Roboter-Chirurgie in Kiel

Karoline Hoffmann, 9a, Hebbelschule Kiel 19. November 2021
Mensch und Maschine im OP © Dr. Grischa Hoffmann

Tatsächlich passt der Begriff „Roboter“ hier nicht ganz zu der Definition, da das „Da Vinci-Operationssystem“ keine programmierten Befehle ausführt. Man nennt es einen Telemanipulator, was bedeutet, dass es Befehle über eine Distanz empfangen und ausführen kann, solange diese von einem menschlichen Leitstand ausgehen. Der Apparat selbst besteht aus drei Komponenten. Auf der Seite des Patienten befindet sich ein Videoturm, der das Bild an den Monitor vor dem Chirurgen überträgt. Anbei sind vier Operationsarme. Sie führen die vom Chirurgen an der Konsole vorgegebenen Bewegungen aus. Die dritte Komponente ist die Konsole, von der aus der Chirurg die Arme steuert. Sie steht separat von dem Operationstisch. 

Seit 2015 arbeiten verschiedene chirurgische Fachrichtungen am „Kurt-Semm-Zentrum“ in Kiel am UKSH zusammen mit dem Ziel der „Unterstützung und Verbesserung der Arbeitsabläufe im Operationsaal, verbunden mit mehr Sicherheit und besseren Ergebnissen für den Patienten“, wie sie auf ihrer Homepage mitteilen.

Das erste Modell eines „Da Vinci-Systems“ wurde 1999 in Europa zugelassen, nachdem es in den USA erfunden wurde. Inzwischen wird in Deutschland in etwa 130 Krankenhäusern roboterassistiert operiert. Durch einen „Da Vinci- Roboter“ können mit den an den Operationsarmen befestigten Einmalinstrumenten die an der Konsole von dem Operateur gesteuerten Handbewegungen in Echtzeit und mit bis zu fünffacher Untersetzung ausgeführt werden. Dadurch können Unreinheiten wie zum Beispiel ein Handzittern ausgeglichen werden. Solche minimalinvasiven Operationen bieten Vorteile wie reduzierten Blutverlust und kleinere Wunden, wodurch weniger Risiken entstehen. 

Dr. Jan Beckmann vom Kurt-Semm-Zentrum ist leitender Oberarzt der Allgemeinchirurgie an der Uniklinik Schleswig-Holstein und erklärt: „Die roboterassistierte Chirurgie bietet neben abwinkelbaren Instrumenten, eine 3D-Sicht und erlaubt dem Operateur nicht nur zwei, sondern drei Instrumente und die Kamera zu steuern. Die technischen Vorteile führen dazu, dass das Operieren einfacher wird. Es ist in etwa wie Operieren mit Rückenwind.“ Auf die Frage, ob es die jetzige Generation durch die zunehmende Erfahrung mit Videospielen, Tablets und Co. einfacher haben werde, roboterassistiert zu operieren, antwortet er, dass das Training an der Spielkonsole in der Tat die Lernkurve an der Da Vinci- Konsole verkürzen könne. Allerdings würde regelmäßiges Playstation-Spielen allein sicher niemanden zum Chirurgen machen. Das Trainingsprogramm an der Kurt-Semm-Akademie beinhaltet Simulatoren, Dummys und ein Training mit den neusten Robotersystemen an Modellen, die dem menschlichen Körper nachempfunden sind und eine Durchführung von Resektionen und Anlagen von Darmverbindungen erlauben. Momentan wird zudem an der Erstellung eines Ausbildungscurriculums gearbeitet. 

Das System hat auch seine Schattenseiten, zum Beispiel wird kritisiert, dass die Einarbeitungszeit für Chirurgen in das „Da Vinci-Operationssystem“ zu lange dauern würde. Ein großer Kritikpunkt sind außerdem die aufkommenden Kosten. Zurzeit kostet die Anschaffung eines „Da Vinci-Roboters“ um die 2 Millionen Euro. Hinzu kommt, dass die Instrumente höchstens zehn Mal benutzt werden können. 

Auch der Namensgeber des „Kurt-Semm-Zentrums“ selber stand zu seiner Zeit, das heißt um 1980, hoch in der Kritik, da die Menschen das minimalinvasive Operieren für „unethisch“ hielten. 

 Heutzutage ist das minimalinvasive Operieren trotz der Kosten und des Aufwandes ein wesentlicher Bestandteil der Chirurgie. Dr. Beckmann sagt abschließend: „OP-Roboter werden zukünftig einen immer höheren Stellenwert haben. Die jetzigen Systeme sind nur der Anfang. Wie im Straßenverkehr wird man auch über Navigation und Autonomie reden müssen. Aber bis dahin können wir immer noch den einen oder anderen Abend an der Spielekonsole verbringen.“

ZITAT:

OP-Roboter werden zukünftig 

einen immer höheren Stellenwert

haben. Die jetzigen Systeme 

sind nur der Anfang.“

Dr. Jan Beckmann,

Leitender Allgemeinchirurg am UKSH

 
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