Erna Martha Fischer mit etwa 16 Jahren © Familienfoto
„Der 25. Juli 1943 war der Tag, der mein Leben für immer veränderte!"
Die heute 98-jährige Hamburgerin schildert in einem Interview, wie sie den Bombenangriff auf Hamburg erlebte.
Hast du von dem kleinen Mädchen noch was gehört, welches du gerettet hast?
Nein zu diesem Zeitpunkt nicht. Wie auch, ich wusste nicht mal, wie sie hieß.
Im Krankenhaus lernte ich einen ebenfalls verwundeten Mann kennen. Er hatte beide Arme verbunden. Er kam mich häufiger am Krankenbett besuchen. Ich konnte immer noch nicht aufstehen.
In einem Gespräch stellte sich heraus, dass die Frau mit den drei Kindern seine Schwester war.
Konnte der Mann dir sagen, ob seine Schwester und die beiden Jungs den Angriff überlebt haben?
Bedauerlicherweise sind in dieser Nacht alle drei ums Leben gekommen.
25 Jahre später, ich war schon verheiratet. Da klingelte mein Telefon.
Eine junge Frau meldete sich bei mir. Es war das kleine Mädchen. Sie bedankte sich bei mir, dass ich ihr das Leben gerettet hatte.
Ja und irgendwie hat sie auch mein Leben gerettet, denn wäre ich damals nicht im Treppenhaus stehen geblieben, um ihrer Mutter mit den Kinder zu helfen, dann wäre ich vermutlich mit meiner Familie in die falsche Richtung gelaufen.
Hast du deine Eltern und Schwestern wiederfinden können?
Ich haben nie wieder was von Ihnen gehört. Es kam einfach keine Nachricht und so habe ich nach einem Jahr des Hoffens die Sterbeurkunden erhalten.
Ich verlor in dieser Nacht nicht nur mein Zuhause, sondern alles, was mir lieb war!
Du bist heute 98 Jahre alt. Was möchtest du uns noch mitgeben?
Ich erzähle meine Geschichte nicht für mich selbst. Ich erzähle sie für meine Kinder, Enkel und Urenkel damit sie die Bedeutung des Friedens verstehen. Es ist mein Auftrag meine Nachkommen zu mahnen, dass die Narben, die ich trage niemals ihre Realität werden dürfen.