Französischer Lehrer enthauptet, Europa trauert

Mathea Iversen, Gym Lütjenburg, WPU Medienpraxis 20. November 2020
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An einem Freitag, dem 16. Oktober 2020, enthauptet der 18-jährige Abdoullakh A., tschetschenischer Herkunft, den Geschichtslehrer Samuel Paty in Conflans-Sainte-Honorine. Abdoullakh A. wurde kurze Zeit später im nahe gelegenen Éragny von der Polizei aufgegriffen und erschossen.


Wie kam es zu der Tat?
Der genannte ,,Grund für den Mord" war, dass der Lehrer Samuel Paty im Geschichtsunterricht mit seinen Schülern über den Wert der Meinungs- und Religionsfreiheit sprach. In diesem Zusammenhang soll er den Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 thematisiert und Mohammed-Karikaturen gezeigt haben. Er wollte unterrichten, dass man so etwas aushalten muss, weil Meinungsfreiheit, einschließlich der Freiheit der Religionslästerung, ein Grundwert der französischen Demokratie sei. Seit dem Anschlag werden die Lehrer vom französischen Schulministerium mit Nachdruck angehalten, diese Werte im Unterricht zu behandeln. 

Vor dem Mord wurde im Netz gegen den Lehrer gehetzt, Laut "Euronews" schrieb der Vater einer Schülerin in einer Mail an die Schulleitung, es gäbe Islamophobie an der Schule. Da die Schulleitung jedoch nicht antwortete, ging der Vater den Lehrer auf YouTube direkt an. Unterstützung erhielt er durch Abdelhakim, einen radikal islamistischen Prediger. Ein zweites Video folgte. In einer seiner Videobotschaften nennt der Mann die genaue Anschrift des Gymnasiums, den Namen Samuel Patys und ruft, verklausuliert und doch unmissverständlich, dazu auf, den Lehrer bestrafen. Kurz darauf schrieb der spätere Attentäter den Vater an, dass er mehr über den Lehrer wissen wolle. Der Tageszeitung "Le Monde" zufolge hatte sich der Terrorverdächtige daraufhin vor der Schule gegen Zahlung von Geld bei Schülern über den Lehrer erkundigt, worauf es daraufhin zur Bluttat kam.

Der Täter Abdoullakh A. kam mit sechs Jahren ursprünglich von Tschetschenien als Flüchtling nach Frankreich und wohnte zuletzt in Evreux, rund 90 Kilometer von der Schule in Conflans-Sainte-Honorine entfernt.


Zurzeit laufen in Frankreich massenweise Polizeieinsätze gegen radikale Islamisten. Rund 80 Beschwerden gegen die Verbreitung von Hass im Internet werden aktuell bearbeitet. Darunter sind auch Meldungen im Internet, die die Handlung von Abdoullakh A. verherrlichen.

Der Tod des Pädagogen Paty bewegt ganz Frankreich, welches seit Jahren vom islamistischen Terrorismus erschüttert wird. Zehntausende Menschen waren am auf die Tat folgenden Wochenende unter dem Motto "Je suis Samuel" oder "Je suis Prof" ("Ich bin Lehrer") auf die Straße gegangen, um für Meinungsfreiheit einzutreten.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron rief bei einer Gedenkfeier für den Lehrer zur Verteidigung der Freiheit auf. Die Tatsache, dass ein Lehrer getötet wurde, weil er seinen Schülern Meinungsfreiheit lehrte, sei ein Angriff auf alle, die die Werte der Republik vertreten und verteidigen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach der grausamen Tat.

Auch deutsche Schulen wurden am 2. November von der Kultusministerkonferenz zu einer Schweigeminute aufgerufen. Dazu sagte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU): "Wir möchten damit unser Mitgefühl ausdrücken und uns solidarisch zeigen im Kampf gegen Terror und Extremismus". Mit der Schweigeminute "setzen wir zugleich ein Zeichen der Solidarität mit Lehrkräften in aller Welt, die im Unterricht und darüber hinaus für Toleranz und eine offene Gesellschaft einstehen und diskriminierendes Verhalten entschieden in die Schranken weisen". 

 

 
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