Diese verflixte Abhängigkeit

Emmi Bahlburg,12b, RBZ am Königsweg 16. November 2020
© Pixabay© Pixabay
Du möchtest diesen Beitrag bewerten? Dann kannst du hier bis zu drei Sterne vergeben.

Ein nasser, verregneter Sommertag. Ich stehe an der Bushaltestelle und blicke in die Tiefe der untergehenden Sonne. Ein brummendes Auto fährt an mir vorbei und zieht eine stinkende Rauchwolke hinter sich her. Ich senke meinen Blick auf die Pfütze, die sich vor mir gebildet hat und schaue direkt in mein Spiegelbild. Es sieht irgendwie traurig aus. In meinen Gedanken gefangen, bemerke ich nicht, dass sich ein schnelles, grünes Auto nähert. Ehe ich reagieren kann, bin ich auch schon von oben bis unten klitschnass. Danke. Vielen Dank für nichts! Schon längst aus meinen Gedanken gerissen, vibriert auch schon mein Handy in meiner Hosentasche. Ich nehme es heraus. Triefend und getränkt in Wasser. Na toll. Ich tippe auf die Nachricht meiner Freundin und möchte antworten, doch dann geht es plötzlich aus. Mein erster Gedanke: Shit, ist es etwa kaputt?
Ich laufe schnell nach Hause, um es noch zu retten. Aber stopp mal. Wieso zur Hölle bin ich so abhängig von diesem blöden Ding? Kann ich nicht froh sein, wenn ich mich endlich mal auf mich konzentrieren kann und nicht ständig vor dem Bildschirm klebe? Seitdem ich es mir letzte Woche gekauft habe, zeichne ich nicht mehr, ich unterhalte mich nicht mehr mit meiner Schwester, sondern chatte nur noch mit ihr, ich gehe nicht mehr mit Freunden raus, mit meinem Hund bin ich auch nicht mehr draußen gewesen und das Schlimmste ist, dass ich nicht einmal dieses blöde Buch gelesen habe, welches ich für die Schule fertig lesen sollte. Blöööd, bin erst auf Seite 12 und das Buch hat 176 Seiten. Eigentlich echt traurig.

Naja. Was soll ich machen?


Zu Hause angekommen setze ich mich an meinen Laptop und google erst einmal, was man machen kann, wenn das Handy wohlmöglich einen Wasserschaden hat. Es ist schon irgendwie faszinierend, wieviel Google eigentlich weiß. Wäre bloß schön, wenn ich auch so viel in meinem Köpfchen hätte. Doof gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Auf die Schule wirkt sich mein ständiges Handygedaddel am meisten aus. Kam letztens schon wieder mit einer 5 nach Hause. Meine Mutter war alles andere, als begeistert.
Google versprach mir, dass ich mein Handy in Reis legen soll, da dieser angeblich das Wasser aus meinem Handy ziehen soll. Ich laufe also in die Küche, suche und finde auch anschließend den Reis und lege mein Handy darein. Von der Seite bekomme ich nur komische Blicke meiner Mutter zugeworfen. Genervt von allem laufe ich wieder hoch und setze mich vor meinen noch angeschalteten Laptop, um meiner Freundin zu schreiben, dass es heute nichts mehr wird, da mein Handy kaputt ist. Als Antwort kam nur ein genervtes „OK".
Nur zwei Stunden von der Welt abgeschottet und schon bekomme ich den neusten Tratsch nicht mehr mit. Was meine Freunde wohl jetzt denken? Dass ich uncool bin und nicht mehr mit ihnen mitreden kann? Scheiße.
Aber jetzt mal ernsthaft. Wieso zum Henker kümmert es mich, was die anderen denken? Das Internet ist doch eh fake und jeder präsentiert sich so, wie er gerne sein würde und nicht so, wie er eigentlich ist. Und all das nur, damit man mit den Anderen mitreden kann und nicht als Außenseiter dar steht. Wie bescheuert.
Ich klappe meinen Laptop zu, gehe nach unten zu meiner Familie und frage, ob sie Lust auf einen Spieleabend haben. Solche Erinnerungen sind viel schöner, als stundenlang vor dem Handy oder Laptop zu sitzen. Zeit mit der Familie ist sowieso das Schönste, was es gibt.
Ich habe mir fest vorgenommen, mein Handy nur noch eingeschränkt zu benutzen, damit sich meine Noten auch wieder verbessern, hoffentlich klappt das.

 
Dieser Eintrag hat bisher keine Kommentare

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert