Drogenhilfe, aber ohne erhobenen Zeigefinger

Lasse Mook,Lasse Kache und Leander Schreiber, Gym-ahz 19. November 2020
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Kiel. Laut Drogen- und Suchtbericht 2019 haben rund die Hälfte aller 18-25-Jährigen schon einmal illegale Drogen konsumiert und viele weisen einen problematischen Konsum auf. Einrichtungen wie die „Drogenhilfe Kiel“ sollen diesen Menschen helfen. Dort können sich Konsument*innen von illegalen Drogen und deren Angehörige beraten lassen. Sina Dietze, ein Mitarbeiterin der Einrichtung, arbeitet schon lange als Drogenberaterin in verschiedenen Einrichtungen. „Für uns ist es schon ein großer Erfolg wenn die Klient*innen nach dem ersten Gespräch wiederkommen, das unterscheidet uns von einer Reha oder einer Entgiftung“. In der „Drogenhilfe Kiel“ wird akzeptierende Drogenhilfe praktiziert. Das heißt, dass es keine Vorbedingungen gibt und das Ziel wird durch die Klient*innen selbst bestimmt. Es muss nicht Abstinenz sein, viele Klient*innen wollen auch  einfach nur ihren Konsum reduzieren. „Wir beraten aber auch in finanziellen Sachen und versuchen den Klienten*innen zu helfen ihr Leben zu organisieren “ Auch junge Menschen kommen hier, meist in Begleitung ihrer Eltern, zur Beratung vorbei. Viele jungen Leute nehmen das abhängig machende Schmerzmedikament Tilidin, das durch den Rapper Capital Bra eine gewisse Bekanntheit erlangte. Daraufhin kam der Missbrauch der Droge bei 15-16-Jährigen in Mode. „Vor 5 Jahren kam hier nie jemand vorbei, der von Tilidin geredet hat. Erst in den letzten Jahren wurde es richtig populär unter den Jugendlichen.“ Die meisten Menschen kommen zur Drogenhilfe mit einer Heroin- oder Kokainsucht. „Das richtig gefährliche bei dem Konsum sind die Streckmittel wie zum Beispiel Rattengift, der Reinheitsgrad bei Heroin von der Straße liegt bei meist unter 8%. Die Konsumenten können aber nie wirklich sagen wie hoch der Reinheitsgrad ist und überdosieren sich schnell.“ Die meisten Klient*innen erfahren über die „Drogenhilfe Kiel“ durch Freunde und Bekannte, die sie weiterempfehlen. Viele kommen auch nur um sich saubere Spritzen oder Sniefer-Röhrchen zu besorgen, die es hier umsonst gibt. Saubere Spritzen und Sniefer-Röhrchen sind hygienischer und schützen vor Schadstoffen und Krankheiten. Hepatitis C ist die  am meisten verbreitete Krankheit die man sich übers Spritze oder Röhrchen teilen einfangen kann. „Die Straße ist natürlich kein hygienischer  Konsumort, aber die Drogensucht geht auch oft mit einer Obdachlosigkeit einher.“

Es ist sehr wichtig, dass es solche Einrichtungen gibt, da Drogen in der Gesellschaft sind und wahrscheinlich immer sein werden. Meist können die Konsumenten selbst wenig für ihre Abhängigkeit. Ein Großteil der Konsument*innen haben psychische Probleme, wurden in der Schulzeit gemobbt, leiden unter Stress und Leistungsdruck oder ihre Eltern haben schon konsumiert. Diese Menschen haben eine helfende Hand verdient und dürfen nicht von der Gesellschaft ignoriert werden.

 

 
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