Wie SpaceX die Raumfahrt revolutioniert

Paulina Lichtner, Klasse 9a, Gymnasium Schloss Plön 20. November 2020
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Am 30. Mai. 2020 war es endlich soweit.
Nach vielen Jahren harter Arbeit und einigen Fehlschlägen, schickte SpaceX nun die ersten beiden Astronauten zur ISS (International Space Station).
Das war nicht nur ein Meilenstein für SpaceX sondern für die Raumfahrt im Allgemeinen, denn es war das erste Mal, dass Astronauten von einer privat entwickelten Rakete in den Orbit geschickt wurden. Damit markiert die Mission den Start einer neuen Ära der Raumfahrt, sie symbolisiert die Privatisierung aber auch die Vergünstigung von Flügen ins Weltall.
2011 stellte die NASA das Space Shuttle program ein, es war zu teuer, zu riskant. Seitdem verfügten die NASA und die USA nur über eine Möglichkeit, Astronauten zur ISS zu schicken, mit der Sojus-Rakete der russischen Weltraumorganisation Roskosmos (РОСКОСМОС). Ausgerechnet vom ehemals großen Feind waren die Amerikaner nun abhängig. In etwa zeitgleich rief die NASA das Commercial Crew Program ins Leben, bei dem Privatfirmen wie SpaceX oder Boeing Fördermittel in Milliardenhöhe bekamen, um Raumschiffe, Raumkapseln und andere Systeme zu entwickeln, mit denen die Amerikaner wieder ins Weltall kommen könnten.

SpaceX entwickelte mit der Crew Dragon Kapsel eine Möglichkeit, Menschen auf der eigenen Falcon-9-Rakete zu transportieren. Die Kapsel wurde bewusst modern designt, mit viel Freiraum, sauberer weißer innenbekleidung und Touchscreens. Ein starker Kontrast zur Art und Weise, in der Astronauten bisher in der Sojus Rakete geflogen sind.

Nach vielen Jahren der harten Entwicklung, einem erfolgreichem Test und einem unbemannten Flug zur ISS konnten nun die ersten beiden Astronauten mit einer SpaceX-Rakete fliegen. Aufgrund des Wetters wurde jedoch der Start am 27. Mai, nur 17 Minuten vor dem Lift-off abgebrochen und auf Samstag verschoben, bei bemannten Missionen gelten einfach andere Sicherheitsvorkehrungen. Doch am Samstag, den 30. Mai, hat alles geklappt. Die beiden Astronauten, Bob Behnken und Doug Hurley flogen in ihren neu designten und maßgeschneiderten Raumanzügen, welche von Elon Musk entwickelt wurden, zur ISS. Parallel dazu landete die Falcon 9, die die beiden in die Umlaufbahn gebracht hatte, wieder auf einer Plattform im Meer. Je nach Schätzung spart SpaceX damit zwischen 40 und 50 Millionen Dollar, da sie ihre Rakete jetzt wieder verwenden können. 19 Stunden nach dem Start in Florida, dockten die beiden Astronauten bereits an der ISS an - ein historischer Moment, der beweist, dass auch private Unternehmen Menschen in den Weltraum schicken können. Damit hat die NASA nach neun Jahren endlich wieder eine Möglichkeit, unabhängig zur ISS zu fliegen.

Insgesamt kauften die Amerikaner in den letzten Jahren 70 Tickets von Roskosmos, für zusammengerechnet etwa 3,9 Milliarden US-Dollar, dabei sind die Kosten pro Platz immer weiter angestiegen. Zuletzt kostete ein einzelner Platz zur ISS etwas über 80 Millionen Dollar. Kein Wunder also, dass die NASA in Privatunternehmen wie SpaceX und Boeing investiert hat. Denn auch Boeing arbeitet gerade an einer neuen Kapsel für die etwas ältere Atlas 5 Rakete. In den nächsten Jahren könnte es dann drei Möglichkeiten für einen Flug zur ISS geben, wo es bisher nur eine gab.  Aber es ist klar, welche Möglichkeit die NASA bevorzugen wird. Denn, wenn ein Platz im Starliner von Boeing künftig 90 Millionen Dollar kosten wird, bietet SpaceX dasselbe für 55 Millionen Dollar an. Der Grund dafür ist, dass SpaceX seine Raketen wiederverwendet.
Während SpaceX nun erfolgreich die ersten Astronauten zur ISS gebracht hat, will Boeing bald mit dem Starliner nachziehen. Darüber hinaus hat das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin, gegründet von Jeff Bezos, knapp 580 Millionen Dollar Förderung für die Rückkehr zum Mond bekommen, es soll einen bemannten Lunar Lander entwickeln und bauen. Dieser soll Astronauten zum Mond bringen und die erste Stufe einer Mondbasis sein.

Wir stehen also vor einer möglichen Revolution der gesamten Raumfahrt, mit dem Umstieg auf private Unternehmen ergeben sich eine Menge neuer Möglichkeiten und Ziele. Gleichzeitig stellen sich aber auch viele neue Fragen, zum Beispiel: Wie wird es mit der Zusammenarbeit zwischen NASA und Roskosmos weitergehen? Auch die Frage nach dem Fokus der zukünftigen ISS-Missionen ist nicht unwichtig. Würde die ISS ein Teil der kommerziellen Raumfahrt, könnte es sein, dass die Kunden mit dem größten Budget über künftige Forschungszwecke entscheiden.

Wenngleich mit der Crew Dragon eine Privatisierung beginnt, finde ich, dass das Projekt Raumfahrt immer wieder zeigt, dass es trotz politischer Streitigkeiten Ziele gibt, die uns als Menschheit vereinen. Unabhängig von einem Staat oder einer Firma lässt einen das doch positiv in die Zukunft blicken.

 
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