Lehrerberuf – Noch immer ein Traumberuf?

Justus Heinath 19. November 2020
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Lehrer an einem Gymnasium in Schleswig-Holsten. Was macht den Beruf aus? Wie beliebt ist der Beruf? Hat sich der Schulalltag geändert? Ein kurzer Ausflug zurück in die Schule – aber aus Lehrersicht.

Wer es aktuell als Lehrer an ein Gymnasium in Schleswig-Holstein geschafft hat, hat 10 Semester Regelstudienzeit – 6 Semester Bachelor und 4 Semester Master – und 18 Monate Vorbereitungsdienst erfolgreich hinter sich gebracht. Dazu kommen noch das pädagogische und fachdidaktisches Praktikum und ein Praxissemester. Als Fachlehrer ist man spezialisiert auf zwei bis drei Fächer und unterrichtet im Schnitt etwa 8 verschiedene Klassen.

Der Beruf des Lehrers ist immer mit bestimmten Vorstellungen verbunden. Für manche ist es die Erinnerung an die eigene Schulzeit, welche einen Antrieb bietet, für andere ist es der allgemeine Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Jörn Branthner lehrt am Wellingdorfer Gymnasium Geografie und Englisch. In einem Interview sprach er über seine Erfahrungen als Lehrer.

Heinath: Herr Brandtner, warum sind Sie Lehrer geworden?

Brandtner: Mich haben grundsätzlich die Fächer interessiert und es macht mir großen Spaß mit Schülern umzugehen.

Heinath: Was motiviert Sie jeden Tag aufs neue Ihre Schüler zu unterrichten?

Brandtner: Das Unterrichten an sich ist eine schöne Erfahrung. Insbesondere dann, wenn ich merke, dass ich die Schüler für den Unterrichtsstoff interessieren kann und ein richtiger Flow entsteht. Dann macht es richtig Spaß Lehrer zu sein. Manchmal trifft mich aber auch die Interessenlosigkeit von Seiten der Schüler, aber damit habe ich gelernt umzugehen und es nicht persönlich zu nehmen. Ich weiß selbst, das wir alle gute und schlechte Tage haben.

Heinath: Herr Brandtner, entspricht die Realität als Lehrer der Vorstellung, mit der Sie sich damals für diesen Beruf entschieden?

Brandtner: Die Bedingungen haben sich schon verändert. Als ich 1996 anfing war es noch anders.

Heinath: Das klingt ein wenig desillusioniert. Was würden Sie ändern?

Brandtner: Mir liegt am Herzen, das meine Schüler lernen, eigenverantwortlich arbeiten und sich selbst zum lernen motivieren können. Dies versuche ich zu fördern. Auch bin ich dafür, dass Fehlverhalten seine Konsequenzen findet. Weiterhin würde ich mehr Sportunterricht und kleinere Klassen sinnvoll finden. Ferner kann auch so mancher Lehrplan einmal ausgemistet werden.

Heinath: Herr Brandtner, für mich sieht es so aus, als würden Sie Ihren Beruf noch immer gern ausüben. Verraten Sie mir zum Abschluss noch Ihre schönsten Momente als Lehrer?

Brandtner: Da sind zunächst einmal die Momente, in denen ich merke, dass meine Schüler den Unterrichtsstoff verstehen. Das erkenne ich an guten Fragen. Und natürlich ist es etwas ganz besonderes, wenn ich Schüler über Jahre begleitet habe und sich diese nach dem Abitur für all den Schweiß und die Tränen der gemeinsamen Zeit dankbar zeigen. Das ist etwas ganz besonderes.

Der Beruf des Lehrers erscheint nach wie vor als Berufung. Junge Menschen, die sich bewusst für diesen Weg entscheiden, haben offenbar ein ganz bestimmtes Bild vor dem inneren Auge. Nicht erst seit Rühmanns Feuerzangenbowle (Die Feuerzangenbowle 1944) ist dieses Bild der Schule, in der ausgelassene Jugend lebendig ist, untrennbar mit dem Berufsbild des Lehrers verknüpft. Und ja – gelingt es einem Lehrer in all dem täglichen Einerlei einen Zugang zu seinen Schülern zu finden, welcher von gegenseitiger Achtung und Vertrauen getragen ist, kann dies der Schlüssel für gefühlte ewige Jugend sein.

 
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