Sieg trotz Corona

Amelie Steuer, Ida Müller, Gym Ahz. 9d 15. November 2020
© Hanna Michael - Hanna Michael setzt sich gegen 40 Konkurrenten mit ihrer Choreographie,,Sad Clown“ durch.
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Junge Kielerin gewinnt die deutsche Meisterschaft im Hip Hop unter erschwerten Bedingungen


Amelie Steuer, Ida Müller


Kiel. ,,Mir kamen sofort die Tränen. Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt", erzählte die 20-jährige Hanna Michael im Interview. Sie dachte sich, dass das ein Fehler sein müsste, als sie das Ergebnis der Deutschen Meisterschaft auf der Website der Streetdancefactory (SDF) sah.


Dieses Jahr sind viele Veranstaltungen aufgrund von Corona abgesagt worden, so auch viele Wettbewerbe im Hip Hop Tanzen, die für dieses Jahr geplant waren. Die Norddeutsche Meisterschaft gehörte ebenfalls zu so einem Event, an dem viele Hip Hop Tänzer teilnehmen wollten, unter anderem auch die angehende Tanzlehrerin Hanna. Da nicht nur dieser Hip Hop Wettkampf, sondern auch andere regionale Wettkämpfe aufgrund von Corona abgesagt werden mussten, beschloss die SDF kurzerhand eine deutschlandweite Meisterschaft auszurichten. Bei dieser kurzfristig geplanten Meisterschaft mussten die Teilnehmer bis Mitte April ein Tanzvideo von sich einschicken.
Als der erste Lockdown immer näher rückte, hatte die damals noch 19-jährige Hanna schon damit gerechnet, dass die Norddeutsche Meisterschaft, für die sie schon über einem halben Jahr trainiert hatte, nicht stattfinden wird. Deshalb hatte sie aufgehört weiter zu trainieren und ihre Pläne für die Choreographie über Bord geworfen. Sie war sich zuerst nicht sicher, ob sie an der deutschen Meisterschaft teilnehmen sollte. Nachdem sie allerdings eine Nacht darüber geschlafen hatte und sich die Ratschläge von ihrer Mutter anhörte, war sie sich sicher, dass sie diese Möglichkeit nutzen musste. Hanna war sich zwar sicher, dass sie keine Chance hatte zu gewinnen, da sie nur wenige Tage Zeit hatte, sich eine neue Choreografie auszudenken und diese einzustudieren. Aber durch die Ratschläge ihrer Mutter erinnerte sie sich daran, was Tanzen ihr bedeutet. ,,Hip Hop ist für mich pure Lebensfreude. Ich habe in dem Moment, wo ich tanze, keinen eigenen Herzschlag mehr, sondern nur den Takt der Musik in der Brust", antwortete Hanna auf die Frage was Hip Hop für sie sei.
Daher hatte sie sich dazu entschlossen, ein Tanzvideo von ihr einzuschicken. Bloß wusste sie noch nicht, wie sie alles in so einer kurzen Zeit ohne professionelle Hilfe schaffen sollte. Sie hatte keine Zeit, keinen Kameramann, keine Location und vor allem keine Idee für eine Choreografie. Hanna hatte nur wenige Tage, um sich um alles zu kümmern. ,,Ich bin noch nie so hart an meine Grenzen gegangen, vor allem seelisch", erzählte uns die Solo-Tänzerin. Sie hatte sich zu Hause täglich mehrere Stunden mit der Choreographie beschäftigt und es schließlich mit viel Unterstützung ihrer Familie geschafft, innerhalb von drei Tagen eine Idee zu entwickeln und passende Musik mit Hilfe ihres Bruders zu schneiden. Nebenbei musste sie sich noch um ein Kamerateam, eine Location und ein Outfit gekümmert. Hanna war ratlos und verzweifelt. Sie hatte viel zu spät angefangen und immer noch kein Bild ihres Tanzes vor Augen. Trotzdem wollte sie nicht aufgeben. Ihr Plan war es, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, Sieger der Herzen zu werden. Sie musste etwas Außergewöhnliches haben, etwas, was die Konkurrenz nicht bieten kann. Hanna trat mit ihrer Choreographie ,,Sad Clown" an. Darin geht es um eine Person, die immer ihr Bestes gibt, aber von niemandem gesehen oder gehört wird. Die Person macht sich selber zum ,,Sad Clown", wie Hanna selbst in einem Instagrambeitrag zu ihrem Contestvideo schreibt.

Sie hatte es tatsächlich geschafft, ihr Video, welches sie in der Tanzschule Gemind aufnehmen durfte, rechtzeitig einzusenden. Jetzt hieß es nur noch warten. Die Punktzahl setzte sich aus Online-Votes von Zuschauern und einer professionellen, mehrköpfigen Jury Bewertung zusammen. Hanna konnte die Entscheidung kaum abwarten. An dem Tag, an dem das Ergebnis kommen sollte, schaute sie regelmäßig auf der Website nach. Am Nachmittag war es dann endlich soweit. Das Ergebnis stand fest. Hanna konnte sich bei den 40 Konkurrenten in ihrer Altersgruppe durchsetzten und belegte somit den ersten Platz. Sie konnte es nicht glauben, die harte Arbeit hatte sich ausgezahlt. Hanna dachte erst, es sei ein Fehler der Website, doch dann kam die Bestätigungsnachricht. Sie hatte tatsächlich gewonnen! Sie hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen können und nicht nur Sieger der Herzen zu werden. Hanna konnte es nicht glauben, die harte Arbeit hatte sich ausgezahlt. Endlich konnte sie aufatmen und feierte im kleinen Kreis mit ihrer Familie.
Für die nächste deutsche Meisterschaft im Frühjahr 2021 hat sie sich bereits angemeldet und freut sich schon sehr darauf. Die Idee und Teile der Choreografie für die Meisterschaft stehen bereits fest. Außerdem hat Hanna das Angebot bekommen, im nächsten Jahr als Jurymitglied der Streetdancefactory zu fungieren. Dieses Angebot hat sie angenommen und freut sich auf das, was noch kommen wird. Denn, wie Hanna in unserem Interview mehrfach betont, ist Hip Hop und das Tanzen alles für sie.
Die Begeisterung für das Tanzen hat sie schon seit der Geburt. Mit sieben Jahren hatte sie das erste Mal in einer Tanzschule getanzt. Hanna wollte eigentlich Ballett tanzen, so wie ihre Mutter es früher tat. Je mehr sie jedoch aus der Streetdance szene mitbekam, stieg das Interesse für das Hip Hop tanzen und Popmusik. Somit hat sie mit 10 Jahren mit dem Hip Hop Tanzen begonnen, und wenn es nach ihr ginge, würde sie für ihr Leben lang weiter tanzen. Mittlerweile hat sie das Tanzen auch zu ihrem Beruf gemacht, denn sie macht zurzeit eine Ausbildung zur Gesellschaftstanzlehrerin. Momentan tanzt sie selber eigentlich nicht mehr so aktiv, da sie Tanzstunden als Tanzlehrerin in der Tanzschule Gemind in Kiel gibt. Dies macht ihr, wie sie selber sagt, fast genauso viel, wenn nicht sogar mehr Spaß. Doch durch die aktuelle Corona Lage wurden auch wieder alle Tanzschulen geschlossen. Deshalb hat sie wieder etwas mehr Zeit um selber zu tanzen und den Kopf vom stressigen Alltag frei zu kriegen.

 
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