Engel ohne Flügel oder Mädchen für alles?

Henrike Heß Gymnasium Lütjenburg Klasse 10c 19. November 2020
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Engel ohne Flügel oder Mädchen für alles?
Traumberuf Kinderkrankenschwester
Ein Interview zum Thema Traumberufe von heute.
Von Henrike Heß

Ein Interview mit Melanie (47), ehemals Kinderkrankenschwester im katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg Rahlstedt

Wollten Sie von Anfang an Kinderkrankenschwester werden?
Melanie: Wollte ich tatsächlich. Schon zu Kindergartenzeiten. Es gab für mich immer nur den Berufswunsch der Kinderkrankenschwester. Da gab es zwischendurch auch keine anderen Ideenperspektiven. Ich habe mein erstes Praktikum in einer Kinderklinik in Hamburg Duvenstedt absolviert. Es hat mir super gut gefallen und mich darin bestärkt, auf jeden Fall den Beruf der Kinderkrankenschwester zu erlernen.

Es genau hat Sie bestärkt? Warum gerade der Job Kinderkrankenschwester?
Melanie: Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht den ganzen Tag in einem Büro hinter einem PC sitzen möchte. Ich wollte in Bewegung sein und in jedem Fall Kontakt zu Menschen haben. Das war eigentlich sehr ausschlaggebend. Außerdem sollte mein Job abwechslungsreich sein!
Für Medizin habe ich mich auch schon relativ früh interessiert. Und nach dem Praktikum war mir klar, dass es der Beruf der Kinderkrankenschwester werden sollte.

Was sind die konkreten Aufgaben einer Kinderkrankenschwester?
Melanie: Es ist ein wirklich abwechslungsreicher Beruf. Man hat jeden Tag mit Kindern verschiedener Altersklassen zu tun vom Säugling über Kleinkind, Vorschulkind bis hin zum Jugendlichen. Man hat Kontakt zu den Eltern, führt häufig Gespräche mit ihnen und bezieht sie in die Pflege mit ein.
Praktisch gesehen begleite ich den Alltag der Kinder im Krankenhaus von der Grundpflege über Visite bis zur Dokumentation. Ich bringe Kinder in den OP, überwache sie postoperativ, wechsel Verbände, assistiere bei Blutentnahmen, begleite Kinder zum Röntgen, Sonographie und Ultraschall...
Desweiteren hat man später noch Schwestern-Schüler und Schülerinnen, die angeleitet werden müssen. Es macht mir sehr viel Spaß, so auch mein Wissen weitergeben zu können.
Welche Einsatzbereiche gibt es für all diese Aufgaben im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift?
Das Krankenhaus bietet viele verschiedene Einsatzbereiche, zum Beispiel in der Pädiatrie (Anmerkung Redaktion: „Lehre von der Kinderheilkunde") oder in der Kinderchirurgie, speziell: Gesichtschirurgie und Handchirurgie.
Es gibt eine Abteilung für: Neonatologie, Kinderneurologie, Kinderintensivmedizin Kinderorologie, Radiologie, desweiteren eine Abteilung für Schwerbrandverletzte (dafür gibt es drei Betten), es gibt die Dermatologie, Kinder HNO Abteilung, eine Tagesklinik
(Ambulante) und auch eine Diabetesambulanz. Zum Schluss noch die Kinder und Jugend Psychiatrie.

Muss man sich für die verschiedenen Bereiche spezialisieren?
Melanie: Es gibt Fortbildungen zur Fachkrankenschwester, vor allem in den Bereichen Anästhesie und Intensivepflege. Desweiteren kann man sich fortbilden zur Fachkraft in der Onkologie sowie in der Psychiatrie. Man kann auch als OP-Schwester in den OP gehen. Dies fordert auch eine zusätzliche Fachausbildung.
Es gibt noch Möglichkeiten zur Weiterbildung: zur Fachwirtin oder zum Fachwirt oder zur Betriebswirtin oder zum Betriebswirt.
Nach der Schwestern-Ausbildung kann man auch ein gesundheitswissenschaftliches Studium mit Bachelor- oder Masterabschluss absolvieren. Zusätzlich kann man sich weiterbilden, um nachher die Stationsleitung zu übernehmen. Das habe ich zum Beispiel die letzten Jahre gemacht. Leider verliert man dadurch ein bisschen den Kontakt zu den Patienten.

Wie waren Ihre Arbeitszeiten auf Station? Könnten Sie noch mal konkret beschreiben, was alles zu tun ist?
Melanie: Grundsätzlich gibt es ein Dreischichtensystem. Es fängt mit dem Frühdienst an. Dieser beginnt um 6 Uhr und endet um 14:30 Uhr.
Am Anfang des Dienstes gibt es immer generell eine Übergabe von dem vorherigen Dienst, damit der nächste über den Zustand der jeweiligen Patienten informiert ist. Dann startet man mit der Grundpflege der Kinder. Dazu gehört das Baden oder Waschen ggf. auch Wickeln oder zur Toilette bringen. Vitalzeichen werden kontrolliert wie Puls, Blutdruck und Temperatur. Dann folgt das Frühstück, das von den Küchenhelfern oder Pflegerinnen in die Zimmer der Kinder gebracht wird. Je nach Krankheitsbild muss man assistieren: Säuglingen das Fläschchen geben, kleinere Kinder füttern, manche bekommen die Nahrung sondiert. Dann geht es weiter mit der Verabreichung der Medikamente: Man stellt die Medikamente bereit oder zieht die Medikamente auf, die als Kurzinfusion gegeben werden, man bereitet Materialien für diverse Blutuntersuchungen vor, assistierst dem Arzt oder der Ärztin bei Blutabnahmen, Punktion oder weiteren Untersuchungen.
Der Spätdienst beginnt um 13 Uhr und endet um 21 Uhr. Der Ablauf des Dienstes ist im Grunde derselbe wie im Frühdienst: Katheter müssen gewechselt werden, man führt zwischendurch auch Gespräche mit den Eltern. Genauso wie in den anderen Diensten ist es ganz wichtig, alles genau zu dokumentieren.
Über den ganzen Tag verteilt leitet man parallel Schüler und Schülerinnen an. Meistens sind es 3-4 Schüler pro Station. Sie begleiten die Schwestern den ganzen Tag. Man ist dann in der Figur des Mentors und versucht sein ganzes Wissen weiterzugeben.
Am Abend kümmert sich der Spätdienst um das Abendbrot und bringt die Kinder zu Bett.
Der Nachtdienst ist der letzte Dienst und beginnt um 21 Uhr. Nachts ist man oft nur zu zweit auf der Station. Man kann sich die Arbeit so einteilen, wie man es mag. Der ganze Stress des Tages ist im Nachtdienst nicht mehr da. Zwischendurch kommen natürlich auch Notfälle rein, aber grundsätzlich ist es nachts ruhiger als am Tag. Der Nachtdienst endet damit, den nächsten Dienst über die Patienten zu unterrichten. Um 6 Uhr geht es dann wieder mit dem Frühdienst weiter.

Wenn Sie nochmal wählen dürften, würde es wieder der Beruf der Kinderkrankenschwester werden?
Melanie: Ich würde den Beruf jeder Zeit wieder wählen, weil er nach wie vor mein Traumjob ist. Der Job macht einfach super viel Spaß. Man bekommt so viel positives Feedback von den Kindern und auch von den Eltern. Natürlich hat der Beruf auch seine Schattenseiten. Was mir im Laufe der Jahre irgendwann nicht mehr so gut gefallen hat, ist das Schichtsystem. Teilweise habe ich 5-7 Nachtdienste am Stück gemacht. Nach so einer Woche Nachtschicht war man dann auch echt kaputt und fertig. Man hat danach zwar 5-7 Tage frei gehabt, aber diese freien Tage hat man auch wirklich gebraucht, um wieder in den normalen Tagesrhythmus reinzukommen. Es ist ganz klar ein „Knochenjob". Trotzdem habe ich meine Entscheidung, eine Kinderkrankenschwester zu werden, nie bereut!

Interview Henrike Heß

(Anmerkung der Autorin/ Quelle: Wikipedia)
Die heutzutage in Deutschland gesetzlich korrekte Bezeichnung des Berufes
,,Kinderkrankenschwester" lautet seit 2003 Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin.
Im Interview wird die alte Bezeichnung benutzt, da Melanie vor dem Jahr 2003 ihre Ausbildung gemacht hat.

 
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