Ein Tag am Trail

Jannis Kroll, Jakob Horbach, Gym Ahz 9d 18. November 2020
© Jakob Horbach - Fritz Remuß bei einem "seat grab"
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Ein Einblick in die Bikerszene von Dänischenhagen

Als wir um 11 Uhr morgens am Bike Trail in Dänischenhagen ankommen testen schon seit einer Stunde drei Biker den erst gestern fertiggestellten Sprung. Es ist Samstag Ende Oktober, der Himmel ist stark bewölkt und die Strecke ist matschig. Ein bisschen windig ist es auch, die Biker jedoch können ohne Einschränkungen springen. Das ist nicht immer so, denn die Strecke liegt neben einem Feld auf einer dem Wind ausgesetzten Fläche. Deshalb hat es oft mit Glück zu tun, ob die Strecke befahrbar ist oder nicht.

Der Sprung, den die drei Jugendlichen heute springen, nennt man „step up": eine Rampe mit beindruckend steilem Absprung und größerer Landung. Wir erfahren, dass der Sprung insgesamt zehn Stunden Bauzeit in Anspruch genommen hat. Zusätzlich musste dieser zwei Tage härten, da er komplett aus Erde gebaut ist. Wir haben einen recht ruhigen Tag erwischt. „Normalerweise sind insgesamt 10 bis 20 Leute am Wochenende auf der Strecke" erzählt uns Fritz Remuß. Fritz begleitet uns heute am Trail. Er ist schon seit drei Jahren in der Bikerszene und hat sich schon immer eine Strecke in Dänischenhagen gewünscht. Er erzählt uns, dass das Thema nicht allzu neu ist, denn schon 2007 gab es den ersten Antrag für eine Mountainbike-Strecke in Dänischenhagen. Das Thema kam in diesem Jahr neu auf, nachdem während des Corona-Lockdowns etwa fünf Jugendliche mit dem Bau der neuen Strecke begonnen hatten. „Nach etwa zwei Monaten bin ich auf die Strecke aufmerksam geworden", berichtet Fritz. Inzwischen ist er fast täglich dort. Nicht nur zum Springen sondern als einer der aktivsten Organisatoren.

Während wir mit Fritz sprechen, kommen zwei Passanten vorbei, die ihre Begeisterung für das jugendliche Engagement ausdrücken. Sie zeigen sich etwas besorgt und hoffen, dass die Jungen sich bei diesen gefährlich aussehenden Sprüngen nicht verletzen. Sie sind nicht die einzigen, die an diesem Tag kurz stehen bleiben und sich über die sinnvolle Freizeitbeschäftigung der Jugendlichen freuen. Viel negative Kritik haben die Jugendlichen von Passanten noch nicht erfahren – der größte Teil der Gemeinde steht hinter ihnen. Das zeigen auch die 900 Unterschriften, die sie an nur einem Wochenende gesammelt haben, um den Mountainbike-Trail am Feldrand zu erhalten. Nach dem kurzen Interview widmen wir uns wieder den Bikern. Mittlerweile ist der neue Sprung eingefahren. Nun werden die ersten Tricks gesprungen, darunter der sogenannte „seat grab" (siehe Bild oben). In der Luft löst man eine Hand vom Lenker und greift an den Sattel. Nicht immer landen die Biker perfekt, aber verletzen tut sich heute keiner. Trotzdem sieht das Ganze nicht ungefährlich aus, wie auch mehrere andere Passanten bestätigen. „Das sieht ja lebensgefährlich aus!" sagen zwei Spaziergänger, die kurz stehen geblieben waren. „Natürlich geht nicht immer alles gut aus." sagt Christoph Eltner, ein Anwohner, welcher in der Nähe der Strecke wohnt. „Mein Sohn fährt auch Mountainbike und hat sich letztens die Schulter angeknackst." Aber so etwas passiert, bestätigt Fritz. Das gehört dazu. Dass alle Aktiven hier einen Helm tragen, ist Ehrensache.

Am Nachmittag kommen noch zwei weitere Fahrer. Sie sind mit Schaufeln ausgerüstet, denn sie haben vor, ein neues Modul in die Strecke einzubauen. In der Mitte der Strecke sollen drei „Push-Wellen" ergänzt werden. Push-Wellen sind kleine Hügel aus Erde, mit denen Geschwindigkeit aufgebaut wird. Fertiggestellt wurden diese heute aber noch nicht, das sollte noch einen weiteren Tag dauern. Kurz darauf treffen auch einige jüngere Kinder an der Strecke ein. „Bis 17 ist alles dabei" erzählt Fritz. Mit seinen 15 Jahren gehört er schon zu den Älteren. Die meisten seien jünger und wurden erst vor Kurzem durch die Älteren inspiriert.

Langsam wird es ruhiger am Trail. Einige Unermüdliche nutzen noch die letzten Sonnenstrahlen. Um 17 Uhr ist es schließlich dunkel und auch die letzten Fahrer machen sich auf den Heimweg. Fritz erklärt uns noch: „Heute war eher wenig los." Im Sommer sind oft bis zu 15 Leute gleichzeitig hier. Auch dann bleiben sie bis zum Einbruch der Dunkelheit, die im Juni erst gegen 22 Uhr das bunte Treiben beendet. Zuletzt verabschiedet sich auch Fritz und macht sich auf den Heimweg.

 

 
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