Selbstzerstörerische Suche nach dem Glückserlebnis

Sarah-Marie 12b RBZ am Königsweg 16. November 2020 1 Kommentar(e)
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Es ist Frühling. Ich gehe durch die frisch gestrichene, leere Wohnung bis zum Balkon. Ich mache die Tür auf und ein warmer, blühender Duft kommt mir entgegen. Ich setze einen Fuß auf den Boden des Balkons und spüre, wie angewärmt dieser durch die Sonne ist. Ich fühle mich gut und verspüre etwas wie Glück. Zumindest glaube ich, dass das Glück ist, denn in dem Moment habe ich keine negativen Gedanken. Ich genieße allein den Moment, auf dem Balkon zu stehen und die Wärme der Sonne und die Gerüche des Frühlings tief in mich aufzunehmen. Wenn ich an diese Momente zurück denke, dann habe ich ein leichtes Kribbeln im Bauch, genauso wie bei der Liebe. Aber was bedeutet dieses Gefühl eigentlich? Soll das Glück sein, oder ist es etwas, was wir Menschen gar nicht richtig fassen und beschreiben können? Als ich da auf dem Balkon stand, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich habe lange Zeit daraufhin gearbeitet, genau da zu stehen. In meiner eigenen Wohnung. Ich konnte alles Negative hinter mir lassen und einen Neuanfang beginnen. Zu dem Zeitpunkt glaubte ich, dass mich nichts anderes glücklicher machen könnte. Zumindest bis dahin. So wie Graf von Moltke sagte, hat Glück auf Dauer nur der Tüchtige. Ich war sehr tüchtig, habe lange gebraucht, um dort auf dem Balkon zu stehen, auf meinem eigenen Balkon! Aber dann merkte ich nach kurzer Zeit, dass das ein vorübergehendes Glücksgefühl war. Eine Studie der Ethnologin Braun behauptet, dass viele kleine Freuden mehr zu einem glücklichem Leben beitragen, als wenige große Glückserlebnisse. Eine Studie kann nicht gleich jedem Menschen zeigen, wie es wirklich läuft. Im Regelfall ja, aber, ob es immer auf jeden zutrifft? Nachdem ich in meine Wohnung einzog und mir alles genauso eingerichtet habe, wie ich es wollte und wie es für mich am schönsten ist, ging natürlich auch der Alltag los. Das Geld ist etwas knapperund eine erfüllte Liebesbeziehung scheint nicht in Aussicht. Trotz allem saß ich in meiner Wohnung, die mir zu Beginn sehr viel Glück einbrachte. Doch dies ist nicht geblieben. Es fehlte etwas. Der Mensch ist dazu ausgelegt, sich schnell an Dinge zu gewöhnen, die ihn einst noch sehr glücklich machten. Dann wird dementsprechend jedoch schnell nach dem nächsten Glück gesucht. Aber warum eifern wir dem Glück immer weiter hinterher, wenn wir doch scheinbar erst gerade Glück erfahren durften? Der Mensch ist nie mit allem ganz zufrieden. Er wird immer wieder etwas finden, das er nicht hat und wird lange Zeit damit beschäftigt sein, sein Glück zu suchen, obwohl es einem direkt vor der Nase liegt.

 
1 Kommentar(e)
  1. Dominik Janosch
    24. November 2020

    Verschafft nicht die Vergänglichkeit Glücksgefühlen erst ihren wert? Und ist es dann nicht ein Widerspruch einem dauerhaften Glücksgefühl, hinterherzujagen?

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