Hoch hinaus in Dietrichsdorf

Michel Wild 8b, Käthe-Kollwitz-Schule, Kiel 16. November 2021 1 Kommentar(e)
Der 17 Meter hohe Kletterturm in Dietrichsdorf © Michel Wild © Michel Wild
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Kiel. Samstagmorgen, 11 Uhr, wir stehen zu fünft am Kletterturm in Kiel-Dietrichsdorf und schauen uns den gigantischen Turm mit vielen bunten Griffen an. Was erwartet uns? Der Trainer des Deutschen Alpenvereins (DAV) kommt auf uns zu und begrüßt uns. Wir gehen gemeinsam zum Ausrüstungscontainer, suchen uns Schuhe und einen Klettergurt aus.
Eine gut sitzende Ausrüstung ist der erste wichtige Baustein beim Klettern. Der Klettergurt darf auch bei einem Sturz nicht über die Hüfte rutschen, denn an ihm hängt das Leben des Kletternden. Die Kletterschuhe müssen eng sitzen, damit man mit den Füßen auch jeden Griff spüren kann. Selbstverständlich ist, dass es sich um neue oder gut gepflegte, nicht zu alte und unbeschädigte Ausrüstung handelt, damit diese auch dem heutigen Sicherungsstandard entspricht.
Nach erfolgreicher Einweisung treffen wir uns am Turm. Unser Trainer prüft den Sitz unserer Gurte und händigt uns die Sicherungsgeräte aus. Uns wird erklärt, wie man sich mit einem doppelten Achterknoten als Kletternder in das Seil einbindet und wir üben das anschließend unter dem wachsamen Blick des Trainers. Danach bekommen wir erklärt, wie wir als Sichernde den Kletternden mit einem Sicherungsgerät sichern. Wir lernen das Einfädeln des Seils in das Gerät und verbinden Letzteres mit einem Karabiner mit unserem Klettergurt. Danach üben wir die richtigen Handgriffe vielfach, bis wir diese gut beherrschen.
Klettern ist ein Partnersport, bei dem der Kletternde und der Sichernde über ein Seil miteinander verbunden sind. Abstürze aus größerer Höhe sind tödlich, durch gute Ausbildung und stetige Aufmerksamkeit und Konzentration beim Klettern und Sichern handelt es sich aber um eine der sichersten Sportarten überhaupt. Nur acht tödliche Unfälle verzeichnete der DAV in den letzten 25 Jahren.
Endlich dürfen wir an die Kletterwand. Wir bilden mehrere Zweierteams. Unser Trainer hat Seile an mehreren einfachen Routen festgemacht. Wir binden uns jeweils in das Seil ein und nach einem prüfenden Blick auf unseren Partner klettert der Erste los. Nach wenigen Metern ein kritischer Blick nach unten: Ist mein Sicherungspartner bei der Sache? Kommt er mit dem Gerät klar? Auf sieben Metern gibt der Kletternde den Befehl „Zu". Der Sichernde hat nun das Sicherungsinstrument zu blockieren. Nun muss der Kletternde die schützenden Griffe loslassen und den Mut aufbringen, sich in das Seil fallen zu lassen. Danach geht es zurück an die Wand und die Griffe werden wieder gesucht und es geht weiter nach oben.
Die Kletterrouten gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsstufen von 3 bis 11, in Kletterhallen bzw. auf Klettertürmen aber im Normalfall 3 bis 9. Schwierigkeitsgrad 3 ist der Einfachste und je höher die Zahlen, desto schwieriger werden die Griffe und die anzuwendenden Techniken, um die Griffe zu erreichen. Eine Route lässt sich durch gleichfarbige Griffe erkennen. In den unteren Schwierigkeitsgraden unterscheiden sich die Griffe in solche zum Festhalten und in Tritte. Für Letztere ist die Reibung der Gummisohlen der Schuhe besonders wichtig.
Langsam steigern wir die Höhe und die Ersten von uns schaffen es bis oben zur Seilumlenkung. Oben angekommen, kommt nach dem bekannten Befehl „Zu" der Befehl „Ab", zum Abseilen. Der Sichernde lässt langsam und stetig Seil nach, einige von uns rutschen zunächst wie ein nasser Sack die Wand herunter. Viel mehr Spaß macht es aber, die Füße gegen die Wand zu stellen und sich immer wieder abzudrücken und „herunter zu schweben".
Jeder Kletteranfänger beginnt mit dem Top-Rope-Klettern. Beim Top-Rope-Klettern führt das Seil vom Sichernden am Boden direkt bis zum Ende der Kletterroute, wo es durch zwei Karabiner umgelenkt und zum Kletterer am Boden zurückgeführt wird. Mit zunehmender Höhe des Kletterers holt der Sichernde das freie Seil, auch Schlappseil genannt, ein. Fällt nun der Kletternde, so wird sein Sturz vom Gewicht des Sichernden abgebremst. Dabei kann der Sichernde in die Höhe gerissen werden, deswegen sollte der Gewichtsunterschied maximal 10-15 Kilogramm betragen.
Nach drei Stunden intensivem Training sind die Arme schwer und wir freuen uns alle auf den zweiten Tag, wo wir das Gelernte weitervertiefen und am Ende die Abschlussprüfung bestehen wollen, um unsere Lizenz zu erhalten, mit der wir selbstständig den tollen DAV-Kletterturm in Kiel Neumühlen-Dietrichsdorf und private Kletterhallen besuchen dürfen.

 

 
1 Kommentar(e)
  1. Carla W.
    18. November 2021

    Sehr schöner Artikel! Jetzt habe ich auch Lust auf Klettern bekommen... ☺️

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