Die kleinen Dinge im Leben

Anastasia Aliferenko 12b (RBZ am Königsweg) 12. November 2020
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An einem sonnigen Oktobernachmittag entschied ich mich spazieren zu gehen. Die Tage darauf sollte es laut Wetterbericht anfangen zu regnen und kühler werden. Also dachte ich mir, nutze ich die letzten Strahlen der Sonne aus, welche mich beim Spaziergang auf der Haut begleiten. Sie geben eine solche Wärme ab, dass man kaum glauben kann, dass es schon bald Winter ist. Wie schnell die Zeit doch mal wieder an einem vorbeihuscht. Auf dem Weg sehe ich eine freie Sitzbank und lasse mich auf ihr nieder. Vor mir ein kleiner See und dahinter ein Feld, welches sich endlos über die Landschaft erstreckt. Erst am weit entfernten Horizont kann ich die von grün zu gelb-orange verfärbten Blätter der Bäume erkennen.

So schön, wie die Sonne auf mich in diesem Moment scheint, habe ich mich lange nicht gefühlt. Dann fällt mir traurigerweise wieder auf, dass morgen Montag ist. Innerlich zerreißt es etwas den Moment und ich genieße den Moment nicht mehr, sondern vertiefe mich in den Gedanken, was mich die nächsten Tage nun alles erwarten wird.

Der Alltag fängt erneut an, was genauso viel bedeutet wie täglicher Stress. Es fängt schon früh beim erfolgreich gescheitertem Aufwachen an, wenn man  bemerkt, dass man schon wieder verschlafen hat. Dann geht es rüber zum erzwungenen Aufstehen und dem So-schnell-wie-möglich-fertig-machen. Hier und da packt man noch schnell was ein. Sei es das Brot für die Pause oder ein Heft, welches man zuvor auf den Tisch gelegt hatte, um es nicht zu vergessen. Wäre fast gescheitert. So schwingt man sich auf das Rad und einem fällt auf, dass man das Heft mit der erledigten Hausaufgabe zu heute dann doch vergessen hat. Mist – was soll ich bloß dem Lehrer sagen? Vielleicht mach ich es noch schnell in der Pause? Ach, egal, wird schon schiefgehen. In der Schule angekommen setzt man sich verzweifelt an den Tisch und kämpft sich wie irgendwie müde durch den Tag.

Ob man das als ein freudiges Leben bezeichnen kann? Eigentlich sollte ich mich glücklich schätzen, denke ich mir für mein gutes Gewissen. Nicht jeder hat die Möglichkeit wie ich, sich weiter zu bilden und auf eine Schule zu gehen. Doch - denke ich - ich schätze mich glücklich. Was würde ich bloß ohne Bildung machen, ohne meine Freunde in der Schule?

Und so kam ich zu der Frage, was mich eigentlich glücklich macht? Hat nicht jeder ein anderes Glücksempfinden? Worüber bin ich wirklich glücklich? Zunächst kommt mir meine Familie in den Sinn, meine Gesundheit, die ich auf jedenfall zu schätzen weiß, dann meine Freunde und meine Hobbys. War es das schon? Oder gibt es noch viel mehr? Ich versuche, in diesem alltäglichen Stress auch in den kleinen Dingen etwas zu finden, was mich glücklich macht. Vielleicht sollte ich ja doch nicht so negativ gegenüber meinem Alltag sein. Zum ersten macht es mich glücklich, neue Dinge zu lernen. Außerdem bin ich glücklich, dass ich so einiges täglich miterleben darf. Aber das, was mich am meisten prägt, ist glücklich darüber zu sein, zu existieren. Was, wenn ich nicht da wäre? Dann würde ich womöglich nicht über das, was mich glücklich macht, nachdenken, sondern könnte gar nicht wissen, was ich schätzen kann und wofür ich dankbar bin.

„Glücklich machen ist das höchste Glück", wie Theodor Fontane (1819 - 1898) einst sagte. Doch ... mach ich mich selbst glücklich? Oder lasse ich das Glück auf mich herunterprasseln? Tue ich etwas dafür? Ich weiß nicht so recht denn.. ich gehe einfach durch meinen Alltag und weiß zwar Momente und bestimmte Menschen zu schätzen, aber ich glaub, das war es auch schon. Laut Sigmund Freud jedoch strebt der Mensch ja eigentlich nach Glück. Ob es nun die Verdrängung vom Fühlen bestimmten Schmerzes oder andersherum das Fühlen von stärkeren Gefühlen ist, sei dahingestellt, aber glücklich sein wollen wir alle irgendwie.

Was ist, wenn man auf dem Weg des Strebens nach Glück scheitert und nicht richtig weiß, wohin? Viele versuchen ja auch das fehlende Glück zu kompensieren, indem man in Lotterien oder Spielhallen sein Glück versucht. Aber ist das der richtige Weg? Ich kann dies nicht wirklich nachvollziehen, wieso Menschen Spielhallen mit Glück in Verbindung bringen. Für mich ist es eher eine Art Sucht. Klar, es ist nicht verkehrt, sein Glück woanders zu versuchen doch kann es auch schnell krankhaft werden.

Und plötzlich merke ich, wie Gedanken versunken ich schon wieder war, und finde mich auf der Sitzbank wieder, während die warme Herbstsonne auf mich prallt und sich vor mir ein kleiner See mit dem endlosen Feld befindet. Das Feld erinnert mich irgendwie an das Glück. Es ist so nah und doch so fern. In dem Moment aber verspüre ich so ein Glück, wie noch nie. Ich bin plötzlich dankbar und glücklich für alles was ich habe. Diesen Moment werd ich wohl lange nicht vergessen.

 
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