we:comment>

Ist unsere Generation nun komplett verloren?

Anouk, 8c, Gymnasium Schloss Plön 20. November 2022 2 Kommentar(e)

Heutzutage steht viel in der Zeitung von Kindern, die Alkohol konsumieren, aggressiv werden und sich nicht konzentrieren können, aber bedeutet das auch gleich, dass unsere Generation verloren ist?

Um das zu beantworten, haben wir uns mit einer Grundschullehrerinn getroffen und ihr ein paar Fragen zu diesem Thema gestellt.

  1. Leonie, glauben Sie als erfahrene Grundschullehrerin, dass die Kinder von heute auffälliger sind als früher?
    „Ich denke, die heutige Gesellschaft ist in ihrem Empfinden viel auffälliger geworden. Kinder haben nach meiner Auffassung schon immer „viel" Blödsinn während ihres Heranwachsens gemacht. Schaue ich auf meine Kindheit zurück oder auf diese meines Bruders, so kann ich das nur bestätigen. Ebenso können das unsere Eltern im Austausch genauso für ihre Kindheit wiedergeben. Die Gesellschaft verändert sich von Jahr zu Jahr und somit auch die Vorstellung der Kindererziehung. Die Sprüche „Also das gab es in unserer Generation ja nicht oder die Jugend von heute..." werden nie verschwinden, gerade weil sich die Ansprüche an die Kindererziehung immer weiter entwickeln. In Bezug auf Alkohol, Konzentration oder aggressives Verhalten glaube ich, dass es keine großen Unterschiede in der Häufigkeit gibt. Früher wurde nur noch nicht so viel nachgeforscht und hinterfragt."
  2. Und was finden Sie hat sich bei den Kindern im Vergleich zu den Kindern von früher verändert?
    „Ich denke, dass vielen Kindern heutzutage durch die vielen unterschiedlichen Erziehungsstile wichtige Werte und Normen einfach nicht mit auf den Weg geben werden. Beispielsweise die morgendliche Begrüßung, wenn die Kinder in die Schule kommen: Das war für mich damals eine Selbstverständlichkeit und stieß schon automatsch aus mir heraus. Heute scheint es keine Priorität mehr zu haben. Aber so hat sich die Generation oder die Gesellschaft nun mal verändert. Und natürlich ergänzend dazu die Digitalisierung, die es in früheren Zeiten einfach nicht gab. Spiele im Freien wurden nun nach drinnen vor den PC verlegt."
  3. Hatten Sie selber in ihrem Arbeitsalltag schonmal Kontakt zu auffälligen Kindern?
    „Ich arbeite momentan in einer Schule, die genau von diesen Kindern besucht wird. Und ja, sie konsumieren teilweise Alkohol, haben Konzentrationsschwierigkeiten und zeigen teilweise starke Emotionen oder soziale Störungen auf. Aber meiner Meinung nach gab es diese Kinder auch schon immer. Und ich bin froh, dass es Schulen gibt, die genau solche Kinder auffangen und auch ihnen die Chance geben, eine schulische Ausbildung zu durchlaufen und ihnen wichtige Werte und Normen mit auf den Weg zu geben. Sicherlich werden da auch Kinder bei sein, die wir leider nicht „retten" können und die „verloren" gehen, aber das Gefühl, es wenigstens versucht zu haben, bedeutet mir viel."
  4. Meinen Sie, dass die „neuen Medien" bei der Entwicklung von Kindern eine große Rolle spielen?
    „Die Digitalisierung hat eine Menge verändert. Seit Corona hat sie  nochmal einen großen Sprung nach vorne gemacht. Sicherlich hat sie auch ihre Schattenseiten, wenn man bedenkt, wie viele Kinder nun vor irgendwelchen Medien sitzen. Aber so hat sich das Blatt nunmal gewendet. Ich denke, dass nicht die Technik das Problem ist, sondern unsere Anpassungsfähigkeit an Veränderung. Ich versuche aus negativen Dingen meist irgendetwas Positives zu ziehen und da finde ich können wir von den Kindern heutzutage noch viel lernen, wenn es um die Digitalisierung geht."
  5. Was glauben Sie könnte helfen, um die Kinder von heute gut zu begleiten?
    „Ich denke, dass es wichtig ist, den Kindern ein gesundes Mittelmaß anzueignen. Viel Bewegung ist sehr wichtig, dann können die Kinder auch gerne am Abend für ein paar Stunden am Fernseher oder PC sitzen.
    Dann hoffe ich, dass wir in unserer Anpassungsfähigkeit offener werden. Das bedeutet ja nicht, dass wir nun alles positiv sehen und es unterstützen müssen, aber es wird dadurch leichter, mit Veränderung umzugehen. Somit hat es sich ja auch zu Beispiel verändert, dass der Erziehungsauftrag der Kinder häufig an den Schulen hängen bleibt und wir als Lehrkräfte als Wertvermittler*innen agieren.
    Also sag ich: Nein, die heutige Generation ist nicht verloren. Sie hat nur andere Wege eingeschlagen..."

Danke Leonie für die Antworten!
Aufgrund dieser Antworten kommen wir zu dem Schluss, dass entgegen mancher Berichte unsere Generation nicht verloren ist.

 
2 Kommentar(e)
  1. Hevi
    21. November 2022

    Ich finde es gut ,dass du jemanden interviewst hast die sich auch gut dazu äußern kann. Sehr schönes Interview !
  2. Fritti
    21. November 2022

    Suiiiiiii, richtig cooles Interview und sehr spanned

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert