we:comment>

Eine Physiotherapeutin für vier Pfoten

Alva Lehre 15. November 2022
Seit bereits fünf Jahren ist Silke als Physiotherapeutin für Hunde tätig. An ihrer Seite finden wir Junghund Butscher und Silkes heißgeliebte Hundeseniorin Milka, die leider vor ein paar Monaten verstorben ist. © Silke Braun

"Die Muskeln gestärkt, die Schmerzen gelindert, das Gelenk wieder einsatzfähig", zufrieden schließt Hundephysiotherapeutin Silke die positiv verlaufende Therapie ab und ist bereit dem nächsten vierbeinigen Patienten wieder auf die Pfoten zu helfen. Doch nicht nur Hunden hilft sie wieder auf die Sprünge, auch exotische Gäste, wie verunfallte Katzen oder Kaninchen, finden sich gelegentlich in ihrer Praxis in Kiel/Holtenau ein.

Was hat man sich unter dem Beruf"Hundephysiotherapeutin" vorzustellen? 

„Eine Hundephysiotherapeutin macht beim Hund das, was ein Physiotherapeut beim Menschen macht", erklärt mir die Fachfrau bei unserem Interview. Es werden verschiedene Behandlungen je nach Beeinträchtigung des Tieres durchgeführt, dabei sind in erster Linie ihre Hände von Bedeutung, mit denen sie Massagen, manuelle Therapien und Krankengymnastik vollführt. Nebenbei unterstützen sie verschiedene Geräte, ein medizinischer Laser, der den Zellstoffwechsel positiv beeinflusst, ein Unterwasserlaufband zum Muskulaturaufbau und andere kleine Turngeräte, die für eine positive Entwicklung des Hundes sorgen. Von Hund zu Hund variieren die Beeinträchtigung und die darauffolgende individuell angepasste Behandlung, die von Silke erstellt wird. Beispielweise nach einem operiertem Kreuzbandriss müssen die Vierbeiner wieder lernen das Bein richtig einzusetzen. „Die schonen und ziehen das Bein meistens hoch", berichtet mir die engagierte Hundephysiotherapeutin. „Und mit der Therapie zeige ich ihnen, wie sie das Bein wieder gut benutzen können, mit dem Ziel, dass sie es voll belasten können." Somit sorgt Silke für einen schnellen und erfolgreichen Heilungsprozess und „für ein besseres psychisches Wohlbefinden" beim Vierbeiner und bringt ihnen ein Stück Alltag zurück. Frauchen und Herrchen bekommen von ihr zusätzlich kleine Hausaufgaben:„ Ich zeige den Hundemenschen auch Kleinigkeiten für zu Hause, so dass sie den Hund selbst noch unterstützen können"berichtet die Expertin. Denn allein die Therapien in der Praxis reichen nicht, um den Hund wieder fit zu machen.

Seit 2017 ist Silke als Hundephysiotherapeutin tätig, anfangs war sie mobil unterwegs, doch später im Jahre 2018 gründete sie ihre eigene Praxis, die Förde Hundephysiotherapie. Doch wie kommt man zu so einem außergewöhnlichem Beruf?

„Meine Berufung fand durch eine traurige Begebenheit zu mir", erzählt mir die Expertin. Denn 2014 verstarb ihr Vater, dem sie noch vor seinem Tod versprochen hat, sich gut um seine, jetzt ihre Hündin Milka zu kümmern. Kurz nach diesem Ereignis zog sich Milka einen Kreuzbandriss zu, der daraufhin operiert werden musste. „Die nachfolgende Reha bei einer lieben Kollegin war sehr gut und erfolgreich. Es reichte mir jedoch nicht," erklärt sie in einem von ihr selbst verfassten Beitrag. „In meinen Augen kam Milka nicht richtig auf die Pfoten-schließlich hatte ich ein Versprechen gegeben." So entschied sie sich die Genesung von ihrer Hündin selbst in die Hand zu nehmen und machte eine Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin. „In der Ausbildung selbst war die Selbstständigkeit  kein Thema. Ich lernte nur für meine Milka." Eine eigene Praxis zu eröffnen, kam ihr dabei nicht in den Sinn, schließlich ging es um die Gesundheit ihres Schützlings. Ein Dozent unterstützte und motivierte sie jedoch weiterzumachen, um anderen Hunden mit ähnlichen Erkrankungen weiter zu helfen. Schließlich eröffnete sie im Jahre 2018 ihr eigenes kleines, jetzt sehr gefragtes und erfolgreiches, Unternehmen. „Meine Geschichte soll Mut machen. Sie zeigt, dass unser Leben manchmal eine Überraschung für uns bereithält, auf die wir vielleicht allein nie gekommen wären." Eine Hundephysiotherapeutin, eine Expertin für Vierbeiner und Lebewesen, ein Hundemensch von Kopf bis Fuß, das ist Silke definitiv.                 

 


 

 
Dieser Eintrag hat bisher keine Kommentare

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert