FESH - Entlastung durch Laster

Jette Bachmann, Anouk Drutjons 19. November 2020
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                                    FESH – Entlastung durch Laster

Hat die Idee eines deutschlandweiten e-Highway-Systems eine Chance?

Weltweit arbeiten Forscher, Politiker und viele andere Menschen daran, den Klimawandel aufzuhalten. Dafür müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 gegenüber 1990 um 80% gesenkt werden. Besonders im Verkehrssektor besteht wegen der steigenden Transportleistung Handlungsbedarf. Eine mögliche Maßnahme um die Treibhausgasemissionen im Straßengüterverkehr zu senken, ist der e-Highway. Das Prinzip des e-Highways basiert auf einer mit Masten gestützten, zweipoligen Oberleitung und Oberleitungs-LKW. Diese O-LKW haben Stromabnehmer, mit denen sie Energie von der Oberleitung abzapfen. Sie speichern außerdem einen Teil ab, sodass sie nach der Strecke batteriebetrieben weiterfahren können. Die bereitgestellte Energie wird regenerativ, hauptsächlich durch Windkraftanlagen und Solaranlagen, gewonnen.

Um die Tauglichkeit des e-Highway zu testen, wurde das Projekt FESH (Feldversuch e-Highway Schleswig-Holstein) auf die Beine gestellt. Hierzu wurde auf der A1 zwischen Lübeck und Reinfeld eine Teststrecke aufgebaut. Es gibt noch zwei weitere Teststrecken in Hessen und Baden-Württemberg. Die Standorte dieser Strecken wurden nach Befahr und Anschlussfähigkeit bewertet und ausgewählt.  Anhand der Beobachtungen von FESH und auf den anderen Strecken soll festgestellt werden, ob die O-LKW zukünftig das Basisnetz für die Dekarbonisierung (die Reduzierung der Treibhausgasemissionen) des Straßengüterverkehrs bilden können oder immerhin erheblich dazu beitragen. Projektleiter Michael Brand ist zuversichtlich: „Aufgrund der Tatsache, dass ein Großteil des Güterverkehrs auf der Straße stattfindet, bin ich davon überzeugt, dass die Elektrifizierung im LKW-bezogenem Schwerlastverkehr dazu beitragen kann, die Emissionen in diesem Sektor zu senken.“ 

Experten nehmen an, dass langfristig ca. 3.800 Kilometer des deutschen Autobahnnetztes ausgebaut werden. Dadurch könnten ungefähr 50% der Fahrleistung im schweren Güterverkehr von O-LKW übernommen werden. Der elektrische Fahranteil wird dabei auf 78% geschätzt. Optimisten gehen davon aus, dass das bis 2030 erreicht sein kann. Andere Experten nehmen aber einen längeren Zeitraum an (bis ca. 2050). Die optimistische Einschätzung sieht vor, dass die Pilotphase in ungefähr fünf Jahren abgeschlossen wird, also im Jahr 2025. In dieser Phase wird das Konzept des e-Highways ausprobiert und verfeinert, es wird ein Wirtschaftssystem für die O-LKW erarbeitet und der weitere Streckenausbau wird geplant. Die zweite Phase ist die Übergangsphase, in der weitere Strecken ausgebaut werden, sodass ein Netz aus elektrifizierten Straßen entsteht. In der letzten Phase, der Konsolidierungsphase, wird dieses Netz stabilisiert, noch weiter ausgebaut und optimiert. Leider ist nicht gewiss, ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, denn durch mögliche Probleme könnte das FESH-Projekt ganze Jahre verlieren. Momentan ist die größte Hürde die noch große Unbekanntheit der O-LKW und die dadurch fehlende politische Unterstützung. Negative Umwelteinflüsse gibt es kaum, so Michael Brand: „Bisher konnten wir keine negativen Einflüsse durch Umweltfaktoren auf das System feststellen. Starker Wind (Böen) kann das Kettenwerk aus seiner Ruhelage bringen, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bei entsprechender Luftfeuchtigkeit ggf. zu Eisbehang am Fahrdraht. Beide Phänomene sind noch nicht aufgetreten oder konnten noch nicht nachgewiesen werden.“  

 

Trotz Schwierigkeiten und Verschiebungen kommt das FESH-Projekt voran. Und wie heißt es so schön? Aller Anfang ist schwer. Es stellt aber einen guten Lösungsansatz dar und letztendlich ist die Vision eines deutschlandweiten e-Highway-Systems umsetzbar und könnte sich in naher Zukunft erfüllen. 

                                                     

 
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