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Berufswunsch Profisportler - oder lieber nicht?

Ole, 9e, Gymnasium Altenholz 17. November 2022 1 Kommentar(e)
Alles an Bord? © Ole Moikow Vincent fliegt über das Wasser © Ole Moikow

„Was willst du eigentlich mal werden, wenn du groß bist?"
„Polizist oder Pilot, Tierarzt oder Astronaut! Oder vielleicht auch alles!"


Diese Frage hat uns alle durch unsere Kindheit und Jugend begleitet
und mit Eintritt in die Teenager-Zeit hatten wir alle sicherlich irgendwann
einmal den heimlichen Wunsch, so zu werden wie unser großes Vorbild.
Namhafter Schauspieler, berühmter Sänger oder erfolgreicher
Profisportler!
Das geliebte Hobby zum Beruf machen, den Fans Autogramme geben,
Interviews in Fernsehen und Zeitungen... das ist der Traum vieler
Jungendlichen. Aber wie verwirklicht man diesen Wunsch und wie lebt
er sich in der Realität?
Vincent Langer, 36 Jahre alt, ist ein erfolgreicher deutscher Windsurfer.
Er hat das geschafft, wovon andere träumen und gewährt mir exklusiv
Einblicke in sein Leben im Profisport.
Mit sieben Jahren bekam Vincent durch seinen Vater Zugang zum
Surfsport. Mit einem selbstgenähten Segel nahm er erfolgreich an
ersten Regatten teil. Zwischenzeitlich fokussierte sich Vincent jedoch
vornehmlich auf sein anderes Hobby - den Fußballsport - und
entdeckte seine Liebe zu Wind und Wellen erst mit 13 Jahren erneut.
Seitdem widmete er sich mit voller Leidenschaft dem Surfsport. Er
konzentrierte sich fortan auf Regatten und gewann die ersten
Sponsoren, die den Grundstein für weitere Regatten legten.
Vincent verfolgte nach dem Abitur seinen Berufswunsch, als
Fregattenkapitän, bei der Marine zu verwirklichen. Ihm gelang jedoch
der Zutritt zur Sportfördergruppe der Bundeswehr. Damit verschärfte
sich das Anforderungspensum enorm. Der Beginn seiner Karriere im
Profisport, wie Vincent es rückblickend bewerten würde.
Es folgten fortan viele Regatten und hohe Anforderungen. Vincent
wurde immer erfolgreicher, sein Bekanntheitsgrad wuchs.
Sieben bis acht Monate im Jahr war Vincent zu der Zeit international
unterwegs und gewann etliche Sponsoren und Werbepartner.
Heute lebt Vincent mit seiner kleinen Tochter und seiner Freundin
in Ostsee-Nähe.
Sein Tag beginnt um 7 Uhr morgens und nachdem er seine Tochter in
die Kita gebracht hat, trainiert er jeden Tag auf dem Wasser oder im
Fitnessstudio. Auch Büroarbeit am Laptop für Partner und Sponsoren
gehört zu seinem Alltag. Inzwischen sei er auch „nur" noch 3-4 Monate
im Jahr von zu Hause weg. In seinen Hochzeiten seien es dagegen 7-8
Monate im Jahr gewesen.
Für viele sei es ein Traum, die überwiegende Zeit im Jahr auf Reisen zu
verbringen. Dieses ständige Leben aus dem Koffer habe man jedoch
irgendwann satt. So ging es auch Vincent, der irgendwann ankommen
wollte und sich ein zu Hause gewünscht hat.
Während früher überwiegend der Spaß bei seiner Arbeit dem
Windsurfen im Vordergrund stand, hat sich das Leben von Vincent in
den letzten Jahren geändert. Der Leistungsdruck steht heutzutage im
Vordergrund. Mit seinen 36 Jahren hat Vincent 23 mal den „Deutschen
Meister" Titel erkämpft. Die Erwartungen an ihn sind von Sponsoren
und Presse sind hoch. Auch Profisportler haben mal einen schlechten
Tag und die Konkurrenz ist groß.
Auch Rückschläge musste Vincent in seiner Karriere hinnehmen.
Verletzungen führten zu längeren Zwangspausen. Verpasste Events und
Regatten bedeuten auch einen Rückgang von Sponsoren und
Werbepartnern. Plötzlich ist die Existenz bedroht.
Für eine erfolgreiche Regatta gehört natürlich auch gutes Material dazu,
dass ständig weiterentwickelt wird und dem preislich keine Grenzen
gesetzt sind. Sponsoren spielen im Leben eines Profisportlers eine
wichtige Rolle. Man kann theoretisch jedes Material gesponsert
bekommen, verpflichtet sich jedoch dann auch zu einer
Zusammenarbeit. Kommt man mit dem Material nicht gut zurecht oder
wird von einer anderen Firma ein besseres Produkt auf den Markt
gebracht, darf man nicht einfach wechseln und verpasst dann
möglicherweise Siege bei Regatten. Vincent arbeitet mit Segel- und
Boardsponsoren zusammen, inzwischen ist er auch an der Entwicklung
mit beteiligt. Finnen und Foilsponsoren hat er bislang vermieden, da
diese einen entscheidenen Einfluss auf das Surfen haben und er
diesbezüglich gerne unabhängig bleiben möchte.
Vincent liebt seinen Beruf, ist dankbar für die vielen Erfahrungen, die er
sammeln konnte und freut sich, diese auch weitergeben zu können.
In den Medien ist Vincent der strahlende Sunnyboy, der den Traum von
zahlreichen Jugendlichen lebt.
Ich habe Vincent als sehr hilfsbereiten und bodenständigen Menschen
erlebt, der trotz seiner Erfolge und Bekanntheit nicht den Boden unter
den Füßen verloren hat. Auf seinen Schultern lastet die Verantwortung
für seine kleine Familie und das lässt ihn manchmal im Gespräch auch
nachdenklich werden.
Vincent ist bewusst, dass diese Karriere letztlich endlich ist. Wenn er
mal einen schlechten Tag hat, heißt es aus den Medien, dass er nichts
mehr könne und mit seinen 36 Jahren schon zu alt sei und Sponsoren
springen ab.
Mit Ende 30 läuft die Zeit im Profisport allmählich dem Ende entgegen.
Mit gesunder Ernährung und intensivem Training versucht Vincent
leistungsstark und konkurrenzfähig zu bleiben.
Im Profisport muss man irgendwann nochmal von vorne beginnen,
wenn andere im gleichen Alter gerade beruflich durchstarten.
Mit sehr viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen könne jeder in den
Profisport gelangen. Vincent mahnt jedoch an, nach einigen Siegen
nicht gleich auf Sponsoren zu hoffen. Für den Durchbruch müsse man
Ausdauer beweisen. Surfen und erster zu werden reiche jedoch nicht
aus. Auch Fairness, Öffentlichkeitsarbeit wie social media und
Aktivitäten mit Sponsoren sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche
Karriere.

 
1 Kommentar(e)
  1. Promedia Maassen
    17. November 2022

    Hallo Ole, vielen Dank für deinen Beitrag. Man kann mit deinem Text sehr gut nachvollziehen, dass auch hinter einem Traumjob eine Menge Arbeit steht und man vieles beachten muss. Und wie so oft im Leben ist ein Plan B sicherlich gut, vor allem wenn dann altersbedingt irgendwann leider nicht mehr bei den Profis mitmischen kann. Hast du, Ole, denn auch schon einen Traumberuf im Blick? Liebe Grüße Das MiSch-Projektteam Carina und Kerstin

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