,,Ich fühle mich einsam und verlassen"

Nisa Nur Torba 18. November 2020 1 Kommentar(e)
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Für Senioren in Pflegeheimen war der Anfang der Corona-Krise eine harte Zeit, da sie fatale Folgen hatte. Durch die strikte Isolation drohten starke Vereinsamung, Depressionen, Schizophrenie, verstärkte Demenz oder gar Suizidgedanken. Diese Folgen führten oft zu Appetitverlust und konnten tödlich enden.
Positive Emotionen, Zärtlichkeit und das Gefühl gebraucht und geliebt zu werden, fielen weg. Die Pflegeheime waren oft sogar ohne Coronafälle im Ausnahmezustand.

Ehemalige Pflegehelferin Mine T. Berichtet: ,,Pflegehelfer müssen selbst bei leichten Erkältungen zu Hause bleiben, um sicher zugehen, dass sie die Senioren nicht anstecken, da die Symptome einer Erkältung und einer Coronaerkrankung oftmals sehr ähnlich sind" Dies führte mithin zum Mangel an Mitarbeitern und hatte zur Folge, dass unter anderem viele Bewohner nicht mobilisiert werden konnten und viele Freizeitangebote ausfielen. Auch das gemeinsame Essen im Speisesaal , welches zur Unterhaltung diente und für ein wenig Abwechslung in dem tristen Tagesablauf sorgte, fiel auf unbestimmte Zeit weg, da die Bewohner aufgrund der anhaltenden Ausnahmesituation die meiste Zeit in ihren Zimmern verbringen mussten.

Pflegehelferin Hülya Y. erzählt, dass die Bewohner nun jedoch zur Quarantäne verpflichtet seien. Der Besuch von Familienangehörigen und Freunden sei zum Schutz der Bewohner untersagt worden. ,, Die einzigen Bezugspersonen waren nur noch das Pflegepersonal und die Ärzte, wobei auch hier wohl kaum ein persönliches Verhältnis, aufgrund der herrschenden Maskenpflicht, aufgebaut werden konnte", klagte Hülya Y.
Dies führte zur Vereinsamung, welche schwere Folgen wie zum Beispiel Depressionen oder Appetitlosigkeit hatte. Das strenge Besuchsverbot sollte verhindern, dass weitere Coronafälle entstehen, da die Wahrscheinlichkeit, dass Senioren aufgrund von Vorerkrankungen und ihres hohen Alters an Covid-19 erkranken, viel höher ist als bei gesunden Menschen.


Ferner führte das Besuchsverbot dazu, dass die ein oder andere Entlastung des Pflegepersonals durch die Unterstützung der Angehörigen wegfiel. Sie übernahmen mehrmals die Arbeit der Pflegehelfer, indem sie zum Beispiel die Bewohner anzogen, ihnen Essen anreichten oder auch zu Bett brachten. Das ohnehin dürftig besetzte Personal wurde nun mit dem Besuchsverbot noch mehr geschwächt. Das Resultat der mangelnden Besetzung sind gestresste und überforderte Mitarbeiter, was sich auch auf die Bewohner auswirkte. Die Bewohner fühlten eine angespannte Atmosphäre, welche sie noch depressiver machte. Viele Pflegebedürftige beschwerten sich darüber, dass sie sich einsam und verlassen fühlten.


Teilweise treffen diese Maßnahmen immer noch zu, mit dem erleichternden Unterschied, dass die Bewohner Angehörige ersten Grades mit Terminvereinbarung sehen können, unter der Voraussetzung, dass die Bewohner und die Angehörigen während des Treffens einen Mund- Nasenschutz tragen. In Räumlichkeiten wiederum ist eine durchsichtige Trennwand notwendig. Viele hoffen, dass diese Maßnahmen bald ein Ende nehmen.

 

 
1 Kommentar(e)
  1. Promedia Maassen
    24. November 2020

    Von Corona sind wir alle auf unterschiedliche Weise betroffen, aber wir denken auch, dass besonders Menschen in Pflegeheimen sehr unter der Isolation bzw. dem Besuchsverbot leiden. Leider haben diese ja oftmals auch keine Smartphones oder Tablets, um dann zumindest virtuell mit ihren Verwandten in Kontakt zu treten. Aber vielleicht könnte man Brieffreundschaften starten. Was meint ihr?

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