"Ich habe mehrere Monate niemanden berührt"

Kristoffer Arnoldi 12b RBZ am Königsweg 14. November 2020
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Krätze: (K)ein Grund zur Sorge? Ein Betroffener berichtet über die psychischen Belastungen von Krätze.

Allein das Wort Krätze löst bei vielen Menschen Ekel aus. In Redewendungen kriegen wir sprichwörtlich die Krätze oder wünschen sie jemanden an den Hals.

Krätze, auch medizinisch Skabies genannt, ist eine durch Krätzmilben hervorgerufene Erkrankung und gehört zu den parasitären Hauterkrankungen.

Bei einem Begrüßungskuss oder einer kurzen Umarmung gibt es kein Risiko Milben auf andere Personen zu übertragen, beim Sex allerdings schon. Das Kondom mag gegen sexuell übertragbare Krankheiten helfen, nicht aber gegen die Übertragung von Milben. Und: Krätze kann für Menschen auch zu einer psychsichen Belastung werden. Es gibt Personen, die sich für die Krankheit Krätze schämen.

Der 21-jährige Jan B. aus Kiel, der unerkannt bleiben möchte, schildert: "Ich habe mich geschämt und über mehrere Monate mein soziales Umfeld gemieden. Es war für mich sehr schwer, meine Freunde darüber zu informieren, denn die Krankheit machte sich bei mir erst nach zwei bis drei Wochen mit einem quälendem Juckreis am Handgelenk bemerkbar, aber ansteckend war sie schon vorher. Ich bekam Schuldgefühle, dass ich jemanden angesteckt haben könnte. Auch als ich wieder gesund war, habe ich mich schwer getan, mit meiner Freundin zu schlafen, geschweige denn, mich überhaupt mit anderen zu verabreden."

Jan B. hält kurz inne und erzählt weiter: "Ich habe immer noch Angst davor, dass die Krankheit nicht ausgeheilt ist und ich andere noch infizieren könnte. Soblad mich wieder etwas juckt, frage ich mich, ob das wieder die Krätze sein könnte. Das größte Problem aber ist, dass niemand über die Krätze offen redet. So wurde ich oft gemieden, angeekelt angeschaut oder ausgelacht, obwohl es etwas ist, wofür man sich nicht schämen sollte. Das alles ging nicht spurlos an mir vorbei. Ich war kurz davor ein Putzfimmel zu entwickeln, zum Glück habe ich die Kurve gekriegt und meine Phobie ablegen können."

Jan B. ist kein Einzelfall. Für viele Betroffene ist die Ansteckung psychsich belastend und sie haben Angst, die Krätze nicht loszuwerden. Aus einer behandelbaren Krankheit wird ein vermeintliches Stigma. Häufig flammt die Erkrankung immer wieder auf und wird so für die Betroffenen zum ständigen Begleiter. Es kann zum Pin-Pong-Effekt kommen, da keine Immunität gegen Krätze entwickelt werden kann.

Krätze kann grundsätzlich jeden erwischen und lässt sich mit entsprechenden Medikamenten gut behandeln. Schlussendlich gilt,  Krätze ist kein medizinischer Notfall, aber man sollte sich im Verdachtsfall den medizinischen Fachkräften zu erkennen geben, um weitere Infektionen zu vermeiden.

Für den Einzelnen besteht bei einer Skabies-Erkrankung keine Meldepflicht beim Gesundheitsamt. Treten jedoch in Gemeinschaftseinrichtungen, wie z.B. Altenheimen, Flüchtlingsunterkünften oder Schulen, Krätze-Fälle auf, muss nach dem Infektionsschutzgesetz das Gesundheitsamt infomiert werden. "Zum Glück, blieb mir diese Schlagzeile erspart", so Jan B., "mein Abitur hatte ich bereits in der Tasche".

 

 
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