Zurück zum Corona-Lockdown

Tjelle Genz Gymnasium Lütjenburg 20. November 2020
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Corona Lockdown 2.0 – aber doch ganz anders als der erste?
Es ist der 13. März 2020, der Tag, der als Corona-Lockdown in die Geschichte einging. Sämtliche Schulen in ganz Deutschland werden zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder komplett geschlossen. Niemand kann das Ausmaß der Corona-Pandemie abschätzen, es gibt zu diesem Zeitpunkt keine wirklichen Experten, was das Corona-Virus angeht. Eigentlich sollten die Menschen aus diesem Erlebnis gelernt haben. Doch jetzt, acht Monate nach dem Lockdown, müssen die Maßnahmen, die seit Mai größtenteils immer weiter gelockert wurden, wieder drastisch verschärft werden. Aber sieht der Lockdown genauso aus wie der erste oder können wir unser dazugewonnenes Wissen jetzt anwenden, um gezieltere Maßnahmen zu treffen?
Der Unterricht in der letzten Stunde verlief an diesem Freitag, dem 13. März, nicht wie gewohnt. Alle Schülerinnen und Schüler saßen gespannt auf ihren Plätzen, denn es stand eine wichtige Frage offen: Wird die Schule am Montag wieder öffnen oder wird sie zu bleiben? Zum Ende der Stunde kam dann die Neuigkeit: Die Schule wird vorerst für zwei Wochen, also bis zu den Osterferien geschlossen sein. Der Unterricht soll von zuhause stattfinden. Viele freuten sich über den Ausfall der Schule und erhofften sich entspannte zwei Woche. Am Bus war dann für die meisten die erste Veränderung sichtbar; das Einsteigen in die Busse war nur noch hinten möglich und eine Wand aus Folie trennte den Busfahrer von den Fahrgästen.
Am 16. März wurden weitere Regelungen und Maßnahmen bekannt gegeben: Veranstaltungen und Gottesdienste sind nicht mehr erlaubt. Bis auf Supermärkte müssen fast alle Geschäfte schließen. Auch die Schulen und Kitas müssen schließen, nur eine Notbetreuung steht für die jüngeren Schülerinnen und Schülern zur Verfügung. Der Tourismus wird komplett eingestellt und alle Nachbarländer machen ihre Grenzen dicht. Die eigentliche Lage Deutschlands war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Die Maßnahmen aber waren klar und deutlich: Das gesamte öffentliche und private Leben wurde heruntergefahren.
Im jetzigen Lockdown, dem Lockdown-light, ist gerade der letzte Punkt dagegen ganz anders. Das Ziel dieses Lockdowns ist nicht mehr, das öffentliche und private Leben herunterzufahren, vielmehr sollen die Kontakte reguliert werden, um Kontaktkreise nachvollziehbar zu halten. Ein großes Ziel dieses Lockdowns ist es jedoch auch, was im ersten Lockdown im März nur zweitrangig war, die Bildungseinrichtungen offen und die Wirtschaft so weit wie möglich unberührt zu lassen.
Ebenfalls ganz anders in diesem zweiten Lockdown: Wir halten uns alle für wesentlich besser vorbereitet. Als die Schulen im März geschlossen wurden, gab es keine Konzepte für die weitere Vorgehensweise. Jeder Lehrer musste sich etwas Eigenes erarbeiten und auch die Technik war noch nicht vorhanden. Jetzt, beim Lockdown 2.0 stehen die Systeme schon größtenteils bereit, um ein erneutes Homeschooling zu organisieren. All das wurde seit März erarbeitet und immer weiterentwickelt.

Am liebsten würde ich die Zeit noch weiter zurückdrehen

(Sebastian Meier, Lehrer)


Das Problem sei nicht das Homeschooling an sich, erklärt ein Lehrer des Schulzentrum Lütjenburgs. Vielmehr hätte es an dem mangelnden Vorlauf gelegen. Die Schüler mussten den Umgang mit wichtigen Programmen wie GeoGebra und Excel, aber auch mit der Kommunikationsplattform IServ, erst lernen. Die Vorkenntnisse wären in diesem zweiten Lockdown nicht mehr das größte Problem, aber sie sind auch noch nicht ausreichend. „Es wäre sinnvoll gewesen, mit den Schülerinnen und Schülern den Umgang mit diesen komplexeren Programmen während der Schulzeit nach den Sommerferien zu erlernen. Dazu fehlen aber leider auch teilweise die Möglichkeiten an der Schule", erklärt Sebastian Meier. Mit mehr Möglichkeiten an den Schulen wäre es noch wesentlich einfacher gewesen, die Schülerinnen und Schüler auf einen zweiten Lockdown vorzubereiten. „Am liebsten würde ich die Zeit noch weiter zurückdrehen, um den Schülern das Arbeiten mit diesen Programmen beizubringen", äußert der Mathe- und Physiklehrer. Die Schulen sind also besser vorbereitet als im März, aber es ist auch noch viel Luft nach oben.
Es haben sich aber nicht nur die Möglichkeiten geändert, den Alltag während strengerer Kontaktbeschränkungen möglichst normal weitergehen zu lassen, sondern auch die Einstellung. Viele, die sich über den Schulausfall während des ersten Corona-Lockdowns gefreut haben, änderten ihre Meinung schnell. „Was mir vorerst wie verlängerte Osterferien vorkam, stellte sich schnell als sehr kritische Situation dar", berichtet eine Schülerin. Viele fingen an sich alleine zu fühlen, gerade jüngere Kinder hatten nur wenige Möglichkeiten in Kontakt mit den Freunden zu bleiben. Da waren die ersten Schulbesuche für viele Kinder und Jugendliche lang ersehnt. „So viel Freiheit mir das Homeschooling auch gegeben hat, habe ich aber auch die Unterrichtsgespräche und das Miteinander vermisst", berichtet ein anderer Schüler. Im Lockdown 2.0 ist das ganz anders! Durch die Zielsetzung, die Schule so lange wie möglich offen zu halten, können Kinder und Jugendliche sich noch mit ihren Freunden treffen. Das ist ein wichtiger Grund, warum die neuen Kontaktbeschränkungen größtenteils akzeptiert und umgesetzt werden. Selbst für den Fall, dass die Schule nochmal ausfallen wird, ist die Situation für viele absehbarer, denn wir alle haben das Ganze schon einmal überstanden.
Dieser neue Lockdown 2.0 geht auf das ein, was im ersten Lockdown ein Problem war: Die Jugendlichen müssen nicht mehr alleine zuhause arbeiten, sondern können in den Schulen als Gemeinschaft lernen. Für diesen großen Vorteil nimmt man dann auch gerne in Kauf, während der Schulzeit seine Maske zu tragen, denn ohne die wäre das so wahrscheinlich nicht möglich.

 
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