! Sie werden nicht mehr krank, sondern können ohne Einfluss von diesen menschlichen, unglaublich schädlichen Fußabdrücken lernen und wachsen. Es ist wie Wellness! Wellness führt uns in eine entspannte und gesunde Oase. Auch diese Erkenntnis entstammt Mathias Schreiber. Wir sind so tiefenentspannt, dass unser Glück bis hinunter in den Mariannengraben reicht. Die Gänsehaut auf meinem Körper, die erfüllende Wärme und die ruhige Freundlichkeit. Ich dachte immer, dass die Menschheit das gleiche Ziel für ihre Kinder hat wie ich, doch scheinbar wirkt Corona bei ihnen so wie Kohlenstoffdioxid bei uns. Wie können wir uns einigen?


Die Menschheit redet dauernd von Corona-Gewinnern und -Verlierern. Die einen haben Glück durch die Pandemie, die anderen einfach Pech. Dabei achten sie nicht ein einziges Mal auf mich. Ich bin der größte Corona-Gewinner auf der gesamten Erde und sie beachten mich nicht einmal! Ihre egoistische Wirtschaft, ihr egoistisches Leben, welches sie nur leben können, weil ich es ihnen schenke und sie beachten mich nicht einmal! Welches Verständnis von Dankbarkeit empfinden diese Aliens! Ich, Mutter Natur, ich schenke Ihnen Leben, Nahrungsmittel, ein zu Hause. Als Dank dafür verpesten und vergasen sie uns, so, wie sie es sogar mit ihres Gleichen tun. Diese Spezies ist keine Familie, so wie wir es sind, sondern Feinde gleicher Art. Unmenschlich, nicht wahr?


Laut Theodor Fontane ist glücklich machen das höchste Glück. Die Menschheit ist an diesem Punkt gescheitert. Doch für mich gibt es Hoffnung. Hoffnung, die mich in eine bessere Zukunft eintauchen lässt. Hoffnung, in der die Menschheit sich wendet und Hoffnung, die Glück in mein Leben integriert. Ich sehne mich so sehr danach. Es ist wie ein harmonisches Klingen in meinen Ohren. Ich sehe Freude in meinen Augen, rieche den bezaubernden Duft in meiner Nase und spüre den freundlichen Wind auf meinem Körper. Ich höre meine Kinder herzlich lachen. Der Traum einer jeden Mutter geht in Erfüllung.


Tja, nur leider fällt mir dies nicht einfach so in die Arme, denn Glück ist eigentlich nichts anderes als Zufall. Hat sich die Menschheit Corona gewünscht? Habe ich mir Kohlenstoffdioxid gewünscht? Diese Gifte waren völlig ungeplant, aber sie müssen doch irgendwoher kommen. Das Glück kramt in unserem Gedächtnis und holt Abteile zum Vorschein, die wir sonst nie ausgesprochen hätten. Wer wünscht anderen schon Krankheit? Das wäre ja krank. Trotzdem verzichtet der Mensch auf die Nachsichtigkeit mit uns. Aus einem einzigen Grund: Egoismus. Glück ist vollkommen, da wir es ausschließlich zu eigenen Zwecken wählen. Laut Aristoteles wollen wir durch unser Glück nicht anderen schaden. Welch ein Widerspruch zur Wirklichkeit! Sagte ich gerade nicht, dass entweder nur Mensch oder nur Natur mit Glück besänftigt wird, aber niemals beide gleichzeitig? Dann erreichen wir mit unserem persönlichen Glück ja doch einen darüber hinausliegenden Zweck. Wir wählen also nicht das Glück, sondern das Glück wählt zufällig uns. Das ist gerechte Aufteilung!


Gott hat versagt. Die Menschheit sollte über uns herrschen und uns hüten, doch stattdessen verwehrt sie uns eine gesunde Zukunft, die wir hätten haben können. Wieso hat er den Menschen als Egoisten erschaffen? Er hat etwas geschaffen, was er selbst nicht unter Kontrolle hat. Etwas, was mächtiger ist als er selbst. Er hätte etwas schaffen müssen, was in Harmonie mit uns zusammen leben kann! Wie sollen wir Glück erlangen, wenn wir ständig versuchen, uns gegenseitig zu übertrumpfen? Irgendwann wird es noch einen harten Crash geben, welchen unsere Beziehung zueinander an einen Tiefpunkt bringt, welchen wir beide nicht erwartet hätten. Den Weltuntergang.

 
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