Wie man mit Parkinson leben kann und muss

Iven Diercks, Klasse 8c, Ricarda-Huch-Schule 17. November 2022

Eine Reportage über das Leben mit einer unheilbaren Erkrankung von der in Deutschland aktuell bis zu 400.000 Menschen betroffen sind

„Ich war immer eigenständig und konnte gut für mich selbst sorgen. Dann plötzlich veränderte sich alles", erzählt Karl M. und schaut bestürzt zu Boden. Ich sehe dem älteren Mann an, wie schwer es ihm fällt, über die Veränderungen in seinem Leben zu sprechen. Als vor zwei Jahren bei Karl M. eine Krankheit namens Morbus Parkinson diagnostiziert wurde, war es wie ein Schock für ihn. Er erinnerte sich an prominente Menschen, die das gleiche Schicksale erlitten hatten wie er; darunter der bekannte Boxer Muhammad Ali oder auch der Moderator Frank Elstner. Doch was steckt hinter der unheilbaren Erkrankung Parkinson?

Bei Morbus Parkinson ist das zentrale Nervensystem betroffen. Die Erkrankung beginnt meistens jenseits des 50. Lebensjahres und ereilt Frauen und Männer im gleichen Ausmaß. Dabei leiden die Betroffenen unter zunehmender Bewegungsstörung, einer Bewegungsverlangsamung, steifen Muskeln, Zittern sowie einer instabilen Körperhaltung und einer schleichenden Demenz. Die Auswirkungen der Erkrankungen sind daher sehr auffällig. Während des Interviews bemerke ich wie lange Karl M. überlegen muss, um auf meine Fragen zu antworten. Seine Sprache ist sehr verlangsamt und auch der verstärkte Speichelfluss erschwert ihm zusätzlich die Unterhaltung mit mir. Gespräche werden somit zu Herausforderungen, mit denen die Betroffenen sich auseinandersetzen müssen.

Auch für die Angehörigen ist es häufig sehr belastend, die Erkrankten in ihrer fortschreitenden Unselbstständigkeit zu beobachten. Karl M. lebt seit dem Tod seiner Frau allein und ist nun auf die Hilfe und Unterstützung seiner Töchter und eines ambulanten Pflegedienstes angewiesen. Sein Alltag ist zunehmend fremdbestimmt. Eine Lebenssituation, die sich von der Zeit vor seiner Erkrankung unterscheidet und die er sich anders wünscht, jedoch akzeptieren muss.

„Schlimm sind die Momente, in denen ich die einfachsten Dinge nicht mehr weiß, z.B. mein Telefon zu bedienen oder an die Tür zu gehen, wenn es klingelt. Das macht mir manchmal Angst", sagt Karl M. Hinzu kommen die plötzlich auftretenden Schwindelanfälle, durch die er eine deutlich erhöhte Sturzgefahr entwickelt hat. Diese Situationen sind charakteristisch für die Erkrankung und können nur durch eine gut eingestellte medikamentöse Therapie etwas verlangsamt und abgemildert, aber nicht geheilt werden.

An dieser Stelle wird mir die Belastung für die Betroffenen in ihrem Alltag sehr bewusst. Umso mehr bin ich beeindruckt wie Karl M. trotz seiner erschwerten Lebenssituation den Lebensmut nicht zu verlieren scheint. Vielmehr strahlt er eine Dankbarkeit für sein Leben aus und für die Möglichkeit noch allein zu Hause sein zu können. Bei der Frage, was er sich von den Menschen wünscht, die ihn unterstützen, antwortet er: „Ich möchte ganz normal behandelt werden und eher darin begleitet werden, möglichst vieles noch allein zu tun. Alles abgenommen zu bekommen, gibt mir vielmehr das Gefühl eine Belastung für andere zu sein."

Zum Schluss unseres Interviews frage ich Karl M., was ihm am meisten Freude macht: „Fahrradfahren", verrät er mir. Sobald er sich kräftig genug fühlt, nimmt er sein E-Bike und fährt seine bekannten Wege durch die Kieler Innenstadt und Umgebung. In diesen Momenten ist er zufrieden und freut sich über das, was er noch kann, und hadert nicht mit dem, was langsam verloren geht.

Weitere Informationen zur Erkrankung unter: www.parkinson-gesellschaft.de

 
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