Entwicklung der Kieler Straßenbahnen

Lina Sophie Nissen, 12b (RBZ am Könisweg) 13. November 2020 1 Kommentar(e)
© Horst Lüdicke
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Die Kieler Straßenbahn wurde am 9. Juli 1881 als sogenannte Pferdebahn eröffnet und hatte bis zum Jahre 1892 eine Streckenlänge von rund 7,2 Kilometern erreicht. Der Pferdebahnbetrieb blieb bis zum 23. Mai 1896 bestehen und wurde dann durch eine elektrisch betriebene Straßenbahn ersetzt. Die erste Linie fuhr von diesem Zeitpunkt an vom damaligen Hauptbahnhof über die Holtenauer Straße bis zum Belvedere in Kiel- Wik. Im selben Jahr wurden noch zwei weitere Linien eröffnet. Im Jahr 1908 wurden Liniennummern eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt gab es 5 Linien. Diese wurden durch den verstärkten Ausbau des Streckennetzes bis 1910 auf 10 Linien erweitert. Das Stre-ckennetz wuchs bereits bis zur Jahrhundertwende auf circa 15 Kilometer Länge an. Der Ausbau des Streckennetzes setzte sich bis zum Beginn des 1. Weltkriegs fort, sodass am 1. April 1915 ein 36,5 Kilometer umfassendes Streckennetz im Betrieb war. Das Stre-ckennetz war mittlerweile zweigleisig und wurde von 122 Treibwagen und 29 Beiwagen befahren. In den neunzehnhundertzwanziger und neunzehnhundertdreißiger Jahren kam die Kieler Straßenbahn nicht aus den Schlagzeilen. Grund hierfür war, dass diese Jahrzehnte durch Streiks, Streckenveränderungen und den Zusammenschluss der neuen Dampfer-Companie zur Kieler Verkehrs-AG (KVAG) geprägt waren. Die KVAG vereinte von nun an die Straßenbahn, die Buslinien und die Fördeschifffahrt als ein Ver-kehrsunternehmen miteinander. Um den neuen Stadtteil Elmschenhagen an das Kieler Verkehrsnetz anzubinden, wurden von 1942 an statt neuen Straßenbahnlinien Oberlei-tungsbusse eingesetzt. Oberleitungsbusse wurden bis zum 27. Januar 1964 eingesetzt und wurden von diesem Zeitpunkt an durch Dieselbusse ersetzt. Mit Ende des zweiten Weltkriegs kam der Nahverkehr in Kiel zum Stillstand. Erst im Jahre 1949 war der Nahverkehr wieder auf Vorkriegsniveau hergestellt. Den Anfang vom Ende der Kieler Straßenbahn nahm die am 21. Juli 1977 in der Kieler Ratsversammlung getroffene Ent-scheidung - gemäß Empfehlung des Generalverkehrsplans - die Straßenbahn im Jahr 1985 durch Busse zu ersetzen. Betreiber der Straßenbahn war anfangs die Allgemeine Lokalbahn- und Kraftwerke AG (ALOKA) und ab dem Jahr 1942 bis zu ihrer Einstellung am 4. Mai 1985 die Kieler Verkehrs-AG (KVAG).

Warum wurde der Betrieb von Straßenbahnen in Kiel eingestellt?

Am Anfang der neunzehnhundertsechziger Jahre galt die Straßenbahn in Kiel als zu-kunftssicher und die Stadt hatte einen leistungsfähigen und modernen Verkehrsbetrieb vorzuweisen. Auch die Ausbildungsplätze waren bei der KVAG damals sehr gefragt. In den sechziger Jahren ging die Straßenbahnentwicklung weiter dem absehbaren Ende entgegen. So wurden von Mitte bis Ende der neunzehnhundertsechziger Jahre drei von vier Straßenbahnlinien eingestellt. Die wesentlichen Entscheidungen gegen die Straßen-bahn fielen im April 1965 mit der Einstellung des Linienbetriebs der Linie 3. Darauf folgte im Februar 1967 die Einstellung der Linie 1. Im September 1969 wurde die Linie 2 abgeschafft. Von nun an war noch die Linie 4 im Betrieb. Sie verband bis zu ihrer Einstellung 1985 das Ost- und Westufer der Fördestadt und führte von Wellingdorf, Ellerbek, Gaarden über den Hauptbahnhof in die Holtenauer Straße. Die endgültige Ent-scheidung über die Abschaffung der Kieler Straßenbahn fiel am 21. Juli 1977 in der Kieler Ratsversammlung. Der Beschluss des Stadtrats im Zusammenhang mit einem zu erstellenden neuen Generalverkehrsplan beinhaltete die vollständige Umstellung des Öffentlichen Personennahverkehrs in Kiel auf einen Busbetrieb. Aufgrund des ökono-misch problematischen Mischung zwischen einer Straßenbahn und dem wachsenden Busnetz blieb die Straßenbahn den Kielern noch acht Jahre nach dem Einstellungsbe-schluss erhalten. Der Abschaffungsprozess dauert somit insgesamt 16 Jahre an. Der letzte Tag der Straßenbahnlinie 4 brachte noch einmal einen Fahrgastrekord. Am 4. Mai 1985 wurden 60.000 Fahrgäste gezählt. Zum Vergleich: In einer ganzen Woche wurden auf der Linie 4 normalerweise 100.000 Fahrgäste befördert. Fazit der Kieler Nachrichten am Tag nach der Einstellung der Kieler Straßenbahn: Wären immer so viele Menschen mit der Straßenbahn gefahren, hätte sie nicht eingestellt werden müssen.

Vor- und Nachteile der Wiedereinführung einer Straßenbahn

Die Wiedereinführung einer Straßenbahn hat laut den Medien eine Reihe von Vorteilen. Bei den Fahrgästen wird die Straßenbahn wieder beliebter. Grund hierfür ist vor allem der sogenannte „Schienenbonus". Strecken, die von Buslinien wieder auf Straßenbah-nen umgestellt wurden, verzeichnen oft einen Fahrgastzuwachs von 50 bis 100 Prozent. Das Gefühl einer größeren Akzeptanz bei den Fahrgästen wird unter anderem unter-stellt, weil die Schienen auf der Straße zusehen sind und damit eine höhere Zuverlässig-keit und Pünktlichkeit gegeben ist. Durch ihre Vorfahrtsberechtigung und das eigene Gleisbett kommen die Straßenbahnen pünktlicher und schneller an ihr Ziel. Hinzu kommt, dass selbst 18 Meter lange Doppelgelenkbusse maximal einhundert Fahrgäste befördern können. Normale Busse können bedeutend weniger Personen transportieren. Straßenbahnen hingegen können zweihundert bis sechshundert Fahrgäste befördern. Im Vergleich kann eine Straßenbahn somit täglich durchschnittlich bis zu dreißigtausend Personen befördern. Ein Bus hingegen kann nur zwischen achttausend und fünfzehntau-send Fahrgästen transportieren. Laut Verkehrsexperten ersetzt eine Straßenbahn mit zweihundert Fahrgästen den Einsatz von 2 Gelenkbussen und circa einhundertfünfzig PKW´s. Ein weiterer Vorteil von Straßenbahnen ist, dass durch die Gebundenheit an Schienen eine typische Laufruhe vorhanden ist und somit ein hoher Fahrkomfort ge-währleistet ist, anders als bei Bussen. Bei Straßenbahnen, die an der Oberfläche verkeh-ren, müssen in der Regel keine Treppen überwunden werden. Dadurch wird vor allem Rollstuhlfahrern, älteren Leuten, Fahrgästen mit Kinderwagen, Fahrrädern oder Gepäck, der Einstieg erleichtert. Die Anschaffungskosten für eine Straßenbahn sind, im Ver-gleich zu Bussen, wesentlich höher. Die Lebensdauer von Bussen beträgt in der Regel acht bis zwölf Jahre. Im Vergleich kann eine Straßenbahn dreißig bis fünfzig Jahre ein-gesetzt werden. Bezüglich der Umweltfreundlichkeit von Straßenbahnen im Vergleich zu Bussen wird festgestellt, dass die Feinstaubemissionen bei der Straßenbahn nur un-wesentlich geringer sind als bei Bussen. Konkret hängt dies vom verwendeten Strom-mix und den verwendeten Fahrzeugen, dem Beschaffungsintervall und der Auslastung der Fahrzeuge ab.

 
1 Kommentar(e)
  1. Milan
    19. November 2020

    sehr schade, dass sie weg sind!

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